Jonathan Albustin im Interview

25.10.2026 | Hinter Jonathan Albustin liegt die bisher erfolgreichste Saison seiner noch jungen Karriere. Im Interview lässt das U18-Top-Talent das Jahr Revue passieren und steckt seine kurz- und mittelfristigen Ziele ab.

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Der bisher größte Karriere-Moment: Jonathan Albustin holte in Rieti U18-EM-Gold. © Jan Papenfuss

Jonathan Albustin hat im Jahr 2026 alle Erwartungen übertroffen: Er holte vier DM-Medaillen (10 km Straße: Gold / 3000 m Indoor U20: Bronze / 5000 m U20: Bronze / 3000 m U18: Silber), stellte drei Westfalenrekorde auf und errang in einem begeisternden 3000 m-Lauf bei der U18-Europameisterschaft in Riet die Bronze-Medaille. Im Interview spricht er über das in diesem Jahr Erreichte, seinen Aufstieg bei der LG Brillux unter Anleitung von Jörg Riethues sowie die kurz- und mittelfristigen Zielstellungen.

Jonathan, hinter dir liegt das mit Abstand erfolgreichste Jahr deiner bisherigen Karriere. Wie denkst du selbst über die vorläufige Bilanz der Saison 2026?

Jonathan Albustin: Die Saison hätte tatsächlich nicht viel besser laufen können. Das große Ziel war natürlich von Anfang an, mich für die U18-Europameisterschaft zu qualifizieren. Aber ich hätte nicht erwartet, dass mir die Qualifikation so einfach gelingt und ich dort eine Medaille gewinne. Dazu kamen dann ja auch noch die vier DM-Medaillen, von denen ich zwei in der älteren Altersklasse gewinnen konnte, was ich auch nicht unbedingt erwartet hatte.

„Das große Ziel war von Anfang an, mich für die U18-Europameisterschaft zu qualifizieren. Aber ich hätte nicht erwartet, dass mir die Qualifikation so einfach gelingt und ich dort eine Medallie gewinne.“ (Jonathan Albustin)

Du hast es angesprochen: Die Krönung eines durchweg starken Jahres war die EM-Medaille in Rieti. Was erinnerst du mit drei Monaten Abstand von der U18-EM?

Jonathan Albustin: Ich erinnere mich an eine Woche voller schöner Momente und Erfahrungen. Natürlich mit dem Höhepunkt, dass ich dort meinen mit Abstand größten Erfolg feiern konnte. Außerdem erinnere ich mich daran, dass wir untereinander ein sehr gutes Team waren und es deswegen umso mehr Spaß gemacht hat, weil wir uns immer gegenseitig angefeuert haben.

Abgesehen von den Medaillen und Titeln hast du mit deinen Zeiten beeindruckt: Über die 1500 m hast du dich um 15 s gesteigert (3:51,84 min), über die 3000 m um 32 s (8:10,01 min); die 5000 m (14:39,66 min) und die 10 km auf der Straße (30:20 min) bist du aus dem Stand schneller als ein Großteil der nationalen U20-Spitze gelaufen. Wie kam es zu dieser rastanten Entwicklung?

Das ist natürlich immer eine Frage, die man nicht zu 100% klar beantworten kann, weil immer sehr viele verschiedene Faktoren eine Rolle spielen.

Auf jeden Fall hat am meisten dazu beigetragen, dass ich das ganze Jahr über weder krank noch verletzt war und deswegen keinen einzigen Trainings-Tag verpasst habe. Dann muss man natürlich auch sagen, dass das Training meines Trainers Jörg Riethues einfach für mich perfekt funktioniert hat und ich mich so konstant über das Jahr steigern konnte.

„Ich war weder verletzt noch krank und habe deswegen keinen einzigen Trainings-Tag verpasst. Außerdem hat das Training meines Trainers Jörg Riethues einfach für mich perfekt funktioniert.“ (Jonathan Albustin)

Ouvertüre des Freiluft-Jahres 2026: Auf der Straße holte Jonathan im März 10 km-DM-Gold.

U20-Langstrecken-DM: Das erste 5000 m-Bahn-Rennen mündete in Bronze mit Westfalenkrekord.

Du hast dir begeisternde Duelle mit Maximilian Rath (LG Stadtwerke München) geliefert. Im europäischen Vergleich stellt keine Nation auf den Mittel- und Langstrecken ein vergleichbar starkes U18-Duo. Spornt dich diese innerdeutsche Konkurrenz-Situation an?

Diese innerdeutsche Konkurrenz spornt mich tatsächlich sehr an und ist, glaube ich, auch sehr wichtig für mich. So bleibt mir bei jedem einzelnen Wettkampf nichts anderes übrig, als an meine Grenzen zu gehen. Und vor allem hat man konstant diese Lust, Deutschlands Nummer 1 werden zu wollen.

„Die innerdeutsche Konkurrenz spornt mich tatsächlich sehr an. Vor allem hat man konstant diese Lust, Deutschlands Nummer 1 werden zu wollen.“ (Jonathan Albustin)

Das frühe Fundament für die Mittelstrecken hast du zunächst bei deinem Heimatverein Grün-Weiß-Nottuln gelegt, ehe du dich 2024 der Trainingsgruppe von Jörg Riethues angeschlossen hast. War es für dich einfach, vom vertrauten Nottulner Umfeld in die deutlich größeren, leistungsorientierteren Strukturen der LG zu wechseln?

Ehrlich gesagt sogar schon. Es war nämlich eher ein fließender Übergang. Erst wurde ich zum Stützpunkttraining von Robert Welp eingeladen, das jede zweite Woche stattfand; hier habe ich die ersten Kontakte mit der LG geknüpft.

Und dann durfte ich immer öfter kommen, sodass ich dann dreimal pro Woche mit der „richtigen“ LG-Trainingsgruppe trainiert habe. Von dort an hat mich dann auch Jörg Riethues trainiert.

Keine andere europäische Nation hat auf den Mittelstrecken ein stärkeres U18-Duo: Maximilian Rath und Jonathan Albustin.

Auch Bruder Samuel (rechts) spielt für Jonathan eine große Rolle. © FLVW

Welche Rolle spielt für dich dein ein Jahr äterer Bruder Samuel, der den Weg mit dir gemeinsam geht?

Jonathan: Tatsächlich eine sehr große Rolle. Wegen ihm muss ich ja nahezu keine Trainingseinheit alleine machen, denn wann immer wir nicht in Münster trainieren, machen wir die lockeren Dauerläufe zusammen. Und das ist natürlich ein Vorteil, den kaum jemand hat. Dazu kommt auch, dass wir fast immer zusammen auf Wettkämpfen sind, was auch echt schön ist. Außerdem ist es cool, jemanden zu haben, mit dem man sich über sein Training unterhalten kann und der Ahnung von dem Thema hat.

2027 steht mit dem Übergang in die U20-Klasse ein herausfordernder Schritt an. Wirst du, wie im zurückliegenden Jahr, die komplette Bandbreite der Bahn- und Straßendistanzen laufen oder einen stärkeren Fokus setzen?

Das ist natürlich eine Frage, die nicht nur ich entscheide. Letztendlich übernimmt mein Trainer die Wettkampfplanung. Jedoch kann ich sagen, dass die U20-EM in Polen im Vordergrund steht und ich mich dort über 3000m und/oder 5000m qualifizieren will.

Dazu gehört aber auch die Unterdistanzen, wie z.B. die 1500m zu laufen, um das nötige Tempo zu entwickeln. Also wird die Saison ähnlich wie die letzte aussehen.

„Ich werde die Cross-Saison definitiv mitnehmen. Dort ist das Ziel, mich für die U20-Cross-EM zu qualifizieren.“ (Jonathan Albustin)

Für den Moment sind die Crossläufe das nächste potenzielle Ziel im Leichtathletik-Kalender. Werden wir dich im Gelände sehen und, wenn ja, was sind deine Ambitionen?

Jonathan: Ja, ich werde die Cross-Saison definitiv mitnehmen. Dort ist das Ziel, mich für die U20-Cross-EM zu qualifizieren. Dazu muss man aber sagen, dass das echt nicht leicht wird. Die Tickets für die EM gibt es in Pforzheim und bei der U20-Cross-DM. Also könnte es gut sein, dass ich anstatt der U18-DM, die U20-DM laufe, um mich für die U20-Cross Europameisterschaft zu qualifizieren

Im Vorjahr holte Jonathan DM-Bronze im Crosslauf. 2026 liebäugelt das U18-Talent mit der U20-EM. © Foto: Beautiful Sports/KJPeters