Cross-EM: Pia Schlattmann holt in Portugal Einzel-Bronze und Team-Silber

16.12.2025 | Toller Erfolg für Pia Schlattmann: Bei der Cross-EM in Portugal gewinnt die 21-Jährige Einzel-Bronze. Das DLV-Team, zu dem auch Nele Heymann zählt, holt punktgleich mit den siegreichen Französinnen Silber.

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Silber-Jubel: Pia Schlattmann, Lisa Merkel, Kira Weis und Nele Heymann. © Florian Waltz

Groß waren im Vorfeld der Cross-Europameisterschaften die Ambitionen von Pia Schlattmann gewesen. Am Ende übertraf sie sich selbst: Mit Einzel-Bronze und Team-Silber avancierte Schlattmann an der portugiesischen Algarve zur erfolgreichsten Athletin des deutschen Leichtathletik-Verbandes. Auch Nele Heymann freute sich über Team-Silber und ein gutes Einzel-Ergebnis (Platz 23), Silas Zahlten belegte nach einem gebrauchten Rennen Platz 54.

Pia Schlattmann am Ziel ihrer Träume

Am Abend ihres bisher größten internationalen Erfolgs sortierte eine überwältigte Pia Schlattmann die Emotionen: „Es war ein unglaubliches Rennen. Ich kann es immer noch nicht fassen – eine Medaille bei einer EM, davon habe ich geträumt“, sagte die 21-Jährige unter dem Eindruck eines Rennens, das ein Dramaturg kaum besser hätte antizipieren können. Als auf der dritten von vier Runden zu je 1500 m ein Riss durch die Spitzengruppe ging, animierte Schlattmann Teamkameradin Lisa Merkel, an ihren Fersen zu bleiben – alles für das Team, lautete die Devise. Die beiden Deutschen konnten zwar nicht den enteilenden Top-Favoritinnen Maria Forero (Spanien/spätere Europameisterin) und Ilona Mononen (Finnland) folgen, jedoch schüttelten sie die zweite Spanierin Marta Serrano ab und liefen Schulter an Schulter um Bronze. Um zwei Sekunden behielt die Athletin der LG Brillux (20:23 min) die Oberhand, hinter dem Zielstrich ging sie entkräftet zu Boden.

„Ich kann es immer noch nicht fassen – eine Medaille bei einer EM, davon habe ich geträumt.“ (Pia Schlattmann)

Pia Schlattmann hatte alles auf der Strecke gelassen, deren trockener, erdig-sandiger Untergrund zwar kaum an einen Cross-Parcours erinnerte, die mit 160 Höhenmetern und permanenten Richtungswechseln dennoch selektiv war. Im Vorfeld der Europameisterschaften hatte Pia ihre Chancen noch mit gewisser Skepsis taxiert: „Ich hatte Bedenken, ob mir die Art von Strecke liegt – ob sie mir nicht eher zu schnell ist.“

Einer Läuferin, die klassische Cross-Strecken mit tiefem Geläuf und ausgeprägtem Profil liebt, schmecken die mediterranen Böden nicht; wohl aber hatte die Kurs-Besichtigung am Samstag die Höhenmeter sichtbar gemacht, sodass am Sonntag eine optimistische, selbstbewusste Pia Schlattmann an der Startlinie stand.

Familie und Trainer Robert Welp an der Strecke

Diese Haltung spiegelte auch der Rennverlauf wider: Die deutsche Nummer eins war vom ersten Meter an Teil der Spitze und ließ sich weder von der schnellen Eröffnung der Irin Anika Thompson (U23-Europameisterin 10.000 m) noch vom spürbaren Laktat nach Runde eins beirren – andere Mitfavoritinnen waren es, die mit zunehmender Renndistanz Federn ließen, darunter die irische Frontläuferin oder die mehrfache U20-EM-Medaillen-Gewinnerin Sofia Thøgersen (Dänemark), die letztlich das Rennen aufgab.

„Die Unterstützung an der Strecke von meiner Familie und von Robert hat enorm geholfen, ich habe sie auf verschiedenen Strecken-Abschnitten wahrgenommen.“ (Pia Schlattmann)

Angetrieben wurde die Vorjahres-Vierte Schlattmann in Lagoa auch von ihrer Familie und Trainer Robert Welp. „Ihre Unterstützung hat enorm geholfen, ich habe sie auf verschiedenen Strecken-Abschnitten wahrgenommen“, sagt Schlattmann.

Wertet man die Ergebnisliste genauer aus, fällt folgendes auf: Pia Schlattmann ließ auf der knapp 6000 m langen Strecke diverse Athletinnen hinter sich, die mit stärkeren 5000 m-Bestzeiten angereist waren, darunter Anika Thompson, die Französinnen Julia David-Smith (Platz 5) und Camille Place (Platz 7) oder die Britin Emily Parker (Platz 13). Die Lücke auf Platz 5 war dabei mit 14 Sekunden beachtlich.

Team-Silber punktgleich mit siegreichen Französinnen

Neben der Einzelmedaille, die in Lagoa die einzige für das 28-köpfige deutsche Team blieb, sicherten sich Pia Schlattmann, Lisa Merkel und Kira Weis Team-Silber, punktgleich mit den siegreichen Französinnen (jeweils 21 Punkte) – die bessere Platzierung der dritten französischen Läuferin gab den Ausschlag. „Die Medaille im Team ist total toll, auch zusammen mit Nele“, so Pia Schlattmann, die nicht einen Moment mit dem hauchdünn verpassten Gold haderte.

Auch sonst trat Pia Schlattmann in Lagoa durchweg als Teamplayerin mit großem Sportsgeist auf. Das zeigt ihre Geste während des Rennens gegenüber Lisa Merkel wie auch die Würdigung der Tübingerin nach dem Rennen: „Wir wollten beide die Medaille und haben uns gegenseitig gepusht – am Ende hatte ich vielleicht etwas mehr Kraft.“

Nele Heymann bei Premiere kämpferisch auf Platz 23

Mit auf dem Podest stand bei strahlendem Sonnenschein unweit des Atlantiks auch Nele Heymann, stolz präsentierte sie Team-Silber. Für die 22-Jährige war es der erste Start bei einer Cross-Europameisterschaft. Kämpferisch behauptete sich Nele im dichten Feld, Platz 23 (21:23 min) unter 73 Athletinnen und 24 Nationen waren auch in der Einzel-Konkurrenz ein gutes Ergebnis, zumal nur zwölf Sekunden zur Top 15 fehlten. „Der Kurs lag mir nicht zu 100 Prozent, aber ich habe alles gegeben. Ich bin mit meiner Einzel-Platzierung zufrieden, für die Team-Medaille gilt das umso mehr“, gab Nele Heymann zu Protokoll.

„Der Kurs lag mir nicht zu 100 Prozent, aber ich habe alles gegeben. Ich bin mit meiner Einzel-Platzierung zufrieden, für die Team-Medaille gilt das umso mehr.“ (Nele Heymann)

In ihrer Premiere-Saison für die LG Brillux hat Nele mit drei internationalen Starts – zwei U23 EM-Teilnahmen, dazu der Start beim 10.000 m-Europacup –, zwei DM-Einzel-Medaillen und starken Bestzeiten über die 1500 m, die 5000 m und die 10.000 m viel erreicht. 2026 rückt sie in die Aktiven-Klasse auf; die Anforderungen werden dann nochmals steigern, fürchten muss sich Heymann nicht.

Männliche U23: Silas Zahlten verpokert sich

Offensiv ging Silas Zahlten ins hochkarätig besetzte U23-Rennen. Das deutsche Team mit Zahlten, Kurt Lauer, Robin Müller und Jakob Dieterich drängte zunächst geschlossen in die vorderen Reihen, um an der ersten Engstelle gut positioniert zu sein. Am Sonntag war diese Taktik für Silas Zahlten die falsche: „Ich habe auf den ersten Runden viel Kraft gelassen. Vermutlich wäre es für mich besser gewesen defensiver anzulaufen – mir hätten sich dann in der zweiten Rennhälfte Chancen eröffnet viele Plätze gutzumachen“, sagt Silas Zahlten, der aber auch Realist genug ist, um Abstand von Hätte, wenn und aber-Szenarien zu nehmen: „Es war weder mein Tag noch mein Kurs, das muss ich akzeptieren.“

„Es war weder mein Tag noch mein Kurs, das muss ich akzeptieren.“ (Silas Zahlten)

Platz 54 (19:11 min) spiegelt – so oder so – nicht das läuferische Vermögen von Silas Zahlten wider. Das zeigt etwa ein Vergleich mit dem Franzosen Pierre Boudy (18:03 min), der in Lagoa Bronze holte; bei der U23-EM in Bergen war Zahlten ihm über die Hindernisse nur um zwei Sekunden unterlegen. Grund für Tristesse gibt es für den 21-Jährigen indes nicht, sein Blick richtet sich nach vorne: „Ich nehme die Erfahrung mit und hoffe, dass ich mich im nächsten Jahr erneut für die Cross-EM qualifizieren kann – vielleicht dann auch mit einer flacheren Strecke, auf der ich meine Stärken besser ausspielen kann.“

Robin Müller setzt für DLV-Team Akzente

An der Renn-Spitze setzte sich mit dem Iren Nicholas Griggs einer von zwei Topfavoriten letztendlich souverän durch. Der andere, Will Barnicoat (Großbritannien), erlebte einen bitteren Tag: Geschwächt von einer Achillessehnenverletzung in der EM-Vorbereitung, kam der U23-Cross-Europameister der Jahre 2023 und 2024 nie in Schlagdistanz zur Spitze. Vom deutschen Quartett setze sich Robin Müller auf Platz zwölf hervorragend in Szene, auch Kurt Lauer (Platz 19) lief in die Top 20. Zusammen mit Jakob Dieterich (Platz 40) belegte das Team Platz 5 in der Mannschaftswertung.