IFAM Brüssel: Schnelle Zeiten und fünf DM-Normen für Mittelstreckler

26.05.2026 | Beim internationalen Meeting in Brüssel haben Silas Zahlten, Pia Schlattmann und Kerstin Schulze-Kalthoff mit starken Zeiten überzeugt. Auch Nele und Luis Heymann boten DM-A-Normen an.

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Silas Zahlten, hier beim Saisoneinstieg in Pliezhausen, ist in starker Frühform. © Alisia D. / RunningGags

Am 23./24. Mai gastierte die World Athletics Continental Tour in Brüssel, genauer gesagt im ruhmreichen Boudewijnstadion – manch ein Weltrekord ist hier gebrochen worden, speziell auf den Mittel- und Langstrecken. Das Setting mit einer erprobt schnellen Bahn und dicht besetzten Feldern bot auch dem LG-Quintett Chancen auf schnelle Zeiten, wobei die heißen Temperaturen zumindest die 5000 m-Läuferinnen vor eine Herausforderung stellten. Mit fünf A-Normen für die Aktiven-DM in Wattenscheid und starken ersten Marken überzeugte das Team.

Silas Zahlten (3000 m Hindernis): 8:39,55 min

Mit Spannung hatte man Silas Zahltens erstes Hindernis-Rennen seit seinem bärenstarken Auftritt bei der U23-EM erwartet. Silas löste diese Spannung mit der zweitschnellsten Karriere-Zeit und dem bisher besten Saisoneinstieg auf: 8:39,55 min gingen in die Ergebnislisten ein. Über zwei Drittel des Rennens steuerte der 21-Jährige auf eine noch schnellere Endzeit zu; letztlich verlor er auf dem Schlusskilometer seine Gruppe und kämpfte als Solist tapfer gegen die aufbrandende Ermüdung, die speziell im Hindernislauf in enorme Strapazen mündet.

„Ich lief lange Zeit auf Kurs Richtung 8:30 min. Leider war es jedoch von Anfang an sehr unrythmisch an den Hindernissen, da immer viel abgebremst wurde. Auf dem letzten Kilometer war ich alleine ohne Zug nach vorne.“ (Silas Zahlten)

Seine persönliche Recap des Rennens viel grundsätzlich positiv, dabei differenziert aus: „Die ersten 2km im Rennen waren auf Kurs in Richtung 8:30. Leider war es von Anfang an jedoch sehr unrythmisch an den Hindernissen, da immer viel abgebremst wurde. Auf dem letzten Kilometer war ich leider alleine ohne Zug nach vorne.“

An der Spitze machte der Franzose Oscar Thebaud (8:22,89 min) vor einem äthiopischen Trio das Rennen. Silas Zahltens war in Brüssel der schnellste deutsche Hindernisläufer; seine langjährigen Weggefährten Robin Müller (Topteam Thüringen) und Kurt Lauer (Sindelfingen) erreichten nicht das Ziel. Zahlten ist damit auch der Erste, der für die nationalen Bestenlisten Marken setzt: Sowohl die U23- als auch die Aktiven-Wertung führt der Münsteraner an, wobei die Listen selbstredend bis zu den Einstiegen von Frederik Ruppert (Tübingen) und Karl Bebendorf (Dresden) nur bedingt aussagekräft sind. Fakt ist, dass Zahlten die Normen für die Aktiven- und die U23-DM souverän abgehakt hat und schon jetzt der Gejagte in der U23-Konkurrenz ist.

Nach dem gelungenen Hindernis-Aufakt steht für den Schützling von Jörg Riethues ein Ausflug auf die flache Überdistanz an: „In Karslruhe starte ich auf den 5000 m. Eine Bestzeit würde die aktuelle Form bestätigen, bevor es direkt im Anschluss nach St. Moritz ins Trainingslager geht“, so Silas Zahlten. Das Fundament seiner letzten U23-Saison passt, schon die klare 3000 m-Bestzeit (8:05,97 min) zum Einstieg in Pliezhausen war ein deutlicher Fingerzeig.

Schon jetzt ist Silas in der U23-Klasse der Gejagte. © BEAUTIFUL SPORTS/B. Hoffmann

Pia Schlattmann (5000 m): 15:47,12 min

Nach ihrem bitteren Saisoneinstieg bei der 10.000 m-DM hieß es für Pia Schlattmann: neues Rennen, neue Chance. Entschlossen gestaltete sie die zwölfeinhalb Runden im B-Finale, das an der Spitze immer noch stark genug war für eine Siegerzeit von 15:36,87 min (Javote Gueret / Frankreich). Pia erreichte nach 15:47,12 min das Ziel – etwa sieben Sekunden über ihrer PB und damit vollkommen im „grünen Bereich“. Die 21-Jährige ist jetzt in der Freiluftsaison 2026 angekommen, sie springt auf Platz zwei der deutschen U23-Bestenliste.

„Ich denke ich kann ganz gut zufrieden sein. Ich bin taktisch gut gelaufen, letztendlich hat mir dann in der letzten Runde etwas gefehlt.“ (Pia Schlattmann)

„Ich denke ich kann ganz gut zufrieden sein. Ich bin taktisch gut gelaufen, letztendlich hat mir dann in der letzten Runde etwas gefehlt. Da habe ich schwere Beine bekommen. Ich hatte aber trotz des Wetters ein besseres Gefühl als in Celle“, so das Fazit von Pia Schlattmann, die gleichzeitig Luft nach oben sieht und mit zunehmender Rennpraxis/-härte weitere Steigerungen anpeilt. Im Vergleich zur deutschen Konkurrenz stand sie in Belgien gut da: Zwar konnte sie Kiara Nahen (LC Paderborn) nicht ganz halten (15:43,44 min), dafür gab sie Carolina Schäfer (TG Schwalbach / 15:56,01 min) deutlich das Nachsehen.

Weiter geht es für den Schützling von Robert Welp bei der Langen Laufnacht von Karlsruhe. Am Samstag kehrt Pia Schlattmann zurück auf die 1500 m, einst ihre Hauptstrecke, mittlerweile eine Unterdistanz. „Ich freue mich darauf, mal wieder die 1500 zu laufen“, sagt Schlattmann, die den Temporeiz sicherlich auch als Fundament für weitere Steigerung auf den 5000 m nutzen wird.

Pia Schlattmann zeigt in Brüssel, dass sie in der Saison 2026 angekommen ist.

Kerstin Schulze Kalthoff (3000 m Hindernis):  10:00,21 min

Fast hätte Kerstin Schulze Kalthoff in Brüssel eines ihrer großen Karriere-Ziele erreicht: Um den Wimpernschlag von 22 Hundertstelsekunden verpasste sie den Sprung unter die 10 Minuten-Marke. Mit einer deutlichen neuen PB zum Saisoneinstieg stellte Kerstin dennoch unter Beweis, dass sie 2026 das stärkste Niveau ihrer bisherigen Karriere anbietet.

Zum Verhängnis wurde der 27-Jährigen in Brüssel einmal mehr der Wassergraben: Kerstin Schulze Kalthoff verfehlte in der Schlussrunde den Balken und gönnte sich eine unfreiwillige kalte Dusche. Im schnelleren der beiden Finalläufe kam sie trotzdem auf Platz elf ins Ziel, dicht hinter Carolin Hinrichs (VfL Löningen / 10:00,02 min). Vorerst rangiert Kerstin auf einem sehr guten sechsten Platz der DLV-Bestenliste, die Aussicht auf die DM ist schon jetzt ausgzeichnet.

Luis Heymann, 1500 m: 3:45,12 min

Derart dich besetzt waren die 1500 m der Männer, dass es Luis Heymann in Lauf drei des Nachprogramms verschlug. Hier konnte er die homogene Spitze mit fünf Läufern innerhalb eines Korridors von 3:44,0 bis 3:46,1 min nutzen und erzielte mit sehr guten 3:45,12 min eine neue Bestzeit. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der 19-Jährige damit um mehr als vier Sekunden gesteigert.

Luis Heymann knackte damit auch die A-Norm für die Aktiven-DM. Im U23-Bereich rangiert der 19-Jährige vorerst auf Platz fünf der Bestenliste und steigt zumindest zum Top 8-Kandidaten für die U23-DM auf.

Daumen hoch: 2026 könnte für Kerstin Schulze Kalthoff DAS Jahr werden. © Uli Hörnemann

Luis Heymann steigert sich im Jahresvergleich um mehr als 4 s.

Nele Heymann, 5000 m: 16:29,74 min

Nele Heymann ging mit einer positiven Erwartungshaltung ins Rennen, wurde im Verlauf der 5000 m jedoch von Beschwerden an der Plantarfaszie gebremst. Die 22-Jährige kämpfte sich durch die zwölfeinhalb Runden und kam nach 16:29,74 min ins Ziel – das reichte immerhin punktgenau für die DM-A-Norm, wirft jedoch Fragen für den weiteren Saisonverlauf auf.