Reihenweise DM-Normen in Weinheim

27.05.2026 | Bei der Weinheimer Kurpfalzgala hat die Sprint-Sprung-Fraktion reihenweise DM-Normen geliefert. A-Normen erzielten Luka Herden, Jakob Bruns, Viola John, Jan-Eric Frehe und Lukas Kleinschrodt.

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Jakob Bruns zeigte in Weinheim ein bärenstarkes Sprint-Doppel. Im Bild: Gladbeck 2025. © ruhrsportfoto.de

Die Kurpfalzgala von Weinheim hielt auch in diesem Jahr, was sie versprach: Das erste nationale Top-Meeting wartete mit hochklassigen Feldern und hochklassigen Leistungen auf, begünstigt durch das für Sprinter und Springer ideale Wetter. Luka Herden (Weitsprung: 7,74 m), Jakob Bruns (100 m: 10,50 s / 200 m: 21,22 s), Jan-Eric Frehe (100 m: 10,41 s / 200 m: 21,49 s), Lukas Kleinschrodt (110 m Hürden: 14,21 s), Viola John (100 m: 11,45 s), Tabea Christ (100 m: 11,79 s / Weitsprung, 6,22 m), Nils Hartleif (100 m: 10,64 s / 200 m, 21,51 s) und Nils Bovekamp (100 m: 10,67 s) münzten das in insgesamt fünf DM-A-Normen und sieben B-Normen um. In den Jugendklassen begeisterte Sarah König mit starker Doppel-Norm (100 m: 12,00 s / 200 m: 24,76 s), auch Janek Schiffer (6,83 m) kann für die U18-DM planen.

7,74 m: Luka Herden mit solidem Zwischenstand

Das große Ziel des Sommers 2026 heißt für Luka Herden Birmingham. In der zweitgrößten Stadt Großbritanniens finden Mitte August die Europameisterschaften statt. Herden befindet sich folglich am Beginn eines ersten Wettkampfblocks, der zugleich die Bestätigungsnorm des DLV (7,90 m) als Ausbeute bereithalten soll.

„Ich bin zwar ganz zufrieden, hätte mir aber ein bisschen mehr gewünscht. Ich brauche ja die 7,90 m als EM-Bestätigungsnorm.“ (Luka Herden)

In Weinheim reckte sich der 26-Jährige in seinem weitesten Sprung auf passable 7,74 m, bei Windstille. Hinter dem starken Belgier Yanni Sampson (7,94 m) reichte das für Platz zwei. „Ich bin zwar ganz zufrieden, hätte mir aber ein bisschen mehr gewünscht. Ich brauche ja die 7,90 m als Bestätigungsnorm“, zog Herden eine gemischte erste Bilanz. Dass Luka Herden „nur“ die DLV-Bestätigungsnorm springen muss, ist seinem fulminanten Hallen-Auftritt zu verdanken: Die 8,18 m von Gorzów reichten locker für die internationale Vorgabe (EA-Entry Standard: 8,05 m).

Potenzial für deutlich mehr hat der Top-Athlet der LG Brillux zuletzt auf den Zubringer-Sprint-Strecken offenbart, mit Bestzeiten auf den „krummen“ Strecken von Pliezhausen (80 m: 8,72 s / 150 m: 15,91 s). „Damit war ich ganz happy. Die PBs waren für mich ein Zeichen, dass die Geschwindigkeit passt.“ Insofern ist der von Bundestrainer Ulli Knapp trainerte Athlet optimistisch für seine nächsten Starts.

10,54 s / 21,22 s: Jakob Bruns begeistert doppelt

2026 könnte das Jahr werden, in dem Jakob Bruns seinen zweiten großen Durchbruch erzielt. Erstmals hatte er 2023 an die Tür zur erweiterten nationalen Spitze geklopft – in Weinheim erzielte Bruns damals seine Karriere-Bestzeit von 21,01 s, einen knappen Monat später holte er Bronze bei der U23-DM. Es folgte im Winter 2023/24 eine gesundheitliche Krise, die in die Diagnose „Diabetes-Typ 1“ mündete. Seitdem hat sich Jakob Bruns durch manches Tal gekämpft, in der zurückliegenden Hallensaison deutete sich spürbarer Fortschritt an.

„Ich bin unglaublich glücklich über diese Zeiten. Eine 100 m-PB mit A-Norm, zudem die schnellste 200 m-Zeit seit meiner Diabetes-Diagnose – damit habe ich nicht gerechnet.“ (Jakob Bruns)

In Weinheim begeisterte Jakob Bruns jetzt doppelt: Zwei Steigerungen seiner 100 m-PB (jetzt: 10,50 s) hin zur DM-A-Norm, zudem die drittschnellste 200 m-Zeit seiner Karriere (21,22 s / B-Norm) bringen den 24-Jährigen in eine glänzende Ausgangsposition. „Ich bin unglaublich glücklich über diese Zeiten. Im Training hatte sich angekündigt, dass ich gut drauf bin; aber eine 100 m-PB mit A-Norm, zudem die schnellste 200 m-Zeit seit meiner Diabetes-Diagnose – damit habe ich nicht gerechnet“, kommentierte ein emotionaler Jakob Bruns, der jetzt gespannt auf die kommenden Wochen und Monate blickt.

Zur 200 m-A-Norm fehlen lediglich zwei Hundertstel. Im LG-internen Vergleich war Jakob Bruns in Weinheim der mit Abstand schnellste 200 m-Läufer, auf den 100 m kam er Jan-Eric Frehe (10,45 s) nahe.

Viola John (11,45 s) und Jan-Eric Frehe (10,45 s) steigen mit A-Normen ein

Die nominellen Top-Sprinter der LG Brillux, Viola John und Jan-Eric Frehe, boten bei ihrem Einzel-Debüt zwei sichere A-Normen für Wattenscheid an. Viola John (11,45 s) gelang im Vorlauf der bisher schnellste Einstieg in die Freiluftsaison, im Finale konnte sie ihre Leistung nur bedingt bestätigen (11,56 s / Platz vier). Was bleibt, ist ein stabiles Fundament für Steigerungen. Ein Teil-Fokus bleibt für Viola John in den kommenden Wochen und Monaten die 4×100 m-Staffel des DLV. Nach ihrem erfolgreichen Einsatz bei den World Relays in Botswana zählt John zu den Kandidatinnen für Birmingham, wobei die nationale Konkurrenz enorm ist.

Jan-Eric Frehe konnte Weinheim in zweierlei Hinsicht positiv für sich verbuchen: Einerseits hakte er auf Anhieb die DM-A-Norm ab. Andererseits demonstrierte er bei seinem Doppel- bzw. Dreifachstart (zwei 100 m-Sprints, ein 200 m-Sprint) physische Stabilität – nach vier Wochen Alternativtraining im März eine wertvolle Errungenschaft. Dass Frehe zu seinen Top-Werten vergangener Jahre noch ein gutes Stück fehlt, dürfte eine Momentaufnahme sein, zumal er im Bereich des Vorjahres-Einstiegs performte.

Lukas Kleinschrodt (14,21 s) läuft auf Platz drei der U23-Bestenliste

Immer besser in Schwung kommt seit seinem Wechsel zur LG Brillux Münster Hürdensprinter Lukas Kleinschrodt. In Weinheim steigerte er gleich zwei Mal seine PB, zunächst auf 14,26 s, im Finale dann auf 14,21 s – die A-Norm für Wattenscheid hat er damit deutlich unterboten, in der U23-Klasse springt er vorerst sogar auf Platz drei der DLV-Bestenliste. Trainer Ronja Siekmann sieht den 22-Jährigen auf einem sehr guten Weg, im Jahresvergleich hat sich Kleinschrodt um 24 Hundertstel verbessert.

Disziplin-Kameradin Lisa Maihöfer, die in diesem Jahr ein Comeback ohne Leistungsdruck feiert, lief im Bereich ihrer SB (14,22 s).

Tabea Christ: 100 m-Norm (11,79 s) und egalisierte Weitsprung-SB (6,22 m)

Lohnend gestaltete sich die Reise nach Weinheim auch für Tabea Christ. Nicht nur egalisierte sie ihre Weitsprung-SB (6,22 m), sodass sie eine klare DM-Anwärterin bleibt. Auch näherte sie sich auf den 100 m (11,79 s) bis auf sieben Hundertstel ihrer persönlichen Bestleistung, gleichbedeutend mit der sicheren B-Norm für Wattenscheid.

Die erste Bilanz nach zwei Wettkampf-Wochenenden fällt entsprechend positiv aus: „An Christi Himmelfahrt war ich bei wenig optimalem Wetter mit meinem Sprint-Einstieg von 11,86 s zufrieden, mit den jetzt erzielten 11,79 s bin ich sehr glücklich. Die Weitsprung-Wettkämpfe stellen mich weitenmäßig zwar nicht zufrieden – aber die verschenkten Zentimeter am Brett zeigen, dass noch einiges drin ist.“

„Die Weitsprung-Wettkämpfe stellen mich weitenmäßig zwar nicht zufrieden – aber die verschenkten Zentimeter am Brett zeigen, dass noch einiges drin ist.“ (Tabea Christ)

In Weinheim erzielte Tabea Christ ihre Tagesbestweite bei moderatem Rückenwind und ohne Brett. Weder in Weinheim noch bei den Münsterland-Meisterschaften in Havixbeck passte das Timing, nicht ein Sprung stellte sie wirklich zufrieden. „Mich ärgert diese Bilanz, aber ich weiß zugleich, dass noch Zeit bleibt, um an den Baustellen zu arbeiten“, so die differenzierte Einschätzung von Tabea Christ. Der Weitsprung-Wert reicht im Übrigen für einen beachtlichen zehnten Platz in der aktuellen DLV-Bestenliste.

Nils Hartleif (10,63 s / 21,51 s) und Nils Bovekamp (10,64 s) mit PBs und B-Norm

Den Schwung gleichermaßen aus der Halle und der 4×100 m-Staffel nahm Nils Hartleif mit in sein Einzeldebüt: Zwei Steigerungen seiner bisherigen 100 m-PB auf jetzt 10,63 s stillten seinen Appetit nicht; auch auf den 200 m lief er PB (21,51 s). Neben B-Normen für die Aktiven-DM bringt sich Hartleif damit in Stellung für die U23-DM; auf beiden Sprintstrecken kratzt der 22-Jährige an der nationalen Top 10.

Auch Nils Bovekamp, der große Sprint-Aufsteiger des Jahres 2025, erwischte in Weinheim einen guten Saisoneinstieg mit zwei 100 m-Rennen unterhalb der Vorjahres-PB. 10,64 s bescheren auch ihm die doppelte Norm (Aktive/U23). Auf den 200 m (22,67 s / PB) dürfte er sein Potenzial längst nicht ausgeschöpft haben.

Jugend: Sarah König (12,00 s / 24,76 s) mit nächstem Leistungssprung

In der U20 gelang U18-Ass Sarah König der nächste Leistungssprung auf ihrem Weg in die nationale Jugendspitze. Bei leichtem Gegenwind steigerte sich die 16-Jährige über die 100 m auf tolle 12,00 s, im Finale ging es windunterstützt (+2,6 m/s) sogar auf 11,86 s (Platz vier). Perfekte Windbedingungen boten dann die 200 m: Bei 1,8 m/s Rückenwind stürmte Sarah König zu 24,76 s (Platz vier). Im Jahresvergleich hat sich Sarah König damit um 55 Hundertstel (100 m) und 1,6 Sekunden (200 m) gesteigert, in der deutschen U18-Bestenliste belegt sie die Plätze fünf (200 m) und sechs (100 m).

Das von Ole Patterson trainierte Top-Talent knackte damit nicht nur die Normen für die U18-DM, die U20-DM und die U23-DM. Die Steigerungen fielen so deutlich aus, dass sogar die internationale Bühne am Horizont greifbar wird: Die Normen für die U18-EM in Rieti liegen bei 11,90 s bzw. 24,40 s.

Janek Schiffer (6,83 m) knüpft an Hallensaison an

Das zweite U18-Talent, Weitspringer Janek Schiffer, nutzte seinerseits die Chance, sich in einem starken Feld zu präsentieren. Seinen weitesten Sprung des Wettkampfes landete er bei 6,83 m, bestenlistenfähig sind die 6,81 aus Versuch sechs. Im U20-Feld belegte der U18-Athlet damit Rang sieben, vor allem aber kann er für die U18-DM planen. Für den weiteren Saisonverlauf haben Janek Schiffer und sein Trainer Ole Patterson die Sieben-Meter-Marke fest im Visier.