Schlattmann, Heymann und Zahlten vor Cross-EM-Einsatz

11.12.2025 | Pia Schlattmann, Nele Heymann und Silas Zahlten treten am Sonntag in Portugal bei der Cross-EM an. Vor allem das weibliche U23-Team des DLV geht aussichtsreich ins Rennen.

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Der zweite EM-Einsatz des Jahres 2025 steht für Pia Schlattmann, Silas Zahlten und Nele Heymann unmittelbar bevor. © Nic Scott

Das Küstenstädtchen Lagoa ist am Sonntag (14.12.) Gastgeber der Cross-Europameisterschaft 2025. Obgleich die portugiesische Algarve mit mediterranem Flair, milder Witterung und Postkarten-Motiven grüßt, werden die besten Crossläuferinnen und Crossläufer Europas wenig Sinn für Romantik haben – auf dem künstlich erschaffenen 1,5 km-EM-Kurs geht es um Medaillen, vordere Platzierungen und das Überwinden der persönlichen Schmerzgrenze.

Für Pia Schlattmann, Nele Heymann und Silas Zahlten ist die Europameisterschaft der zweite U23-EM-Einsatz im Jahr 2025, die Erinnerungen an erfolgreiche Wettkämpfe im norwegischen Bergen sind noch frisch. In Lagoa werden sie als Teil des weiblichen bzw. männlichen U23-Quartetts für den DLV an den Start gehen. Dabei dürfte der Renn-Charakter ein anderer sein als man gemeinhin mit Crossläufen assoziiert: Während etwa vor zwölf Monaten in Antalya Wiesengelände dominierte und die Athlet:innen vor zwei Jahren in Brüssel teils knöcheltief den Matsch durchpflügten, ist der Kurs in Lagoa von erdig-sandigem Boden geprägt, der sich als trockenes, hellbraunes Band durch eine kleine Parklandschaft zieht.

Schneller Kurs mit einigen Höhenmetern

„Wir erwarten einen harten und damit schnellen Untergrund. Die Rennen dürften sehr schnell werden“, prognostiziert Silas Zahlten eine Tempohatz. Aber Vorsicht: Das Trio hat das Kurs-Profil noch vor dem Abflug sorgfältig studiert und kennt auch die topographischen Herausforderungen: „Der Kurs hat einige Höhenmeter und man wird aufpassen müssen, sich auf der ersten Hälfte nicht zu übernehmen“, ergänzt Zahlten unter Verweis auf die knapp 40 Höhenmeter pro Runde, die sich über die komplette Distanz (5960 m) zu einem Höhengewinn von etwa 160 m summieren.

„Wir erwarten einen harten und damit schnellen Untergrund. Die Rennen dürften sehr schnell werden.“ (Silas Zahlten)

Hinzu kommen beständige Richtungswechsel, die vom Start weg eine gute Positionierung im Feld erfordern. Am Samstag werden die Teams den Kurs vor Ort besichtigen und dann die taktische Marschroute festlegen.

Pia Schlattmann mit Top 5-Chancen

Die besten Chancen auf eine vordere Platzierung in der Einzelkonkurrenz hat Pia Schlattmann. Im 73 Athletinnen und 24 Nationen starken U23-Feld ist sie bei guter Tagesform eine Top 5-Kandidatin – auch der Europäische Leichtathletikverband benennt sie auf der Event-Website als eine von „Five to watch“. Pia selbst reist mit einer Mischung aus Selbstbewusstsein und Respekt an: „Die DM in Darmstadt hat mir bestätigt, dass ich fit bin. Mir ist bewusst, dass große Namen am Start stehen und es nicht selbstverständlich ist, die Platzierung vom letzten Jahr wieder zu erreichen. Trotzdem werde ich mich im Rennen nicht verstecken müssen.“

„Mir ist bewusst, dass große Namen am Start stehen und es nicht selbstverständlich ist, die Platzierung vom letzten Jahr wieder zu erreichen. Trotzdem werde ich mich im Rennen nicht verstecken müssen.“ (Pia Schlattmann)

Pia nimmt den Rückenwind einer souverän gestalteten Cross-DM mit, die in den ersten nationalen Titel samt exzellenter Positionierung im Frauen-Feld (Platz 3) mündete – die 21-Jährige ist die deutsche Leaderin und hat an Selbstbewusstsein gewonnen. Als Vorjahres-Vierte ist sie ohnehin eine Protagonistin der Papierform.

Da ist aber auch eine Konkurrenz, die mit großen Vorschusslorbeeren aufwartet: Als Gold-Favoritin geht jene Spanierin Maria Forero ins Rennen, die im Sommer die 5000 m-EM-Konkurrenz beherrschte und im Vorjahr Cross-EM-Silber holte. Auch die Finnin Ilona Mononen (U23 Europameisterin 3000 m Hindernis, Vorjahres-Dritte), die starke 5000 m-Läuferin Sofia Thøgersen (Dänemark, PB: 15:26,92 min), die Spanierin Marta Serrano sowie die etablierten Cross-Nationen wie Großbritannien werden zu beachten sein. Dabei verweist auch Pia neben den Kontrahentinnen auf die relative Black Box des Kurses: „Ich hoffe, dass ich auch in diesem Jahr mit dem Untergrund und den Höhenmetern klarkomme.“

Weibliches DLV-Quartett mit Medaillen-Chancen, Nele Heymann topfit 

Neben der Einzel-Performance hat Pia auch die Team-Konkurrenz im Visier: „Ich freue mich gemeinsam mit Nele an der Startlinie zu stehen und mit Lisa [Merkel] und Kira [Weis] werden wir ein konkurrenzfähiges Team haben“, so Pia Schlattmann, die das Team vor Jahresfrist zu Bronze führte. Auch in diesem Jahr kann das deutsche Quartett bei der Vergabe der Medaillen mitreden.

Ihren Teil dazu beitragen möchte Nele Heymann, die mit der überraschend souveränen EM-Qualifikation voller Zuversicht sein kann. „Ich fühle mich sehr fit und bin gespannt, wie das Rennen und die Strecke am Sonntag aussehen werden“, sagt die 22-Jährige, die in Darmstadt nur fünf Sekunden hinter Lisa Merkel ins Ziel kam. Auch in Lagoa kann Nele für eine Überraschung gut sein. „Ich freue mich an den Start zu gehen, um ein gutes Teamergebnis zu erzielen und mich möglichst weit vorne zu platzieren“, steckt sie selbst ihre Perspektiven ab.

Für Nele Heymann wird das Rennen in Portugal der letzte internationale Einsatz in der U23 sein, im Januar steht der Übergang in die Aktiven-Klasse an – Qualifikationen für kontinentale Meisterschaften werden dann noch schwieriger, sodass sie auch in dieser Hinsicht die Tage von Lagoa auskosten dürfte.

Silas Zahlten mischt in in hochkarätigem Feld mit

In der männlichen U23 reist Silas Zahlten als DM-Bronzemedaillen-Gewinner an. Der potenziell sehr schnelle Rundkurs schmeckt dem Bahn-Spezialisten: „Mir kommen der harte Untergrund und die zu erwartende hohe Geschwindigkeit entgegen“, sagt der 21-Jährige, der sich im Sommer auf der Hindernis-Distanz erheblich gesteigert hat und dabei auch als endschneller Läufer auftrumpfte. Anders als auf der Bahn rechnet Silas in Lagoa mit wenig Raum für taktische Finessen: „Ob es auf eine defensivere Taktik hinausläuft oder ob wir als Team vom Start weg mehr riskieren und gemeinsam nach vorne laufen, wird sich zeigen. Vermutlich werden ohnehin das Gefühl und die Dynamik im Rennen entscheidend sein.“

Zusammen mit Kurt Lauer, Jakob Dietrich und Robin Müller hofft Silas auf eine gute Team-Platzierung: „Wir wollen zeigen, dass sich die Nominierung von vier Läufern gelohnt hat“, positioniert er sich als umsichtiger Teamplayer.

„Ob es auf eine defensivere Taktik hinausläuft oder ob wir als Team vom Start weg mehr riskieren und gemeinsam nach vorne laufen, wird sich zeigen.“ (Silas Zahlten)

Das männlichen U23 wird herausragend stark besetzt sein, manch ein Athlet würde wohl auch bei den Männern weit nach vor laufen. Ausgewiesene Cross-Asse wie der U23-Europameister von 2023 und 2024, William Barnicoat (Großbritannien), bzw. der Vorjahres-Zweite Nick Griggs (Irland) treffen auf schnelle Bahnläufer, darunter zuvorderst der Niederländer Stefan Nillessen (1500 m-Olympia-Finalist / PB: 3:29,23 min), aber auch der polnische U23-Hindernis-Europameister Maciej Megier (PB: 8:20,17 min) oder der dänische U23-10.000 m-Europameister Joel Ibler Lillesø (5000 m-PB: 13:22,74 min). Das 76 Athleten und 25 Nationen starke Feld ist qualitativ derart dicht besetzt, dass für die deutschen Athleten Prognosen kaum möglich sind.

Trio am Sonntagvormittag im Einsatz

Eröffnet werden die Cross-Europameisterschaften am Sonntag um 09 Uhr. Die U23-Rennen sind als drittes bzw. viertes Rennen für 10:26 Uhr (weiblich) bzw. 11:00 Uhr (männlich) angesetzt.