Leonie Kruse und Jonathan Albustin holen DM-Bronze

06.05.2026 | Bei der Langstrecken-DM in Celle haben Leonie Kruse (U23/10.000 m) und Jonathan Albustin (U20/5000 m) die Bronze-Medaille gewonnen. Pia Schlattmann ereilte eine unglückliche Disqualifikation.

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Langstrecken-DM in Celle: Das Frauen-/U23-Feld am Start der 10.000 m-Distanz

Langstrecken-Läuferinnen und -läufer mögen keine hohen Temperaturen. Wenn diese als Folge eines starken Temperaturanstiegs binnen weniger Tage hin zu Jahreszeit-untypischen Werten auftreten, verschärft das die Abneigung. Beobachten konnte man die Effekte bei der Langstrecken-DM in Celle: Sommerliche 26 Grad Celsius bei wenig Luftbewegung setzten den 10.000m-Feldern derart zu, dass kaum ein Athlet an die persönliche Bestleistung heranlief und mehrere Top-Leute das Rennen frühzeitig beendeten.

10.000 m U23: Leonie Kruse krönt starke DM-Serie mit Bronze

Leonie Kruse absolvierte in Celle ihr erstes 10.000 m-Bahn-Rennen überhaupt. Vielleicht nahm neben der Wärme diese Tatsache Einfluss auf die gewählte Rennstrategie und vielleicht war die defensive Herangehensweise im speziellen Fall von Celle Teil des Erfolgsrezepts, das die 22-Jährige letztlich zum bisher größten Individual-Erfolg ihre Karriere führte: In 35:30,76 min holte Leonie Kruse Bronze in der U23 und damit ihre erste Einzel-Medaille bei einer deutschen Meisterschaft.

„Ich hatte eine gute Gruppe und konnte hinten raus nochmal beschleunigen. Insgesamt merke ich, dass mir die längeren Strecken mehr liegen und mir auch viel Spaß machen.“ (Leonie Kruse)

„Ich hatte eine gute Gruppe und konnte hinten raus nochmal beschleunigen. Insgesamt merke ich, dass mir die längeren Strecken mehr liegen und mir auch viel Spaß machen“, kommentierte die Debütantin ihren Medaillen-Coup. Auf die Zweitplatzierte Johanna Ewert (Hannover 96 / 35:24,89 min) fehlten ihr lediglich sechs Sekunden, der Abstand auf Platz vier war komfortabel. Dass Leonie Kruse auch von der unglücklichen Disqualifikation Pia Schlattmanns profitierte, schmälert ihre Leistung nicht.

Trainer Jörg Riehtues bescheinigte seiner Athletin einen starken, überlegten Auftritt: „Leonie hat bei diesen Bedingungen ein Top-Rennen gezeigt. Sie ist sehr schlau gelaufen und hat auf der zweiten Hälfte Läuferinnen eingesammelt.“ Nach Platz sechs im Crosslauf und Platz vier auf der Straße setzte Leonie Kruse damit auch ihre bemerkenswerte DM-Serie fort. In den nächsten Monaten gilt ihr Fokus jetzt den 5000 m, die als Hauptstrecke gesetzt bleiben.

5000 m U20: Jonathan Albustin mit nächstem Coup

Eine Medaille hatte Jonathan Albustin für Celle als Ziel ausgegeben, und eine Medaille wurde es: Der 16-Jährige agierte im U20-Feld mit großer Selbstverständlichkeit und sicherte sich in herausragenden 14:39,66 min ungefährdet 5000m-Bronze. Er unterbot damit auch den seit 25 Jahren bestehenden Westfalenrekord von Stefan Koch (TB Burgsteinfurt / 14:52,53 min) deutlich. „Jonathan hat die 5000 m in beeindruckender Manier gerockt. Den letzten Kilometer ist er in 2:36/37 min gelaufen, die letzten 200 m in 32 s – das ist mit 16 Jahren schon stark“, kommentierte Trainer Jörg Riethues den Bronze-Coup.

Albustin absolvierte nach einigen 5 km-Straßenrennen sein erstes 5000 m-Bahnrennen überhaupt. Wie so oft missglückte der Start, von Platz 19 musste er sich nach vorne arbeiten. Nach gleichmäßig-moderatem Tempo mit Kilometerabschnitten um 3:00 / 3:01 min war der amtierende deutsche 10 km-Straßen-Meister (U18) in der Endphase des Rennens hellwach und folgte dem Vorstoß der Top-Favoriten Benjamin Kolonowski (TuS Lichterfelde) und Maximilian Rath (LG Stadtwerke München) zunächst mühelos. Eingangs der Schlussrunde setzte sich Jonathan Albustin sogar an die Spitze des Führungstrios, wobei er in der Kurve Extra-Meter machte. Zwar konterten Rath (14:36,86 min) und Kolonowski (14:38,17 min) auf der Gegengeraden Jonathans Offensive, die zweite DM-Medaille des Jahres 2026 in einem U20-Feld war dennoch der reiche Ertrag eines mutigen Auftritts.

„Jonathan hat die 5000 m in beeindruckender Manier gerockt. Den letzten Kilometer ist er in 2:36/37 min gelaufen, die letzten 200 m in 32 s – das ist mit 16 Jahren schon stark.“ (Jörg Riethues)

Viel Selbstvertrauen nimmt Jonathan Albustin für den weiteren Saisonverlauf mit. Auf der der 3000 m-Distanz wird er sich an der Norm für die U18-Europameisterschaft in Rieti versuchen. Gefordert sind vom DLV 8:24,00 min – der nächste Westfalenrekord müsste dafür her. Zuzutrauen ist Jonathan Albustin das allemal, in der Halle ist er bis auf fünf Sekunden an die Vorgabe herangelaufen.

Herausragendes U18-Duo auf dem Weg nach Rieti

Leistungsförderlich wirkt auf nationaler Ebene die hochklassige Konkurrenz- und Dynamik-Konstellation mit dem Münchner Maximilian Rath; das herausragende U18-Duo hat sich als fester Bestandteil der U20-Spitze etabliert und wartet im internationalen U18-Vergleich mit Leistungen auf, die stark genug sind für Europas Top 10.

Unterm Strich bleibt damit die vor der Langstrecken-DM formulierte Maßgabe, in Celle eine – wenn auch überaus erfolgreiche – Zwischenstation auf dem Weg nach Italien passiert zu haben.

Pia Schlattmann erlebt bitteren Tag

Einen insgesamt bitteren Tag erlebte Pia Schlattmann, die mit starker Form und hohen Zielen nach Celle gereist war. Als Zweitplatzierte der U23 lief Pia ins Ziel – 33:48,33 min wären Grund genug für relative Enttäuschung gewesen. Dabei blieb es nicht: Die 21-Jährige wurde noch vor der Siegerehrung wegen nicht genehmigter medizinischer Einlagen disqualifiziert – vollkommen konsterniert nahm nicht nur Pia Schlattmann, sondern die versammelte Lauf-Community die Entwicklung zur Kenntnis. Schlattmann selbst beschreibt und kommentiert ihre Disqualifikation so:

„Direkt nach dem Rennen wurde ich als Zweitplatzierte zur Schuhkontrolle ausgelost. Kurze Zeit später erfuhr ich, dass ich wegen meiner medizinischen Einlagen ein DQ bekommen könnte, sofern mir keine Genehmigung von World Athletics vorliegt. Ich trage die Einlagen sowohl im Training als auch im Wettkampf schon mehrere Jahre und sowohl der Verein als auch die Bundestrainer wussten nichts von der Regelung. Dass es jetzt bei mir auffällt, ist sehr ärgerlich. Zwar werde ich bei den nächsten Wettkämpfen eine Genehmigung bei mir haben, aber dass es jetzt in Celle nur aufgrund eines fehlenden Zettels zum DQ kam, tut verdammt weh.“

„Ich trage die Einlagen sowohl im Training als auch im Wettkampf schon mehrere Jahre und sowohl der Verein als auch die Bundestrainer wussten nichts von der Regelung. Dass es jetzt bei mir auffällt, ist sehr ärgerlich.“ (Pia Schlattmann)

Ihren großen Sportsgeist bewahrte Pia Schlattmann auch nach dem letztlich ergebnislosen Kraftakt. Nicht nur respektierte sie anstandslos die unglückliche Disqualifikation, auch erkannte sie den sportlich unbefriedigenden Wettkampf an: „Dass ich nach einem vom Gefühl her viel zu früh zu anstrengenden Rennen meine eigenen Ziele (Quali für den Europacup, Bundeskadernorm) nicht erreicht habe, tut weh. Aber nach vielen durchweg guten Rennerfahrungen in der letzten Zeit muss ich auch mit einem für mich enttäuschenden Rennen umgehen können.“

Ohnehin ficht ein misslungenes Rennen eine formstarke, selbstsichere Läuferin nicht an, und auch in dieser Hinsicht präsentierte sich Pia Schlattmann am Tag nach dem Rennen als mental starke Athletin: „Ich starte motiviert in die nächsten Trainingswochen, bevor ich Ende Mai auf den 5000 m an den Start gehen werde“, formulierte sie ihren optimistischen Ausblick.

Nele Heymann mit solidem Aktiven-Debüt, weibliches U20-Duo sammelt Erfahrung

Ein gutes Stück hinter Pia Schlattmann erreichte Nele Heymann bei ihrem ersten Aktiven-Bahn-Rennen das Ziel. In 35:04,01 min belegte sie Rang zehn in einer Konkurrenz, die trotz Renn-Aufgaben unter anderem von Elena Burkard (LG farbtex Nordschwarzwald) und Eva Dieterich (LAV Stadtwerke Tübingen) weiterhin das Prädikat hochklassig verdiente.

In der U20 versuchten Mia Bonekamp und Mareen Jasper nach Kräften, in der weit auseinandergezogenen Konkurrenz ihren Weg zu finden, wobei sie lange Zeit gemeinsame Sache machten. Das Ziel erreichten sie auf den Plätzen elf (Mia / 18:43,05 min) und zwölf (Mareen / 19:06,57 min). Für beide war es eine wertvolle Erfahrung. Im Verlauf des Sommers warten weitere Einsätze, für Mareen Jasper dann auch wieder in ihrer eigentlichen Altersklasse, der weiblichen U18.

3 x 1000 m-Staffel der Männer läuft starke Zeit

Am Tag nach der Langstrecken-DM waren in Celle die Langstaffeln im Einsatz. Sehr gut aufgelegt präsentierte sich die 3×1000 m-Staffel der Männer mit Jens Kassebeer, Luis Heymann und Marco Sietmann: 7:25,48 min waren die schnellste Zeit einer Münsteraner Staffel seit den 1990er-Jahren. In der Abrechnung aller Staffeln reichte das für einen guten neunten Platz, dicht hinter der LAV Stadtwerke Tübingen.

Unglücklich verlief die DM für das U23-Trio: Dominik Reker, Linus Anneken und Eugene Koch kamen zwar ins Ziel, wurden nach einem Wechselfehler jedoch disqualifiziert. Die Erfahrung Teil einer deutschen Staffelmeisterschaft gewesen zu sein, nehmen sie dennoch mit.