Last Minute-Normen für Quartett / Nils Bovekamp überragt

19.02.2026 | Beim Run and Fly-Meeting haben Jakob Bruns, Jule Glaßer und Kerstin Schulze Kalthoff einen Tag vor Ende der Meldefrist die DM-Norm unterboten. Gleiches gelang Natalie Pisoke in Erfurt. Nils Bovekamp steigerte sich auf 6,80 s.

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Nils Bovekamp, hier bei einem Rennen Ende Januar, besticht in 6,80 s. © Thomas Heßling

Enger geht’s nicht: Das Run and Fly-Meeting in Dortmund bot den westfälischen Athletinnen und Athleten am 14. Februar die letzte Chance für eine DM-Qualifikation – tags darauf endete die Nominierungsfrist für die nationalen Titelkämpfe der Aktiven, die an gleicher Stelle vom 27.02.– 01.03. stattfinden. Mit Jakob Bruns (200 m / 21,61 s), Jule Glaßer (Stabhochsprung / 4,02 m) und Kerstin Schulze Kalthoff (1500 m / 4:26,51 min) sorgte ein Trio für den perfekten dramaturgischen Spannungsbogen. Zeitgleich sprang bei den deutschen Hochschul-Hallenmeisterschaften in Erfurt Natalie Pisoke (400 m / 56,24 s) ebenfalls auf den DM-Zug auf.

Nils Bovekamp mit nächster Steigerung zur sicheren DM-Teilnahme

Die absolut betrachtet hochwertigste Leistung ging auf das Konto des mit 19 Jahren immer noch sehr jungen Nils Bovekamp. Nach einem suboptimalen Vorlauf (7,00 s) fand sich Bovekamp im B-Finale wieder. Hier ging es für den von Jan Vogt perfekt eingestellten Athleten um viel, denn Bovekamps Start bei der DM hing trotz großartiger Steigerung im Verlauf der bisherigen Hallensaison und klarer B-Norm am seidenen Faden – so dicht ist die nationale Konkurrenz, dass seine bisherige PB von 6,84 s exakt die Nahtstelle der für die DM zugelassenen Top 32 bildete.

„Ich bin sehr stolz auf dieses Ergebnis. Nach dem Finale konnte ich es kaum glauben.“ (Nils Bovekamp)

Mit einem fulminanten Final-Lauf erleichterte sich Nils Bovekamp um Tage des Bangens: In 6,80 s stürmte er als Lauf-Sieger über die Ziellinie. „Ich bin sehr stolz auf dieses Ergebnis. Jan und ich hatten uns vorgenommen, dass ich nochmal schneller laufe, um sicher bei der DM dabei zu sein. Nach dem Finale konnte ich es kaum glauben“, gab ein bewegter Nils Bovekamp zu Protokoll. Der Aufsteiger der Jahre 2025/2026 ist der zurzeit schnellste deutsche 60 m-Sprinter des Jahrgangs 2006.

Den Stolz seines Athleten teilt auch Jan Vogt: „Nils hat seine neue gewonnene Klasse auf die Bahn gebracht. Er hat untermauert, dass er in seiner Entwicklung gereift ist – zum Saisonhöhepunkt hin die beste Leistung anzubieten, ist ein starkes Signal für seinen Werdegang“, ordnete Vogt die nächste Steigerung seines Schützlings ein. Im Jahresvergleich hat sich Nils Bovekamp um sage und schreibe 32 Hundertstelt gesteigert.

Jakob Bruns im ersten 200 m-Saisonrennen zum DM-Ticket

Anders waren die Vorzeichen bei Jakob Bruns. Nach einem Muskelriss in der Wade und weiteren gesundheitlichen Problemen war er mit einem Doppelstart über die 60m am 08. Februar in die Saison eingestiegen. Exakt eine Chance blieb ihm für eine DM-Qualifikation über seine Spezialstrecke – und Jakob nutzte sie: In 21,61 s unterbot er die B-Norm deutlich und buchte das sichere Ticket. Der 24-Jährige war damit der schnellste 200 m-Sprinter beim Run and Fly-Meeting.

„Die 200 m haben sich sehr gut angefühlt. Ich habe zwar gemerkt, dass das spezifische Training verletzungsbedingt zu kurz gekommen ist, aber ich freue mich umso mehr über die gute Zeit.“ (Jakob Bruns)

Hinter Jakob Bruns zeigte Nils Hartleif als Laufsieger eines weiteren Zeitendlaufs in 22,00 s eine solide Leistung. Von seiner PB (21,62 s) war er indes ein ganzes Stück entfernt. Optimistisch dürfte den 21-Jährige seine verbesserte 60 m-Zubringerleistung stimmen: In 6,97 s blieb Nils Hartleif erstmals in seiner Karriere unter 7,00 Sekunden. Gemeinsam mit Jakob Bruns und möglicherweise auch Jan-Eric Frehe wird Hartleif das 200 m-Trio für die Aktiven-DM bilden – Beleg auch für die hohe Leistungsdichte im Sprintbereich der LG Brillux. „Der Sprintstandort Münster hat weiter an Bedeutung gewonnen: Über die 200 m sind wir zu dritt in der Top 5 vertreten, über 60 m mit Jan-Eric und Nils – wir müssen uns nicht verstecken, auch im Vergleich zum TV Wattenscheid nicht“, sagt Jan Vogt.

Kerstin Schulze Kalthoff holt sich bei Saisoneinstieg Selbstvertrauen

Mit dem Ziel DM-A-Norm war Kerstin Schulze Kalthoff bei ihrem späten Saisoneinstieg nach Dortmund gefahren. Die Konkurrenz um zwei Läuferinnen des TSV Bayer Leverkusen und einer niederländischen Starterin zeigten indes wenig Interesse an Arbeitsteilung – die 1500 m wurden so zu einem Lauf von der Spitze weg, mit dem Rest des Feldes als Nutznießer der gleichmäßigen Tempoarbeit Schulze Kalthoffs. Im Ziel blieb die Uhr bei 4:26,15 min stehen – Platz drei mit hauchdünn verpasster A-Norm (4:26,00). Für die sichere DM-Quali reichte das dennoch.

„Für 1200 m Frontrunning bin ich zufrieden, es war ein solider Einstieg und ich nehme Selbstvertrauen für die DM mit.“ (Kerstin Schulze Kalthoff)

Inm neun Tagen wird sie gemeinsam mit Frieda Breitkopf um einen Platz im Finale laufen. Möglicherweis wird das Duo noch von Nina Bergerfurth verstärkt; als Nummer 27 (4:31,99 min) der „Bewerbungsliste“ um eine Teilnahme im Feld der maximal 24 Läuferinnen ist die 19-Jährige im Wartestand. Beim Run and Fly-Meeting gelang es Nina nicht ihre Position zu verbessern (4:35,36 min); allerdings kämpfte sie weit vor dem Rest des Feldes im B-Lauf alleine gegen die Uhr und zeigte dafür ein gutes Rennen.

4,02 m: Jule Glaßer macht es spannend

Stabhochspringerin Jule Glaßer hat Erfahrung mit dramaturgischen Konstellationen. Vor exakt zwölft Monaten buchte sie mit dem ersten 4 Meter-Sprung ihrer Karriere das Last Minute-Ticket für die DM. 2026 wiederholte sich jetzt die Geschichte: Mit einem Sprung über 4,02 m – B-Norm, neue Hallen-PB und die zweitbeste Karriere-Höhe überhaupt – erarbeitete sie sich bei der letzten Gelegenheit die DM-Qualifikation. „Das war mal wieder auf dem letzten Drücker. Ich hatte generell Probleme in die Saison zu finden und wäre jetzt sehr dankbar, wenn es am Ende für die DM reicht“, so Jule Glaßer, die bei 3,92 m kurz vor dem Aus stand, dann aber in Versuch drei starke Nerven bewies. Die 4,02 m übersprang Jule im ersten Versuch.

„Das war mal wieder auf dem letzten Drücker. Ich hatte generell Probleme in die Saison zu finden und wäre jetzt sehr dankbar, wenn es am Ende für die DM reicht.“ (Jule Glaßer)

Zwar rangiert die 22-Jährige als Nummer 13 der Jahresbestenliste hinter den zehn DM-Startplätzen, jedoch scheinen nicht alle Stabhochspringerinnen mit Norm ihre Start-Option zu ziehen.

Sehr gute Leistungen gelangen auch U20-Athletin Elsa Rausmann mit neuer (3,50 m) und U18-Mehrkämpfer Patrick Hüsken (3,90 m) jeweils mit neuer PB. Damit kann die Trainingsgruppe von Silke Spiegelburg nach einem zunächst zähen Saisonverlauf mittlerweile zahlreiche Bestleistungen verbuchen – Jule Glaßers DM-Start ist das folgerichtige i-Tüpfelchen.

Mittelstreckler Sietmann und Heymann fit für den Saisonhöhepunkt

Die Mittelstreckler Marco Sietmann und Luis Heymann testeten letztmals vor dem großen Saisonhöhepunkt, für den sie beide über die 1500 m qualifiziert sind. Sietmann entschied sich für seine Meisterschaftsstrecke und spulte wie ein Uhrwerk 30er-Runden ab; ähnlich wie Kerstin Schulze Kalthoff bei den Frauen wartete er vergeblich auf Unterstützung aus den Reihen der Konkurrenz, die sich erst im Schlussspurt regte. In guten 3:46,48 min belegte Marco Rang zwei hinter dem Niederländer Matt de Haas (3:46,21 min). Luis Heymann trat auf der Unterdistanz an: In 1:51,48 min blieb er als Zweitplatzierter unter seiner Freiluft-PB. Sietmann wie Heymann sind fit für die deutschen Meisterschaften.

Hochschul-DM: Tabea Christ und Natalie Pisoke holen Bronze

Zeitgleich mit dem Run and Fly-Meeting fanden in Erfurt die deutschen Hochschul-Hallenmeisterschaften statt. Die besten Leistungen gingen auf das Konto von Tabea Christ (60 m: 7,51 s / Weitsprung: 6,29 m) und Natalie Pisoke (400 m: 56,24 s), die jeweils Bronze holten. Für Natalie Pisoke waren die 400 m von Erfurt nach zuvor durchwachsenen Rennen eine große Errungenschaft und auch mental sehr wertvoll; erst einmal in ihrer Karrie (Freiluft: 55,96 s) war die 22-Jährige schneller, vor allem aber unterbot sie die B-Norm für Dortmund.

„Für Natalie war das ein großer Befreiungsschlag. Nach hohen Prüfungsbelastungen im Studium und wiederkehrenden Infekten hat sie jetzt gezeigt, was auf den 400 m in ihr steckt.“ (Jan Vogt)

„Für Natalie war das ein großer Befreiungsschlag. Nach hohen Prüfungsbelastungen im Studium und wiederkehrenden Infekten hat sie jetzt gezeigt, was auf den 400 m in ihr steckt“, kommentierte ein erleichterter Coach Jan Vogt, der am Samstagabend für seine Athletin im Hinblick auf die DM noch den Hot-Seat-Status vermeldete. Mittlerweile ist sicher: Da nicht alle Normerfüllerinen die Start-Option in Anspruch nehmen, ist Natalie Pisoke als Nummer 18 der eingereichten Meldungen im Feld der 20 Starterinnen dabei.

Tabea Christ präsentierte sich abgesehen von den 60 m auch in ihrer Spezialdisziplin Weitsprung: Mit 6,15 m kam sie nicht an ihre Saisonbestleistung heran und traf letztlich nur den ersten Versuch passabel. An ihrer grundsätzlich stabilen Form ändert das nichts.