Sprinter überzeugen in Regensburg, Tabea Christ in Rhede
09.06.2026 | Bei der Regensburger Gala haben die Sprinter um Jan-Eric Frehe und Viola John überzeugt. Nils Bovekamp erlebte seine Premiere im Nationaltrikot. In Rhede sprang Tabea Christ mit 6,40 m die DM-A-Norm.

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Starkes Sprint-Doppel: Jan-Eric Frehe läuft 10,38 und 21,11 s. © Michel Rettig
Die Regensburger Gala hielt, was sie verspricht: Das Kräftemessen eines Großteils der deutschen Sprint-Elite brachte hochklassige Leistungen. Gekrönt wurde das Event durch Deutschlands schnellsten Sprinter der Geschichte: Owen Ansah brannte in 9,98 s einen weiteren deutschen Rekord auf die Bahn.
Auch die Sprinterinnen und Sprinter der LG Brillux konnten überzeugen: Viola John ging aus dem 100 m-A-Finale als schnellste deutsche Sprinterin hervor (11,41 s), Jan-Eric Frehe zeigte ein starkes Doppel (100 m: 10,38 s / 200 m: 21,11 s). Seinen ersten Start im Nationaltrikot verzeichnete Nils Bovekamp als Teil der 4×100 m-Staffel des DLV U23-Teams. Eine deutlich kürzere Anfahrt hatte Tabea Chrsti, die in Rehde mit klarer neuer Saisonbestleistung (6,40 m) zur A-Norm sprang.
10,38 s / 21,11 s: Jan-Eric Frehe auf dem Weg zur Top-Form
Drei starke Rennen bot im Universitäts-Stadion Jan-Eric Frehe an. 10,50 s im 100 m-Vorlauf bei kräftigem Gegenwind (-1,4 m/s), 10,38 s im B-Finale, zudem tags darauf die bisher zweitschnellste 200 m-Zeit seiner Karriere (21,11 s) – die 600 km lange Anreise, sie hat sich gelohnt. „Ich bin mit dem Progress happy und gehe stark davon aus, dass ich auf beiden Strecken mit weiteren Steigerungen rechnen kann. Alleine die zwei Wochen Training seit Weinheim haben mir viel mehr läuferische Sicherheit und Rennschärfe gegeben und vieles von dem, an dem wir gearbeitet haben, hat direkt funktioniert“, so Jan-Eric Frehe, der das Triple von Regensburg als wichtigen Baustein eines Prozesses auf dem Weg zur Top-Form erlebte.
„Ich bin mit dem Progress happy und gehe stark davon aus, dass ich auf beiden Strecken mit weiteren Steigerungen rechnen kann.“ (Jan-Eric Frehe)
Bedenkt man, dass er noch im März körperlich angeschlagen aus der Halle kam und über einen Zeitraum von vier Wochen zu alternativen Trainingsmethoden greifen musste, ist er schon jetzt einen weiten Weg gegangen. Jede Anstrengung lohnt, das bewies der 23-Jährige bereits im Vorlauf, als er Joshua Hartmann (10,44 s) dicht auf den Fersen war. „Ich war mit diesem Lauf bei Gegenwind sehr zufrieden. Ich bin top aus den Blöcken gekommen und war von Anfang bis zum Ende in Reichweite zu Joshua Hartmann und Lucas Ansah-Peprah – das gibt mir ein sehr gutes Gefühl und vermutlich wäre dieser Lauf mit Rückenwind sogar besser gewesen als der Finallauf.“
„Mein Körper kann aktuell schon 10,2x Sekunden laufen – mit dieser Einstellung geht es jetzt weiter.“ (Jan-Eric Frehe)
In der Tat büßte Frehe im B-Finale in der Startphase das entscheidende Quäntchen ein, dafür überzeugte er im fliegenden Part mit starkem Top-Speed. „Von Ole Patterson bekam ich das Feedback, dass ein Übereinanderlegen von Vor- und Endlauf zu einer deutlich schnelleren Zeit geführt hätte. Mein Körper kann aktuell schon 10,2x Sekunden laufen – mit dieser Einstellung geht es jetzt weiter“, sagt Frehe, bei dem nach einer auch mental kräftezehrenden Hallensaison der Glauben an die eigene Stärke vollumfänglich zurück ist. In der deutschen Bestenliste ist die Top 10 in Sichtweite.
Untermauern konnte Frehe den ausgezeichneten Trend mit starken 200 m: In 21,11 s lief er bis auf eine Zehntel an seine PB heran und unterbot die DM-A-Norm deutlich. Auch hier kratzt er an der DLV-Top 10. „Ich habe mich im Vergleich zu Weinheim um vier Zehntel gesteigert. Jetzt habe ich beide A-Normen für Wattenscheid im Gepäck und kann sicher planen“, so das zufriedene Fazit.
11,41 s: Viola John schnellste Deutsche im A-Finale
Gemischt fiel die Bilanz von Viola John aus. Zwar ging sie aus dem A-Finale bei Windstille als schnellste deutsche Sprinterin hervor und distanzierte in 11,41 s unter anderem Jolina Ernst (TV Wattenscheid / 11,44 s) und die im Vorlauf noch vor ihr platzierte Jessica-Bianca Wessoly (VfL Sindelfingen / 11,46 s). Die eigenen Ansprüche sind indes gewachsen und auch körperlich hadert John noch mit der bisherigen Verfassung. „Ich bin noch nicht in der Form, die ich mir wünsche. Gesundheitlich ist auch noch nicht alles im Lot“, so die eher gedämpfte Bilanz der 22-Jährigen, die allerdings fest an weiteren Fortschritt glaubt: „Für den zweiten Lauf der Saison war der Wettkampf ganz okay. Es ist noch einiges an Luft nach oben da.“
„Für den zweiten Lauf der Saison war der Wettkampf ganz okay. Es ist noch einiges an Luft nach oben da.“ (Viola John)
In der nationalen Bestenliste sortiert sich John vorerst auf Rang 15 ein, wobei die Top acht lediglich fünf Hundertstel entfernt sind – der Frauen-Sprint ist abgesehen von der zurzeit stärksten deutschen Sprinterin, Rebekka Haase, dicht gestaffelt. Zur Vorjahres-PB fehlen ihr noch sechs Hundertstel, wobei die 11,35 s keinesfalls das Ende der Fahnenstange sein sollen. Für Viola John geht es in der Saison 2026 neben der indiviudellen Verbesserung auch um einen Platz in der 4×100-National-Staffel im Hinblick auf die Europameisterschaften in Birmingham.
6,40 m: Tabea Christ springt auf Lieblings-Anlage DM-A-Norm
Gemessen am frühen Saisonzeitpunkt hat Tabea Christ bereits zahlreiche Sprints und Sprünge in den Beinen. Während ihr bei den bisherigen Weitsprung-Meetings nie so ganz die Verbindung am Brett gelungen war, erzielte die 28-Jährige in Rhede jetzt den Durchbruch: Mit einem weiten Satz auf 6,42 m knackte Tabea die A-Norm für Wattenscheid und überzeugte mit einer insgesamt starken Performance. „Für mich ist das der zweitweiteste Sprung jemals und auch die 6,38 m im fünften Versuch machen mich glücklich. In Rhede springe ich immer besonders gerne“, so Tabea Christ.
„Für mich ist das der zweitweiteste Sprung jemals und auch die 6,38 m im fünften Versuch machen mich glücklich. In Rhede springe ich immer besonders gerne.“ (Tabea Christ)
Auf der Weitsprung-Anlage von Rhede hat Tabea Christ einst ihre leistungssportliche Karriere begonnen und verspürt nach wie vor eine starke emotionale Verbundenheit: „Meine Anfänge reichen zurück in die Zeit, als ich bei meinen Heimatverein SuS Stadtlohn trainierte. Zweimal pro Woche bin ich zum Stützpunkttraining nach Rhede gefahren, um bei Jürgen Palm auf der für mich damals selten gesehenen Tartanbahn zu trainieren“, erinnertsie sich an ihre ersten Schritte.
In der DLV-Bestenliste schiebt sich Christ auf einen starken fünften Rang vor, ihrer eigenen PB näherte sie sich bis auf sieben Zentimeter an. Noch vor der DM wird sie ein weiteres Mal Gelegenheiten habe, in Rhede die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart zu schlagen und eine weitere Top-Leistung in die Grube zu bringen: „Ich freue mich schon jetzt auf das internationale Meeting Ende Juni.“
4×100 m: Nils Bovekamp mit Premiere im Nationaltrikot
Einen besonderen Moment erlebte am Wochenende Nils Bovekamp: Erstmals in seiner noch jungen Karriere absolvierte er ein Rennen im deutschen Nationaltrikot. Als Teil der U23-Staffel des DLV stand er in Regensburg auf der Bahn. „Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Mein erster Start im Nationaltrikot macht mich sehr stolz und zeigt mir, dass sich die lange und harte Arbeit im Training allmählich auszahlt“, so ein stolzer Nils Bovekamp, der seit der Saison 2025 mit fulminanten Steigerungsraten in den Kreis des DLV-Staffelpools aufgestiegen ist.
„Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Mein erster Start im Nationaltrikot macht mich sehr stolz.“ (Nils Bovekamp)
Der Lauf selbst hatte dabei einen kuriosen Charakter: Die deutsche U23 II-Staffel platzte durch eine kurzfristige personelle Umschichtung des designierten Schlussläufers in die DLV U20-Staffel. Der auf Position drei laufende Bovekamp nahm insofern zwar den Stab von Justin Rennert an, beendete seinen Kurvenlauf aber ohne die zweite Übergabe. Am überragenden Erlebnis ändert das nichts: „Die Erfahrung von Regensburg wird mir lange in Erinnerung bleiben und motiviert mich, auch in Zukunft alles für meinen Sport zu geben.“
Nils Hartleif im Windpech, Jakob Bruns solide
Großes Windpech hatte in Regensburg Nils Hartleif, der sowohl auf den 100 m als auch auf den 200 m einen Lauf außerhalb des regelkonformen Korridors erwischte. Somit blieben 10,60 s bzw. 21,34 s bezogen auf Normen und Bestenlisten leider ein Muster ohne Wert; dass Hartleif im Regensburger Rahmenprogramm in der Summe von zehn 100 m-Läufen und mehr als einem Dutzend 200 m-Läufen die einzigen beiden Läufe mit > 2,0 m/s Rückenwind erwischte, ist an bitterer Kuriosität kaum zu überbieten. Dessen ungeachtet untermauerte er seine starke Verfassung; nachlegen kann er etwa bei den Westfalenmeisterschaften am kommenden Wochenende.
Jakob Bruns konnte in Regensburg nicht an seinen herausragenden Auftakt von Weinheim anknüpfen: Auf den 100 m (10,88 s) kämpfte er gegen starken Gegenwind, auf den 200 m gingen 21,47 s in die Ergebnislisten ein.


