Sechs Westfälische Titel / Viola John glänzt

28.01.2026 | Sechs Gold- und sechs Silbermedaillen, dazu einmal Bronze holte die LG Brillux bei Teil I der westfälischen Hallenmeisterschaften. Überstrahlt wurde die Bilanz von Viola Johns furiosen 60 m (7,28 s).

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Viola John auf der Zielline. Die Zeitmessung bleibt bei 7,28 s stehen. © FLVW

Teil I der westfälischen Hallenmeisterschafts-Trilogie bescherte der LG Brillux herausragende Sprint-Ergebnisse: Viola John (Gold / 7,28 s) und Tabea Christ (Silber / 7,46 s) im Aktiven-Bereich, zudem Sarah König (U18 / Silber / 7,70 s) und Graciete Ntemo (W14 / Gold / 7,91 s) demonstrierten in der Helmut-Körnig-Halle ihre große Klasse. Weitere Titel gingen auf das Konto von Marco Sietmann (800 m / 1:53,58 min), Marie Hellmann (Dreisprung / 11,74 m), Max Wolgast (U18 / Stabhochsprung / 4,30 m) und Johanna Hoffeins (W15 / 800 m / 2:24,36 min).

60 m: Viola John stößt in neue Dimension vor

Die 60 m der Frauen entwickelten sich zu einem der großen Meisterschafts-Highlights: Schon im Vorlauf deutete Viola John in 7,40 s an, dass sie fit ist. Wie fit, das zeigte die 22-Jährige im Finale: Sie enteilte der Konkurrenz vom Start weg, im Ziel blieb die Zeitmessung bei 7,28 s stehen – mit einem lauten Jubelschrei verlieh Viola John ihrer Freude Ausdruck und schlug die Hände fast ungläubig vors Gesicht. Ihre persönliche Bestleistung von Februar 2025 hatte sie um knapp eine Zehntelsekunde unterboten, sogar die Hallen-WM-Norm (7,20 s) ist nach diesem Quantensprung in Sichtweite.

„Wir haben in den letzten Monaten intensiv an den ersten 10-15 Metern gearbeitet. In Kombination mit Violas ohnehin starker Endgeschwindigkeit ist die Zeit folgerichtig.“ (Lars Goldbeck)

Trainer Lars Goldbeck hatte mit der erheblichen Steigerung durchaus gerechnet: „Wir haben in den letzten Monaten intensiv an den ersten 10-15 Metern gearbeitet und konnten so eine deutliche Verbesserung der Beschleunigungsphase erzielen. In Kombination mit Violas ohnehin starker Endgeschwindigkeit ist die Zeit folgerichtig“, so Goldbeck, der seinem Schützling sogar noch mehr zutraut: „Einerseits war das Rennen noch nicht ganz sauber, andererseits waren die Westfälischen der Auftakt für die richtige Wettkampfsaison. Das konsequente Tapering beginnt erst jetzt. Ich rechne damit, dass es nah an die WM-Norm gehen kann.“

Im nationalen Vergleich rangiert Viola John auf einem starken vierten Platz. Die nächsten Chancen auf eine weitere Steigerung warten dicht gestaffelt: Am kommenden Wochenende startet Viola John gemeinsam mit Jan-Eric Frehe beim internationalen Meeting in Gent, es folgen das Dortmunder Sparkassen-Indoor Meeting (08. Februar) sowie das Erfurt Indoor-Meeting (13. Februar). Die Konkurrenz des internationalen Triples wird eine andere sein als bei den Westfälischen.

Tabea Christ mit weiterer Steigerung

Am dichtesten an Viola John heran kam in Dortmund Tabea Christ: Zweimal steigerte sie ihre PB, zunächst auf 7,50 s, im Finale dann auf erstklassige 7,46 s. Bis auf eine Hundertstel näherte sich die eigentliche Weitspringerin damit der DM-A-Norm. „Der Prozess, den wir vor drei Jahren nach Tabeas Wechsel aus Leverkusen eingeleitet haben, zahlt sich voll aus. Tabea ist jetzt in Regionen vorgestoßen, die man als optimale Zubringerleistung zum Weitsprung bezeichnen kann“, kommentierte Lars Goldbeck. Als 20. der aktuellen deutschen Bestenliste darf sich Tabea Christ große Hoffnungen auf einen DM-Doppelstart machen. Die Weitsprung-A-Norm hatte sie bei ihrem Saison-Debüt mit neuer Hallen-PB (6,33 m) überboten.

„Tabea ist jetzt in Regionen vorgestoßen, die man als optimale Zubringerleistung zum Weitsprung bezeichnen kann.“ (Lars Goldbeck)

Komplettiert wurde das starke Gesamtbild der weiblichen Aktiven durch Maja Huesmann (7,79 s / Platz 4 / SB), Nicole Rodehutscord (7,88 s / Platz 5), Berenike Paul (7,97 s / Platz 9) und Liv Patterson (7,98 s / Platz 10 / PB). Bei den Männern erwischte Nils Bovekamp nach stabilem Vorlauf (6,90 s) keinen guten Finallauf und belegte in 6,97 s Platz sieben; zufriedener war Mieszko Szczerbiak mit neuer PB (7,04 s / Platz zehn).

Sprint-Nachwuchs: Sarah König und Graciete Ntemo stark

Gleichzeitig klopft die nachrückende Sprint-Generation hörbar an die Tür der Arrivierten: In der weiblichen U18 gelang Sarah König in einem engen Finale die nächste Steigerung auf erstklassige 7,70 s – sie belegte damit Platz zwei hinter Kimberly Ogbuanu (LC Paderborn / 7,68 s). „Wir können sehr zufrieden sein. Im Hinblick auf die JDM liebäugeln wir jetzt mit dem Zwischenlauf“, so Trainer Ole Patterson. In der Tat hat sich Sarah König in der deutschen U18-Bestenliste nach vorne geschoben, sie belegt aktuell den geteilten zehnten Platz. Als Zweitplatzierte der Wesfälischen qualifizierte sich die 16-Jährige zudem für den Länderkampf, der zum Ende der Hallensaison am 14. März in Dortmund stattfindet; junge westfäliusche Athlet:innen treffen dann auf Teams aus den Niederlanden, Luxemburg, den beiden belgischen Verbänden (Flandern / Wallonie) sowie dem Leichtathletik-Verbande Niedersachsen.

„Wir können sehr zufrieden sein. Im Hinblick auf die JDM liebäugeln wir jetzt mit dem Zwischenlauf.“ (Ole Patterson)

Aus der Trainingsgruppe von Ole Patterson überzeugten auch Ella Vey (8,05 s / Platz 9) und Amelica Arica (8,08 s / Platz 11) jeweils mit persönlichen Bestleistungen.

Für Staunen sorgte W14-Talent Graciete Ntemo: Mit 7,95 s (Vorlauf) bzw. 7,91 s (Finale) gelangen ihr die ersten beiden Rennen unterhalb der 8 Sekunden-Marke. Der Konkurrenz gab sie in Dortmund um fast drei Zehntel das Nachsehen, im nationalen Vergleich rangiert sie jetzt unter den zehn besten U16-Sprinterinnen.

Janek Schiffer und Ben Wehnhardt im 60 m-Finale

An diese Klasse reichten die Leistungen des männlichen Nachwuchses zwar nicht heran. Jeweils der Finaleinzug mit PB waren für die U18-Talente Janek Schiffer (7,40 s / Platz 6 / Vorlauf 7,36 s) und Ben Wehnhardt (7,40 s / Platz 7 / Vorlauf 7,39 s) dennoch ein weiterer Schritt nach vorne – Trainer Ole Patterson freute sich für seine Athleten. Für Janek Schiffer war es zudem ein gelungener Schnelligkeitstest im Hinblick auf den Weitsprung am kommenden Wochenende.

Mittelstrecke: Marko Sietmann und Johanna Hoffeins triumphieren

Ungewohnt kurz war für Marco Sietmann die erste Meisterschaftsdistanz des Jahres. Auf den 800 m machte er dessen ungeachtet eine gute Figur und nahm in 1:53,58 min den Titel ebenso mit wie die DM-B-Norm. Für Sietmann war es ein versöhnlicher Saisoneinstieg, nachdem er noch beim Jump’n’Run-Meeting krankheitsbedingt hatte passen müssen. Bei den Frauen war es Nina Bergerfurth, die in 2:16,74 min eine Medaille holte (Silber). Sietmann wie Bergerfurth werden am kommenden Wochenende erneut an der Startlinie stehen, dann auf den längeren Mittelstrecken (1500 m /300m).

Die U20-Mittelstreckler:innen sicherten sich insgesamt drei Medaillen: Evi Lenz (2:18,61 min) und Mia Bonekamp (2:24,49 min) wurden Zweite und Dritte, Luka Schander (2:00,07 min) schnappte sich ebenfalls Silber. Noch weiter nach vorne ging es in der W15 für Johanna Hoffeins: In einem taktischen Rennen setzte sie sich nach 2:24,36 min knapp gegen Romy Danalek (LC Paderborn) durch.

Sprung: Marie Hellmann und Max Wolgast Westfalenmeister

Ihrer westfälischen Medaillensammlung fügte Marie Hellmann eine weitere Goldmedaille hinzu: Die Dreisprung-Konkurrenz dominierte sie deutlich, jeder der fünf gültigen Sprünge hätte für den Sieg gereiche. Den weitesten Triple-Satz landete die 23-Jährige bei 11,74 m. In der U18 holte Linette Kaiser mit klarer PB (10,82 m) Silber.

Bei den Stabis erwischte Max Wolgast (U18) den besten Tag. Nach einer kritischen Höhe – Wolgast meisterte die 4,00 m im dritten Versuch – zeigte er bei 4,10 m und 4,20 m seine Stärke und überquerte beide Höhen im ersten Versuch. Mit der identischen Anzahl an Fehlversuchen wie Julius Schepeler (LG Olympia Dortmund) teilte sich der 16-Jährige den Titel. Platz sechs belegte mit Hallen-PB (3,70 m) Patrick Hüsken. U20-Springer Niklas Workert startete bei den Männern, auf der Jagd nach der JDM-Norm (4,60m); mit übersprungenen 4,30 m (Platz 5) gelang dieses Vorhaben nicht.

Den Schlüssel zum stabilen Abrufen der Wettkampf-Form suchen in der laufenden Saison die weiblichen Stabhochspringerinnen: Jule Glaßer blieb mit übersprungenen 3,80 m (Platz vier) ebenso unter Wert wie in der U18 Elsa Rausmann (3,30 m / Platz 5).