Leichtathletik-DM: Tabea Christ holt bei Windlotterie Bronze

29.07.2026 | Bei der Aktiven-DM hat Weitspringerin Tabea Christ mit Bronze (6,52 m) für den Höhepunkt gesorgt. Während Luka Herden im Kampf um die EM-Tickets leer ausging, wurde Jan-Eric Frehe in den Staffelpool für Birmingham berufen.

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Tabea Christ packt in Versuch fünf einen Top-Sprung aus. © Marcel Schwering / sportimfokus

Als letzte technische Disziplin ging am Sonntagnachmittag der Weitsprung der Frauen über die große DM-Bühne. Der Wettkampf hielt für Tabea Christ die perfekte Dramaturgie bereit: Bei stark wechselnden Winden drohte der 28-Jährigen vor Versuch vier das Aus. Nervenstark hielt sie sich mit einem Sprung auf 6,38 m in der Konkurrenz und packte dann in Versuch fünf 6,52 m aus – die LG-Athletin schob sich auf Rang drei, ihre Weite hielt den finalen Angriffen stand. Als überglückliche Medaillen-Gewinnerin feierte Tabea Christ den größten Karriere-Erfolg in der Aktiven-Klasse.

„Das war der aufregendste Wettkampf meines Lebens, vor allem weil es für mich eher dürftig anfing und meine sechs Versuche eine Windgeschwindigkeitsspanne von 7,1 m/s hatten“, verweist Tabea Christ auf den unkalkulierbaren Faktor Wind, der die dreizehnköpfige Konkurrenz mehrfach buchstäblich durcheinanderwirbelte. Von den Athletinnen erforderte das eine starke mentale Disposition – Tabea Christ zeigte eben diese Stärke und vertraute im Übrigen der klugen Navigation ihres Trainers Lars Goldbeck. „Die Gedanken an den Wind habe ich vollkommen an Lars abgegeben und mich allein auf sein Signal verlassen“, so die Athletin, deren Erfolg auch ein Verdienst der herausragenden Arbeit des Duos Christ/Goldbeck war – über die spezifische Dynamik des Wettkampfes hinaus.

„Das war der aufregendste Wettkampf meines Lebens.“ (Tabea Christ)

Dessen ungeachtet hätte die DM-Konkurrenz für die in diesem Jahr so formstarke LG-Springerin fast einen tragischen Verlauf genommen, denn als Tabea Christ zum vierten Mal anlief, drohte ihr das Aus. „Ich stand als Neuntplatzierte auf der Abschussliste, da das Feld nach Versuch vier auf acht Springerinnen gekürzt wird. Ich weiß gar nicht genau, wie, aber irgendwie habe ich den Sprung auf 6,38 m gezogen“, beschreibt die erfahrene Athletin ihren persönlichen Schlüsselmoment im Lohrheidestadion, den sie in Erleichterung und den entscheidenden Schub Extramotivation ummünzte.

Den bronzenen Durchgang fünf rekonstruiert Tabea Christ in ihrem Erinnerungsprotokoll so: „Ich stand 50 Sekunden mehr oder weniger bewegungslos im Anlauf und habe den Wind frontal ins Gesicht bekommen, wie in einem Actionfilm. Als das Signal von Lars kam, bin ich kurz in den Wind reingelaufen, dann wurde ich angeschoben. Ich habe den Absprung so kurz gesetzt wie selten, was bei nur einem cm Luft zum schwarzen Brett mein Glück war. Nach dem Absprung wurde ich durch den plötzlichen starken Rückenwind getragen. Noch ehe ich die Grube verlassen hatte, hörte ich Lars jubeln, das grüne Licht erschien, dann die Weite – und das Publikum jubelte wie verrückt.“

„Ich stand 50 Sekunden mehr oder weniger bewegungslos im Anlauf und habe den Wind frontal ins Gesicht bekommen, wie in einem Actionfilm.“ (Tabea Christ)

Das ursprüngliche Wettkampfziel von Tabea Christ, eine neue PB, rückte zu diesem Zeitpunkt in den Hintergrund – mit 4,7 m/s Rückenwind war der weiteste Sprung ihrer Karriere zwar nicht bestenlistenkonform, aber sie überflügelte Imke Daalmann (Bayer Leverkusen / 6,48 m), Finja Köchling (Eintracht Frankfurt / 6,46 m) und Helena Börner (LAC Erdgas Chemnitz / 6,41 m) und rückte bis auf fünf bzw. elf Zentimeter an das Spitzenduo Assani/Mihambo heran.

Glück, Erleichterung und Stolz: Karriere-Meilenstein für Tabea Christ

Es folgten zehn Minuten Bangen im Angesicht der finalen Sprünge der Kontrahentinnen, dann der letzte eigene Versuch, schließlich pure Freude. „Ich war so glücklich, erleichtert, stolz, dankbar und überwältigt wie lange nicht mehr.  Auch Lars hat sich riesig für mich gefreut – und ich habe mich für ihn gefreut. Für mich ist wirklich ein Traum in Erfüllung gegangen“, so das emotionale Fazit von Tabea Christ, der nach zwei fünften Plätzen im vergangenen Jahr jetzt der Sprung aufs Treppchen und damit ein großer Karriere-Meilenstein in der Erwachsenen-Klasse gelang. Der Sieg ging in einem veritablen Krimi an Mikaelle Assani (Karlsruher SC), die ihrerseits in Versuch fünf mit 6,67 m auftrumpfte und Vize-Weltmeisterin Malaika Mihambo (LG Kurpfalz / 6,63 m) übertraf.

7,86 m: Luka Herden fehlt für Birmingham das Brett

Tags zuvor war im Weitsprung-Wettbewerb der Männer das Happy Ende für Luka Herden ausgeblieben. Zwar zeigte der 26-Jährige bei unkomplizierten Windverhältnissen eine stabile Serie, allein der Top-Sprung fehlte – oder, präziser formuliert: der Top-Sprung mit getroffenem Brett: „Leider war der 7,86 m-Sprung komplett ohne Brett und ich habe 21 cm liegen lassen“, verweist Herden auf den grundsätzlich starken fünften Durchgang, der als Saisonbestleistung und Platz vier in die Ergebnislisten einging.

Die Enttäuschung über die verpasste EM-Qualifikation wollte der aufrichtige Sportler Luka Herden aber keinesfalls verhehlen: „Ich bin niedergeschlagen, wenn auch nicht enttäuscht über meine Leistung. Die EM war das große ausgegebene Ziel der Saison und ich glaube, dass ich nach meinem Erfolg in Rom vor zwei Jahren auch in Birmingham gute Chancen gehabt hätte.“

„Ich bin niedergeschlagen, wenn auch nicht enntäuscht über meine eigene Leistung. Den drei EM-Startern wünsche ich alles Gute. Ich werde die Wettkämpfe verfolgen.“ (Luka Herden)

Anstelle von Luka Herden werden der überragende Simon Batz (MTG Mannheim / 8,29 m) sowie Kevin Brucha (Germania Überruhr / 8,04 m) und Simon Plitzko (TSG Bergedorf / 8,00 m) den DLV in Birmingham vertreten. Brucha und Pliztko haben zwar nicht die internationale Norm geknackt, rutschen im multimodalen Qualifikationssystem aber über die Kombination aus Weltranglisten-Platzierung und DLV-Bestätigungsnorm ins EM-Feld. „Ich gönne den Dreien die Qualifikation und wünsche ihnen alles Gute für Birmingham – ich werde die Wettkämpfe in jedem Fall verfolgen“, so der gewohnt faire Athlet Luka Herden, der die DM-Leistung seines Dauer-Kontrahenten Simon Batz anerkannte: „Vor Simons Leistung kann man nur den Hut ziehen.“

Was bleibt von Herdens Saison? Eine Menge. Mit Karriere-PB unterm Hallendach (8,18 m) nahm Luka Herden an der Hallenweltmeisterschaft in Torun teil und erlebte damit das dritte internationale Großereignis in Serie. Zudem hat er die Gewissheit, dass 8 Meter-Sprünge bei einem passenden Timing am Brett auch in der Freiluftsaison möglich gewesen wären. Gleichzeitig nimmt der ehrgeizige Springer Baustellen mit in die Pause respektive in den dann folgenden Wiederaufbau. „Wir kennen die Punkte, an denen wir arbeiten müssen. Bis zum Herbst gilt es zunächst, Ziele zu formulieren, die wir dann vorbereiten und angreifen werden.“

10,26 / 10,30 s: Jan-Eric Frehe in erstem Freiluft-Aktiven-Finale

Apropos Meilenstein: Über die 100 m der Männer erreichte Jan-Eric Frehe sein erstes DM-Freiluft-Finale bei einer Aktiven-DM, wobei er Teil eines der stärksten Felder der Geschichte war. Vor allem im Halbfinale bot er bei leichtem Gegenwind eine Glanz-Leistung, als er in 10,26 s nah an seine PB heranlief und sich das kleine q schnappte.

„Das Halbfinale war womöglich das beste Rennen meiner bisherigen Karriere. Mit einer fast perfekten Reaktionszeit bin ich super wegkommen und bei -0,2 m/s Gegenwind mit 10,26 ins Finale eingezogen. Ich war auf den Punkt topfit“, so Frehe, der sich von den großen Namen wie Owen Ansah, Robin Ganter und Lucas Ansah-Pepra nicht beeindrucken ließ und genau das umsetzte, was er vor der DM betont hatte: Er konzentrierte sich auf seine eigene Leistung. Auf 10,00 s-Sprinter Peprah (Hamburger SV), der sich das dritte große Q sicherte, fehlten Frehe lediglich zwei Hundertstel.

„Das Halbfinale war womöglich das beste Rennen meiner bisherigen Karriere.“ (Jan-Eric Frehe)

Im Finale konnte Jan-Eric Frehe annähernd an das Rennen anknüpfen – in guten 10,30 s belegte er bei besseren Windbedingungen Platz acht. „Ich habe das geschafft, was ich mir vorgenommen habe, nämlich ein weiteres Rennen auf hohem Niveau abzuliefern. Zwar bin ich in der Startphase gefühlt nicht ganz so gut weggekommen und auf den letzten Meter wollte ich etwas zu viel – trotzdem bin ich happy mit meinem Ergebnis und drei Rennen mit konstant starker Leistung“, so Jan-Eric Frehe, der sich 2026 sukzessive gesteigert und zur rechten Zeit seine absolute Top-Form erreicht hat.

Nach einem fordernden Jahr 2025 haben Frehe und sein Trainer Lars Goldbeck die Puzzleteile im filigranen System eines Hochleistungssportlers so zusammengesetzt, dass in der Crunchtime der Saison ein körperlich frischer und mental gelassener Jan-Eric Frehe an der Startlinie steht. Beim Blick nach vorne nimmt Frehe das Bewusstsein mit, bei besseren Windbedingungen schon jetzt über das Potenzial für eine Steigerung seiner PB zu verfügen.

DLV beruft Jan-Eric Frehe in den Staffel-Pool für Birmingham

Eine weitere große Belohnung für seine konstanten Leistungen folgte zwei Tage nach der DM: Der deutsche Leichtathletik-Verband berief Jan-Eric Frehe in den Staffelpool für Birmingham – wahlweise als gesetzter Akteur oder als Reservist. „Ich habe es weder ganz realisiert noch kann ich es zu 100 Prozent glauben – aber ich habe heute ein Ausrüstungspaket des DLV erhalten und scheine Teil des Pools für die 4×100 m-Staffel in Birmingham zu sein“, vermeldete am Dienstagnachmittag ein perplexer Jan-Eric Frehe. Ob Frehes Status letztendlich ein aktiver oder ein passiver sein wird, hängt von der gesundheitlichen Situation Yannick Wolfs ab, der seinen DM-Start verletzt abgesagt hatte.

„Ich habe es weder ganz realisiert noch kann ich es zu 100 Prozent glauben – aber ich habe heute ein Ausrüstungspaket des DLV erhalten und scheine Teil des Pools für die 4×100 m-Staffel in Birmingham zu sein.“ (Jan-Eric Frehe)

„Ich hatte die EM weder als glasklares Ziel ausgegeben noch mit der Nominierung gerechnet. Aber der Fokus auf meinen Progress hat sich ausgezahlt und offenbar werde ich für die konstant guten Leistungen in den letzten Wochen belohnt“, sagt Frehe, der noch auf die offizielle Bestätigung wartet. Ein Jahr nach seinem mit Bronze dekorierten Einsatz als Teil der U23-EM-Sprint-Staffel in Bergen deutet sich damit der nächste große Meilenstein in der Karriere von Jan-Eric Frehe an.

11,37 s: Viola John nach Steigerungslauf starke Sechste

Viola John hatte im Vorfeld der deutschen Meisterschaft die fast demütige Zielstellung ausgegeben, drei schmerzfreie Läufe absolvieren zu wollen – körperliche Probleme prägen die Freiluftsaison 2026 und verhinderten einen beständigen Formaufbau, auch der für Sprinter:innen so wichtige „Flow“ und das Vertrauen in einen leistungsfähigen, belastbaren Körper konnten sich nie einstellen.

Gemessen daran, hat Viola John in Wattenscheid Großes geleistet: Die 23-Jährige arbeitete sich mit spürbaren Anlaufschwierigkeiten in 11,57 s ins Halbfinale, sie zog mit einer leichten Steigerung (11,55 s) und dem notwendigen Quäntchen Glück (Final-Verzicht von Talea Prepens /TV Cloppenburg) ins Finale ein – und trumpfte hier mit deutlicher Leistungssteigerung in starken 11,37 s als Sechstplatzierte auf. Acht Hundertstel fehlten zur Bronze-Medaille.

Im Vollbesitz ihres physischen Potenzials bleibt Viola John beim Blick nach vorne eine der jungen Sprinterinnen mit Perspektive.

14,02 s: Lukas Kleinschrodt überrascht als Vierter im Hürdensprint

Für die größte Überraschung sorgte in Wattenscheid aus Sicht der LG Brillux Hürdensprinter Lukas Kleinschrodt: Mit zwei Läufen deutlich unter seiner bisherigen PB (14,03 s / 14,02 s) schob sich der 22-Jährige bis auf Rang vier nach vorne. Angereist als Nummer elf der Meldeliste, verblüffte Kleinschrodt bereits im Halbfinale mit der drittschnellsten Zeit im Starterfeld. Im Finale bestätigte der deutsche U23-Vizemeister seine erstklassige Verfassung und steigerte sich um eine weitere Hundertstel. Lediglich am Top-Trio Gregory Minoue (Tracksrunner Bonn / 13,51 s), Manuel Mordi (Hamburger SV / 13,61 s) und Stafan Volzner (Bayer Leverkusen / 13,80 s) gab es kein Vorbeikommen.

„Ich bin generell unglaublich zufrieden mit meiner Leistung. Ich wusste, dass ich schneller laufen kann als bei der U23-DM – deshalb macht es mich sehr froh, dass ich das jetzt bei der DM umsetzen konnte“ (Lukas Kleinschrodt)

„Ich bin generell unglaublich zufrieden mit meiner Leistung. Ich wusste, dass ich schneller laufen kann als bei der U23-DM – deshalb macht es mich sehr froh, dass ich das jetzt bei der DM umsetzen konnte“, kommentierte Lukas Kleinschrodt seinen Coup und nimmt gleichzeitig Ehrgeiz für mehr mit: „Natürlich wäre ich im Finale gerne unter 14 Sekunden gesprintet; das hat leider nicht geklappt, ist jedoch mein Ziel für die nächste Saison.“

8:36,52 min: Silas Zahlten gelingt als Fünfter Top-Resultat

Im Hindernislauf der Männer blieb in Abwesenheit des Europarekordlers Frederik Ruppert (Tübingen), der die 5000 m lief, das Duell Ruppert-Bebendorf aus. Das änderte die Renndynamik grundlegend, wobei ein Sturz von Karl Bebendorf (Dresdner SC) kurzzeitig Potenzial für einen ganz eigenen Plot-Twist bereithielt. Letztlich hielt sich der Favorit schadlos und erreichte ohne größere Blessuren mit einem starken Finish als deutscher Meister das Ziel (8:21,01 min).

Silas Zahlten hielt bis zur 2000 m-Marke an den Fersen von Kurt Lauer (VfL Sindelfingen) Kontakt zur siebenköpfigen Spitzegruppe, danach musste er abreißen lassen. Dennoch kämpfte er bis zum letzten Meter – und konnte beide Sindelfinger (Kurt Lauer, Velten Schneider) noch überholen. Als sehr guter Fünfplatzierter erreichte der 21-Jährige in 8:36,52 min das Ziel. „Ich habe zwar leider keine perfekte Tagesform erwischt, aber dennoch ist mir ein guter Saisonabschluss einer perfekten Saison gelungen“, zog Zahlten seine persönliche Bilanz.

In der Tat hat der Schützling von Jörg Riethues in der laufenden Saison einen weiteren Schritt nach vorne gemacht und mit seiner ersten Zeit unter 8:30 min eine große Barriere durchbrochen, was ihm zugleich den Verbleib im DLV-Perspektivkader sichert.

10:05,20 min: Kerstin Schulze Kalthoff nach Fahrradunfall auf Platz sechs

Für Kerstin Schulze-Kalthoff wurde die DM durch einen Unfall mit dem Fahrrad am Freitagabend überschattet. Mit einem Schleudertrauma, diversen Schürfwunden und Prellungen war der Start akut gefährdet. Dass die 27-Jährige trotz der erheblichen Blessuren am Sonntagnachmittag an der Startlinie stand, war für sich genommen ein Erfolg. Im Rennen selbst bestätigte sie ihren sechsten Platz der Meldeliste und finishte nach einem kontrollierten Rennen in 10:05,20 min – unter den gegebenen Umständen ein Resultat, das Anerkennung verdient.

„Der sechste Platz ist für mich bittersüß. Ich war bis zu meinem Radunfall in Topform und hätte es gerne mit einer PB vollendet.“ (Kerstin Schulze Kalthoff)

Die ehrgeizige Athletin bemühte sich um eine differenzierte Einschätzung: „Der sechste Platz ist für mich bittersüß. Ich war bis zu meinem Radunfall in Topform und hätte es gerne mit einer PB vollendet – zumal das auch mein Anspruch ist. Gleichzeitig waren die letzten 48 Stunden vor dem Rennen alles andere als ideal und mit den gegebenen Verletzungen muss ich wohl oder übel mit dem Ergebnis zufrieden sein.“ Die angepeilte Zeit unter 10 Minuten, mit der Kerstin Schulze Kalthoff der fünftplatzierten Carolin Hinrichs (VfL Löningen / 9:56,34 min) hätte Paroli bieten können, war am Sonntag außer Reichweite.

Für die unermüdliche, mental starke Schulze Kalthoff dürfte der unglückliche Verlauf indes ein Ansporn sein, 2027 nachzulegen.

Staffeln: Männer in hochkarätigem Feld Sechster, Frauen überraschen auf Platz acht

Beide Sprint-Staffeln der LG Brillux zeigten in Wattenscheid starke Leistungen: Die Männer mit Nils Bovekamp, Jakob Bruns, Nils Hartleif und Jan-Eric Frehe liefen in 39,86 s bis auf drei Hundertstel an ihren Vereinsrekord heran, die Frauen mit Laura Brandhofe, Marie Hellmann, Liv Patterson und Jenna Haudek unterboten ihre Vorleistung um fast eine halbe Sekunde und steigerten sich auf 46,26 s. Die Plätze sechs und acht gingen in die Erebnislisten ein – was für das weibliche Quartett nach Platz 17 der Meldeliste ein enormer Erfolg war, bedurfte für das als Medaillenaspirant gestartete Männer-Team einer genaueren Einordnung.

Wichtigster Aspekt dieser Einordnung ist der Verweis auf eine nie da gewesene Leistungsdichte mit sieben Staffeln unter der magischen Schallmauer von 40 s. „Damit konnte man wirklich nicht rechnen. Es freut uns aber, dass wir eine dieser Staffeln waren“, fasste Jakob Bruns zusammen. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Staffel nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte war: Weder der von einem fiebrigen Infekt geschwächte Nils Bovekamp noch der über Wochen von Beugerproblemen gebeutelte Nils Hartleif konnten Bäume ausreißen, zu allem Übel verletzte sich Jakob Bruns bei der Übergabe des Staffelstabs seinerseits am Beuger.

„Dass sieben Staffeln unter 40 s laufen, damit konnte man wirklich nicht rechnen. Es freut uns aber, dass wir eine dieser Staffeln waren.“ (Jakob Bruns)

An der Spitze gingen die Medaillen an den ASV Köln (39,57 s), den Hamburger SV (39,70 s) und den TSV Bayer Leverkusen (39,72 s).

Das neu formierte weibliche Quartett überraschte neben einigen höher gehandelten Staffeln auch sich selbst. Der Schlüssel zum Top 8-Resultat war das Zusammenwirken als Kollektiv – keine Selbstverständlichkeit mit Blick auf die kurzfristige Integration von Marie Hellmann in das U23-Kernteam. Mit starkem Teamspirit, der auch von den Ersatzläuferinnen Guely Batantou und Lisa Maihöfer repräsentiert wurde, und sehr guten Wechseln überflügelte die LG-Staffel insbesondere Teams, die Läuferinnen mit schnellen Einzelheiten in ihren Reihen hatten.  „Das zeigt einerseits, dass wir eine super Teamarbeit mit reibungslosen Wechseln geleistet haben. Andererseits ist es Beleg dafür, dass wir alle für das Team über uns hinausgewachsen sind“, kommentierte Liv Patterson für die Staffel.

Männer-Sprint II: Jakob Bruns im Halbfinale, Nils Hartleif im Feld

Im 100 m-Sprint der Männer überzeugte hinter Jan-Eric Frehe auch Jakob Bruns: In 10,49 s zog er ins Halbfinale ein, wobei er eine äußerst starke fliegende Passage anbot. Für Bruns war es die zweitschnellste Zeit seiner Karriere. Zwar konnte er im Halbfinale nicht daran anknüpfen (10,64 s), aber die DM bleibt ein großer Erfolg für den 24-Jährigen.

„Ich habe mich tierisch gefreut, dass ich es tatsächlich ins Halbfinale geschafft habe und das mit einer Zeit unter 10,50 s“, zog Jakob Bruns eine positive Bilanz.

„Ich habe mich tierisch gefreut, dass ich es tatsächlich ins Halbfinale geschafft habe und das mit einer Zeit unter 10,50 s.“ (Jakob Bruns)

Etwas eingetrübt wurde Bruns‘ DM-Bilanz durch den verletzungsbedingt verpassten 200 m-Start am Folgetag. „Darüber bin ich etwas gefrustet und enttäuscht“, gab der Vorzeigsportler unumwunden zu.

Als dritter 100 m-Sprinter konnte sich anstelle des erkrankten Nils Bovekamp der wieder genesene Nils Hartleif präsentieren – Freud und Leid lagen hier besonders nah beieinander, da Hartleif als später Nachrücker unmittelbar vom Ausfall Bovekamps profitierte. Nach Wochen mit Beugerproblemen kam Nils Hartleif im Wettkampf-Kaltstart erwartungsgemäß zwar nicht an seine PB heran (10,85 s), aber die erste Einzel-Teilnahme an der Aktiven-DM versöhnte den 22-Jährigen zu einem gewissen Grad mit dem zuvor unglücklichen Verlauf der Kern-Saisonphase.

Mittelstreckler:innen mutig, aber ohne Fortune

Mutig, aber glücklos präsentierten sich in Wattenscheid die Mittelstrecklerinnen und Mittelstreckler: Im 5000 m-Lauf der Frauen war Pia Schlattmann eine der Protagonistinnen des Rennens; nach sehr schneller Renneröffnung (2000 m-Durchgangszeit: 6:07 min) übernahm sie für mehrere Runden die Spitze. Bei der entscheidende Tempoverschärfung auf dem Schlusskilometer war der Tank der 21-Jährigen dann leer. Platz elf in 16:07,73 min spiegeln nicht das Potenzial von Pia Schlattmann wider. Auf den 1500 m gestaltete U23-Talent Luis Heymann seinen Vorlauf von der Spitze, im Finish war er dann chancenlos; nach 3:49,09 min fehlten 1,8 s für das Finale. Mutig war auch der Auftritt von Frieda Breitkopf, die etwa bis zur 5000 m-Rennhälfte auf Tuchfühlung zur Spitzengruppe lief, im weiteren Verlauf aber dafür bezahlte (16:17,72 min / Platz 13).

Ein ansprechendes Rennen zeigten Nele Heymann (16:17,18 min / Platz 12) und Katja Tegler (16:35,38 min / Platz 18 / PB). Leonie Kruse (17:07,31 min) blieb unter Wert, ebenso wie auf den 1500 m-Jari Bender im taktischen Vorlauf (3:57,97 min).