U18-EM: Jonathan Albustin holt mit furiosem Lauf Bronze
21.07.2026 | Mit einem furiosen Lauf hat Jonathan Albustin bei der U18-EM in Rieti (Italien) die Bronzemedaille gewonnen. In 8:10,01 min begeisterte er auf den 3000 m.

Sponsor

EM-Bronze: Jonathan Albustin jubelt mit der deutschen Flagge. © Jan Papenfuss
Die Leistung von Jonathan Albustin bei der U18-Europameisterschaft in Rieti lässt sich nur mit Superlativen erfassen: Phänomenal war sein Auftritt im Kräftemessen der besten unter 18-jährigen 3000 m-Läufer des Kontinents, sensationell seine Bronze-Medaille und herausragend die Steigerung auf 8:10,01 min. Angereist als Nummer sieben der Meldeliste, wusste Albustin zwar um seine bestechende Form und vorhandene zeitliche Reserven, von einer Medaille hätte er aber nicht zu träumen gewagt.
Entsprechend überwältigt kommentierte der 16-Jährige am Tag danach sein Rennen: „Ich muss ehrlich gesagt noch realisieren, was gestern passiert ist. Eine Medaille zu gewinnen und dann noch mit meinen Zimmerpartner auf dem Podium zu stehen, ist ein Szenario, das ich vorher niemals für möglich gehalten hätte.“
„Eine Medaille zu gewinnen und dann noch mit meinen Zimmerpartner auf dem Podium zu stehen, ist ein Szenario, das ich vorher niemals für möglich gehalten hätte.“ (Jonathan Albustin)
In der Tat schnappte sich das DLV-Duo Maximilian Rath/Jonathan Albustin in Rieti gleich zwei Medaillen: Der Münchner Rath überquerte sechs Zehntelsekunden vor Jonathan Albustin die Ziellinie und wurde in 8:09,40 min Vize-Europameister. Lediglich der Brite Joseph Scanes (8:09,19 min) war von den Deutschen im Spurt nicht zu bezwingen. Derweil hielt Jonathan Albustin den Papierfavoriten Meziane Benhammou (Frankreich / 8:11,79 min / Platz vier) souverän in Schach.
Jonathan Albustin hält das Rennen offen
Das Rennen entwickelte sich zunächst ideal für das Top-Talent der LG Brillux: An der Spitze sorgte Meziane Benhammou für schnelle Pace, weit entfernt von taktischem Geplänkel – nach 2:43 min passierte das Feld die 1000 m-Marke. Und der tempoharte Franzose (10 km-PB: 29:03 min) legte nach: Benhammou suchte noch vor der Rennhälfte die Entscheidung, riss eine Lücke. In dieser Situation war es Jonathan Albustin, der sich entschlossen an die zweite Stelle setzte und die Gruppe zurück nach vorne führte. Danach flachte das Tempo ab, nach zwei Dritteln des Rennens (5:31 min) war erneut alles offen und das elfköpfige Feld kompakt unterwegs.

Jonathan schließt die Lücke zum Franzosen Meziane Benhammou. © Jan Papenfuss
Einen kritischen Moment meisterte Jonathan Alubstin 600 m vor dem Ziel, als er in den beginnenden Positionskämpfen zwischenzeitlich auf Platz sechs zurückfiel. „Da habe ich mir gedacht: Schade, jetzt hat der Spaß ein Ende“, beschreibt er die Momente zum Auftakt der Crunchtime. Dass Albustin in dieser Situation dagegenhielt, ist auch Beleg des deutlich gewachsenen Selbstbewusstseins und mentaler Resilienz .
Eingangs der Schlussrunde war er wieder in Position und Teil des Quartetts, das um die drei Medaillen spurtete. Als Jonathan in der Zielkurve mit deutlichem Geschwindigkeitsüberschuss Mezian Benhammou passierte, bestand kein Zweifel daran, dass er Bronze nicht mehr hergeben würde.
2:38 min für den letzten Kilometer, 57,5 s für die Schlussrunde
Der Athlet selbst erlebte das Finish so: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich so eine schnelle letzte Runde laufen könnte. 200 m vor dem Ziel habe ich mich echt gut gefühlt und gemerkt, dass der Franzose relativ langsam war – ich habe alles gegeben und konnte den dritten Platz sichern.“ In Zahlen bedeutet das: Den letzten Kilometer legte Jonathan Albustin in 2:38 min zurück, die Schlussrunde in 57,7 s – Werte, die in der U18 große Klasse sind. Und die im Übrigen dazu führten, dass Albustin seinen ohnehin hochwertigen Westfalenrekord (8:15,78 min) nochmals um fast sechs Sekunden nach unten drückte.
„200 m vor dem Ziel habe ich mich echt gut gefühlt und gemerkt, dass der Franzose relativ langsam war – ich habe alles gegeben und konnte den dritten Platz sichern.“ (Jonathan Albustin)
Teil der Erfolgsgeschichte ist Jörg Riethues. Seit gut zwei Jahren trainiert er das ausgewiesene Lauftalent, das zuvor bei Grün-Weiß-Nottuln als sehr junger Läufer vor allem auf den längeren Mittelstrecken hatte aufhorchen lassen. Mit dem Übergang zum strukturierteren, mittelstreckenspezfischen Training in der Altersklasse M15 begann der Aufstieg zu einem Nachwuchsläufer, den man überregional auf dem Zettel haben sollte, im ersten U18-Jahr schloss Jonathan die verbliebene Lücke zur absoluten deutschen Spitze.
2026 ist dem Duo Albustin/Riethues alles gelungen. Je zwei Medaillen bei der U18- und der U20-DM, dazu ein enormes Spektrum an Bestzeiten – 1500 m: 3:51,84 min / 3000 m: 8:10,01 min / 5000 m: 14:39,66 min / 10 km: 30:27 min. Die EM-Medaille krönt jetzt die bemerkenswerte Entwicklung und hebt Jonathan Albustin in den Rang eines Läufers mit internationalen Perspektiven auch über die Jugendklassen hinaus. Für Erste gilt es indes, den Moment zu genießen und Europameisterschafts-Bronze zu würdigen.