Mehrkampf-DM: Patrick Hüsken und U18-Team holen Bronze
03.09.2026 | Patrick Hüsken hat bei der Mehrkampf-DM in Hannover mit 7.047 Punkten die Bronze-Medaille gewonnen. Auch das Team mit Patrick Hüsken, Max Wolgast, Jakob Zubiak und Tizian Schulte-Hillen holte Edelmetall.

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Die sechs DM-Athlet:innen : Marie Hellmann, Tizian Schulte-Hillen, Marvin Staubermann, Patrick Hüsken, Jakub Zubiak, Max Wolgast. © Klaudia Schönfeldt
Gute Leistungen bot das sechsköpfige Mehrkampf-Team am zurückliegenden Wochenende bei der DM in Hannover. Zum Ende einer langen Saison überzeugte vor allem das U18-Quartett: Patrick Hüsken (7.047 Punkte / Einzel-Bronze), Max Wolgast (6.442 Punkte / PB) und Jakub Zubiak (5.773 Punkte / PB) sammelten in der Summe 19.262 Punkte und holten damit Mannschafts-Bronze. Auch Tizian Schulte-Hillen, der verletzungsbedingt auf die finalen 1500 m verzichten musste, konnte mit Edelmetall strahlen. In der Aktiven-Klasse erzielte Marie Hellmann im Siebenkampf 4.623 Punkte (Platz 22), Marvin Staubermann sammelte nach einer Disqualifikation im Weitsprung 5.528 Punkte für neun gewertete Disziplinen (Platz 20); für beide Aktive war es die DM-Premiere. Betreut wurden die Athlet:innen vom Trainerstab mit Klaudia Schönfeldt, Fenja Gude und Niklas Workert.
Patrick Hüsken: Mentales Tief im Sommer als harte Prüfung
Wäre die Saison nach Plan gelaufen, hätte Patrick Hüsken nicht an der Mehrkampf-DM teilgenommen. „Das Ziel für 2026 war es, zur U18-EM zu fliegen. Alles war um Rieti herum geplant – der Familienurlaub, ein Führerschein-Intensivkurs, die Zeit für Regeneration“, sagt der 17-Jährige, der eigentlich am DM-Wochenende den Ausklang seiner Offsesaon erlebt hätte.
Die große Zäsur, verbunden mit tiefgreifenden Planungs-Korrekturen kam Ende Juni mit dem EM-Qualifikationswettkampf von Filderstadt: Obwohl Hüsken die Norm nach Punkten sicher überbot, verpasste er das EM-Ticket.
„Ich befand mich in einem mentalen Low und auch DM-Einzel-Silber mit dem Speer hat daran wenig geändert. Es fiel mir schwer, die Motivation und die Disziplin für die Vorbereitung auf die Mehrkampf-DM zu finden.“ (Patrick Hüsken)
Für den jungen Lüdinghauser, dem bis dahin in seiner Karriere nahezu alles gelungen war, folgten schwere Monate, bei denen die planerisch-organisatorischen Herausforderungen noch das geringste Problem waren. „Ich befand mich in einem mentalen Low und auch DM-Einzel-Silber mit dem Speer hat daran wenig geändert“, verweist Hüsken auf den inneren Struggle, der den kompletten Sommer prägte.
So wurde auch der Weg nach Hannover zu einer harten Prüfung: „Es fiel mir schwer, die Motivation und die Disziplin für die Vorbereitung auf die Mehrkampf-DM zu finden. Ich habe nach der Rückkehr aus dem Familienurlaub zwar regelmäßig trainiert, aber früh bemerkt, dass mein Körper und ich nicht mehr die volle Kraft hatten.“
Es zeichnet Patrick Hüsken aus, dass er bemerkenswert offen über das tiefe Tal spricht, das fast jeder aufstrebene Athlet früher oder später durchqueren muss. Die individuelle Challenge wurde für Patrick Hüsken im August zunehmend hart: „Ein Großteil meiner Trainingsgruppe und auch des Trainerteams waren in der Offseason“, verweist er auf den besonderen Kraftakt.
Perspektivwechsel kurz vor der DM
Gerade noch rechtzeitig vor der DM gelang es Hüsken letztlich, positive Energie für den kräftezehrenden Zehnkampf zu schöpfen.
„Ich habe für Hannover meine Zielstellungen anders definiert: Ich wollte in erster Linie Spaß haben – mit meinem Team und Freunden, ganz unabhängig vom Endergebnis.“ (Patrick Hüsken)
Dabei halfen ihm ein Perspektivwechsel samt Inspiration durch Top-Zehnkämpfer Niklas Kaul: „Ich habe für Hannover meine Zielstellungen anders definiert: Ich wollte in erster Linie Spaß haben – mit meinem Team und Freunden, ganz unabhängig vom Endergebnis. Ich habe mir ein Beispiel an Niklas Kaul genommen, der nach seiner Silbermedaille von Birmingham sagte, dass mit Spaß alles auf einmal viel leichter geht.“ Hüsken versuchte sich damit am Kontrastprogramm zu Filderstadt, wo er nach eigener Aussage „zu verkopft“ an den Start ging.
Exzellenter Start in den Zehnkampf, Rückschlag im Hochsprung
Der Wettkampf-Start in Hannover bescherte dann zunächst das Erhoffte: Leichtigkeit als Schlüssel für Leistung. Mit zwei persönlichen Bestleistungen (100 m: 11,69 s / 713 Punkte; Weitsprung: 6,71 m / 746 Punkte) und einem gewohnt starken Kugelstoßen (15,38 m / 813 Punkte) trumpfte Patrick Hüsken auf, vor allem der Weitsprung war mit einer Steigerung um 26 Zentimeter ein großes Ausrufezeichen.
Dass der Flow an dieser Stelle unterbrochen wurde, verweist auf eine zweite Baustelle, die ebenfalls zuvorderst im Kopf anzusiedeln ist: Der eigentlich starke Hochspringer (PB: 1,97 m) kam nicht über 1,71 m hinaus – magere 552 Punkte flossen aufs Konto, womit Patrick Hüsken auf den am Ende siegreichen Elias Henne (TSV Gräfeling / 1,98 m) mehr als 230 Punkte einbüßte. Eine Erklärung für das schwache Abschneiden bieten die mentalen Folgen einer im Winter 2025/26 erlittenen Fuß-Verletzung: „Ich traue mich nicht, das komplette Gewicht auf das Sprungbein zu legen. Das ist so eine Art Sperre im Kopf“, sagt Hüsken, der in diesem Sommer nie an seine Bestwerte herangesprungen ist. Tag eins beendet er mit passablen 52,76 s für die 400 m (692 Punkte).
„Ich traue mich nicht, das komplette Gewicht auf das Sprungbein zu legen. Das ist so eine Art Sperre im Kopf.“ (Patrick Hüsken)
Tag zwei begann wiederum stark: Trotz leichtem Gegenwind erzielte Hüsken eine Hürden-PB (14,78 s / 876 Punkte). Mit dem mit Abstand schwächsten Diskus-Wettkampf der Saison schlug indes nach Disziplin sieben das Pendel ein zweites Mal in die Gegenrichtung aus. Patrick Hüsken gelang dennoch eben das, was er sich vorgenommen hatte: Er freute sich über die Höhen und nahm die Tiefen an. Mit diesem Mindset gelang es ihm, die verbleibenden drei Disziplinen auf einem hohen Niveau zu absolvieren – der zweite 4,00-Meter-Sprung seiner Karriere (617 Punkte) mit nur hauchdünn gerissenen 4,10 m, ein ansprechendes Speerwurf-Ergebnis (58,50 m / 715 Punkte) und der stärkste 1500 m-Lauf des Führungsfeldes (4:39,95 min / 681 Punkte) waren mehr als beachtlich, gemessen an der schwierigen Vorbereitung.
85 Punkte fehlen zur Goldmedaille
In der Gesamtbilanz (7.047 Punkte) fehlten Patrick Hüsken zum zweitplatzierten Jakob Sand (TSV Ansbach) 59 Punkte und zum neuen deutschen Meister Elisa Henne (TSV Gräfeling) 85 Punkte – eine geringe Lücke nach zehn Disziplinen.
„Trotz allem, das besser hätte laufen können, hat mich Hannover daran erinnert, warum ich meinen Sport liebe. Und das fühlt sich gerade wichtiger an als das Ergebnis selbst.“ (Patrick Hüsken)
Was bleibt für Patrick Hüsken selbst von Hannover übrig? „Mein Plan ist semi gut aufgegangen. Ein drittes Mal in dieser Saison muss ich mit einem Beinahe leben. Trotz allem, das besser hätte laufen können, hat mich Hannover daran erinnert, warum ich meinen Sport liebe. Und das fühlt sich gerade wichtiger an als das Ergebnis selbst.“ – Es sind reflektierte, reife und ermutigende Worte eines 17-jährigen Athleten, der in seiner Karriere noch viel erreichen kann und große Anerkennung für die Saison 2026 verdient.
Marvin Staubermann: Gelungene DM-Premiere mit Schönheitsfehler
Die erste Deutsche Meisterschaft war für Marvin Staubermann eine große Errungenschaft. Lediglich zwei Wochen nach seinem Quali-Wettkampf von Gütersloh präsentierte er sich überraschend gut erholt: Bestleistungen über die harten Laufstrecken (400 m: 54,34 s / 1500 m: 5:19,43 min) sprechen für sich. Beeindruckend waren zudem die zweibeste Einzelleistung des Feldes mit dem Diskus (41,77 m) und die drittbeste Weite mit der Kugel (13,75 m).
„Mein Schuh war offenbar nicht für Sprung-Events zugelassen. Ich muss den Fehler definitiv auf meine Kappe nehmen, obwohl die Kontrolle etwas merkwürdig abgelaufen ist.“ (Marvin Staubermann)
Dass in der Endabrechnung lediglich 5.528 Punkte in die Ergebnisliste eingingen, war einer Disqualifikation im Weitsprung geschuldet. „Mein Schuh war offenbar nicht für Sprung-Events zugelassen. Ich muss den Fehler definitiv auf meine Kappe nehmen, obwohl die Kontrolle etwas merkwürdig abgelaufen ist: In der Männer-Klasse sind mehrere Athleten diesen Schuh gesprungen, allerdings wurde nur ich kontrolliert und damit disqualifiziert – beanstanden wollte ich das nicht, denn dann hätte ich die anderen automatisch verpetzt, das wäre unsportlich gewesen.“ – Marvin Staubermann bietet damit einmal mehr ein leuchtendes Beispiel für Sportsgeist und Kameradschaft.
Trotz der unglücklichen Episode war der 29-Jährige glücklich mit seiner großen DM-Premiere: „Ich bin sehr zufrieden mit meinem Zehnkampf. Trotz der kurzen Regeneration bin ich nur knapp 40 Punkte hinter Gütersloh geblieben, wenn man die Weitsprung-Punkte mitzählt“, bilanziert Marvin Staubermann, der sein Herkules-Programm von zwei Zehnkämpfen innerhalb von zwei Wochen erst am Ende spürte.
„Nach den 1500 m war ich unfassbar froh und stolz es geschafft zu haben – auch dank vieler Athleten, Freunde und Trainer, die mich immer wieder motiviert und unterstütz haben.“ (Marvin Staubermann)
„Die abschließenden 1500 m waren super anstrengend – da habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass mein Akku leer ist. Trotzdem konnte ich auch Tag zwei mit einer PB beenden und war unfassbar froh und stolz es geschafft zu haben – auch dank vieler Athleten, Freunde und Trainer, die mich vor Ort immer wieder motiviert und unterstütz haben“, fasst Staubermann die Emotionen in Worte.
Marie Hellmann: Ohne Druck im Kreis der nationalen Spitze
Bei den Frauen erlebte Marie Hellmann ihrerseits die erste DM ihrer Karriere. Ohne Druck absolvierte sie die sieben Disziplinen und sammelte wertvolle Erfahrungen auf nationaler Bühne; 4.623 Punkten (Platz 22) gingen in die Gesamtbilanz ein. „Ich wollte einfach die Atmosphäre genießen, Spaß haben und am Ende nicht Letzte werden“, ordnete die 24-Jährige ihren Wettkampf mit einem gewissen Augenzwinkern ein. Alle Zielstellungen gelangen, sodass die Athletin des Grundvereins TuS Germania Horstmar das erste große Kräftemessen mit der nationalen Spitze in guter Erinnerung behalten wird.
Besonders hervorzuheben sind eine neue Hochsprung-Bestleistung (1,56 m) sowie starke Punktzahlen in den Sprint-Disziplinen (100 m Hürden: 14,68 s / 884 Punkte; 200 m: 25,96 s / 801 Punkte).
U18: Max Wolgast und Jakub Zubiak mit deutlichen Steigerungen
Ausgezeichnet lief es in Hannover für Max Wolgast, der in allen vier Sprint- bzw. Lauf-Disziplinen Bestleistungen erzielte und in der Endabrechnung mit satter PB von 6.442 Punkten Platz 14 belegte. Herausragend waren vor allem die geteilte stärkste Stabhochsprung-Leistung des kompletten Feldes (4,40 m / 731 Punkte), der drittschnellste 100 m-Sprint unter 35 Athleten (11,30 s / 795 Punkte) und ein starkes, wenn auch windbegünstigtes Weitsprung-Ergebnis (6,54 m / 707 Punkte). Mehr als 700 Punkte sammelte Wolgast auch über die 110 m Hürden (15,49 s / 791 Punkte) und über die Stadionrunde (52,50 s / 703 Punkte). Gelingt es dem jungen Horstmarer, an seinen relativen Schwächen in den Wurf-Disziplinen und den 1500 m zu arbeiten, kann er sich perspektivisch noch weiter nach vorne orientieren.
Jakub Zubiak überzeugte u.a. mit den zwölfstärksten Weitsprung-, Diskus-, und 1500 m-Leistungen des Feldes (6,45 m / 38,82 m / 4:50,45 mi) sowie mit Bestleistungen über die 100 m (12,07 s) und die 400 m (54,29 s). Insgesamt sammelte er 5.773 Punkte uns stellte damit eine neue PB auf.
Team-Bronze als Belohnung
Das Trio Patrick Hüsken, Max Wolgast und Jakub Zubiak verdiente sich Mannschafts-Bronze redlich, der Vorsprung auf Platz vier (SSV Ulm war enorm).
Der vierte U18-Zehnkämpfer, Tizian Schulte-Hillen, musste seinen Zehnkampf verletzungsbedingt vor den 1500 m beenden. Bis dahin hatte er mit dem ersten 6 Meter-Weitsprung seiner Karriere (6,07 m), einem gewohnt starken Hochsprung (1,80 m) und sehr guten 100 m bei starkem Gegenwind (11,76 s) überzeugt.







