Cross-DM: Acht Medaillen und drei EM-Tickets für LG-Team

02.12.2025 | Acht Medaillen nahm die LG Brillux mit von der Cross-DM in Darmstadt mit. Besonders hell strahlte das Einzel-Gold von Pia Schlattmann, die sich ebenso wie Nele Heymann und Silas Zahlten für die EM in Portugal qualifizierte.

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DM-Gold für das U23-Team mit Leonie Kruse, Pia Schlattmann und Nele Heymann. © Florian Walz

Nie zuvor war die LG Brillux bei einer deutschen Crossmeisterschaft erfolgreicher: Gold für Pia Schlattmann in der U23-Einzel-Konkurrenz bzw. Bronze in der Frauen-Wertung, jeweils Bronze für Nele Heymann (U23), Silas Zahlten (U23) und Jonathan Albustin (U18), zudem Gold und Silber für das weibliche U23-Team und Gold für das weibliche U18-Team summieren sich zu einer bemerkenswerten Bilanz. Das U23-Trio Schlattmann/Heymann/Zahlten buchte im selben Atemzug das Ticket für die kontinentalen Titelkämpfe in Portugal (14.12).

Pia Schlattmann mit erstem großem Einzel-Titel

Aus einem geschlossen starken Team stach im Darmstädter Bürgerpark Pia Schlattmann heraus: Nicht nur sicherte sie sich erstmals einen großen Einzeltitel; Bronze in der Frauenwertung und die souveräne Qualifikation für die Cross-EM in Lagoa waren Teil einer reichen Ausbeute. Am Abend ihres bisher größten nationalen Erfolgs suchte die eloquente Athletin nach Worten: „Ich bin immer noch total überwältigt. Ich weiß gar nicht, welche Medaille mir mehr bedeutet – meine erste Einzelmedaille bei den Frauen oder die erste Goldmedaille in der U23. Dazu noch die Teammedaillen, die immer mehr als besonders sind, und die Qualifikation für Lagoa.“

„Ich bin immer noch total überwältigt. Ich weiß gar nicht, welche Medaille mir mehr bedeutet – meine erste Einzelmedaille bei den Frauen oder die erste Goldmedaille in der U23.“ (Pia Schlattmann)

Auf der weitgehend flachen 7,5 km-Strecke (5 Runden zu je 1,5 km), die Selektivität aus scharfen Kehren, Mini-Hügeln, Strohballen sowie Matsch- und Sandpassagen bezog, präsentierte sich Pia Schlattmann dominant: Vom Start weg war sie die am besten positionierte U23-Läuferin und je länger das Rennen dauerte, desto eindrucksvoller spielte die Vorjahres-Zweite ihre Stärke aus. Nach zwei Dritteln der Strecke löste sich Pia aus ihrer Gruppe, kassierte Alina Reh und lief zwischenzeitlich sogar bis auf sieben Sekunden an das Führungs-Duo Elena Burkard/Eva Dietrich heran. Spurten musste die 21-Jährige nicht mehr, mit einem strahlenden Lächeln überquerte sie als neue deutsche U23-Meisterin die Ziellinie, 15 Sekunden hinter Eva Dietrich und elf Sekunden vor U23-Kontrahentin Lisa Merkel (LAV Stadtwerke Tübingen).

Neues Selbstbewusstsein mündet in offensive Taktik

Schlüssel zum Erfolg war neben der Formstärke auch die mentale Einstellung: „Robert hat mir mit auf den Weg gegeben, dass ich selbstbewusst sein darf und das Rennen offensiver als sonst angehen soll – das hat gut geklappt. Ich habe zudem immer wieder einen Rhythmus gefunden nach den Kurven bzw. den Passagen mit Hügeln, Strohballen oder Sand“, so Pia Schlattmann, die als deutsche Nummer eins zur EM fliegt. Voller Vorfreude blickt sie gen Portugal: „Ich freue mich total auf Lagoa, denn ich habe es mir so sehr gewünscht, zur Cross-EM zu fahren. Zusammen mit Nele und Silas ist das natürlich unglaublich.“

Nele Heymann bucht sicheres Ticket, Leonie Kruse überrascht

Während Pia Schlattmann im Vorfeld der DM zu den klarsten EM-Anwärter:innen der U23 zählte, fielen die ebenfalls sicheren Qualifikationen von Nele Heymann und Silas Zahlten zwar nicht vom Himmel, ließen aber doch aufmerken. Nele Heymann setzte sich deutlich gegen das hoch gehandelte Trio Adia Budde (Stadtwerke Tübingen), Kira Weis (KSG Gerlingen) und Karolin Hinrichs (VfL Löningen) durch – eine halbe Minute betrug im Ziel ihr Vorsprung auf Weis. „Nach meinen eher nicht so starken Auftritt in Oelde war ich mir meiner Cross-Stärke nicht bewusst und konnte mich dann während des Rennens selbst überraschen“, kommentierte Heymann, die bis zum Schluss auf Tuchfühlung zu Lisa Merkel blieb (+5 Sekunden im Ziel), während die Gruppe dahinter immer kleiner wurde.

„Nach meinen eher nicht so starken Auftritt in Oelde war ich mir meiner Cross-Stärke nicht bewusst und konnte mich dann während des Rennens selbst überraschen.“ (Nele Heymann)

Für die 22-Jährige zahlte sich damit auch das vierwöchige Höhentrainingslager in Südafrika aus, das die LG-Coaches Jörg Riethues und Robert Welp zeitlich perfekt auf die Cross-Höhepunkte abgestimmt hatten. Im Übrigen profitieren die LG-Läuferinnen von der hohen Leistungsdichte in den eigenen Reihen. Teil dieser starken Trainingsgemeinschaft ist Leonie Kruse, die seit Monaten in bestechender Form ist. In Darmstadt mündete diese Formstärke in einen hoch einzustufenden sechsten Platz. Leonie fing mit Adia Budde sogar eine EM-Aspirantin ab, auf eine andere Aspirantin, Carolin Hinrichs, fehlten lediglich drei Sekunden.

Lohn der starken Performance des U23-Trios war Team-Gold in der U23 und Silber in der Frauen-Team-Wertung. Bereits bei der 10 km-Straßen-DM im September hatte das Trio Team-Gold geholt.

Silas Zahlten im spannenden Zweikampf mit Robin Müller vorne

Eng ging es im Fight um Bronze in der männlichen U23 zu: Nach einem wenig optimalen Start sortierte sich Silas weit hinten im Feld ein und musste die Verfolgung des Trios Kurt Lauer (VfL Sindelfingen), Jakob Dietrich (Frankfurt Athletics) und Robin Müller (LC Top Team Thüringen) aufnehmen. Aus der Ruhe bringen ließ sich der 21-Jährige davon nicht: „Ich hatte mich in den letzten Tagen im Training stark gefühlt und wusste, dass mein Körper das Trainingslager sehr gut umsetzt. Die Lücke zu Robin Müller habe ich nach und nach geschlossen“, so Zahlten, der den Thüringer eingangs der vierten von fünf Runden stellte und in der Endphase auch sein taktisches Vermögen ausspielte: „Ich bin direkt vorbei und habe dann an den kniffligen Stellen den Druck auf Robin erhöhte, bis er den Kontakt verloren hat.“

„Ich bin direkt vorbei und habe dann an den kniffligen Stellen den Druck auf Robin erhöhte, bis er den Kontakt verloren hat.“ (Silas Zahlten)

In Lagoa wird das U23-Quartett Lauer/Dietrich/Zahlten/Müller gemeinsam an den Start gehen, denn der DLV nominierte auch Robert Müller – wie Kurt Lauer ist er ein mittlerweile langjähriger Weggefährte von Silas Zahlten, gemeinsam haben sie diverse internationale Meisterschaften erlebt. Für die EM am 14.12. erwartet Silas ein schnelles Rennen und betont dabei den Team-Gedanken: „Sofern es nicht noch regnet, wird der Untergrund in Portugal sehr hart sein, sodass die Strecke schnell wird – das kommt mir entgegen. Kurt und Jakob haben sich in Darmstadt topfit präsentiert und zusammen mit Robin möchten wir konkurrenzfähig sein. Mit einem guten Ergebnis für den DLV möchten wir zeigen, dass sich die Nominierung von vier Athleten gelohnt hat.“

Männliche U18: Jonathan Albustin mit Bronze-Coup

In der männlichen U18 (3,8 km) hatten Jonathan Albustin und Coach Jörg Riethues zwar mit einer Medaille geliebäugelt. Dennoch ist es in den Jugend-Klassen immer etwas Besonderes, wenn ein Athlet des Jung-Jahrgangs Edelmetall holt – dass Jonathan in der Top 10 von Darmstadt der einzige Läufer des Jahrgangs 2009 war, unterstreicht diese These. Im Rennen war von einem Altersunterschied indes nichts zu merken: Zwar musste auch Jonathan nach ungünstiger Positionierung bei der Startaufstellung das Feld von den mittleren Positionen aus aufrollen, was aber mit Leichtigkeit gelang.

„Im Schlusssprint waren die beiden leider zu stark, aber am Ende bin ich natürlich sehr zufrieden mit meiner ersten DM-Medaille.“ (Jonathan Albustin)

Als Lennox Gyulai (Lok. Hainsberg) und Tim Völker (Hanau Rodenbach) die Spitzengruppe sprengten, war Jonathan hellwach und stark genug, um im Sog des Top-Duos eine Lücke auf die sonstigen Läufer zu reißen. „Im Schlusssprint waren die beiden leider zu stark, aber am Ende bin ich natürlich sehr zufrieden mit meiner ersten DM-Medaille“, so Jonathan Albustin, der im Übrigen einen Lerneffekt betonte: „Für weitere Crossrennen werde ich darauf achten, mich am Start besser einzureihen und auch schneller loszulaufen.“

Die U18-Mannschaft (Jonathan Albustin, Samuel Albustin/Platz 25, Tom Wißmann/Platz 70) belegte Rang fünf.

Weibliche U18: Starke Mia Bohnekamp führt Team zu Gold

Groß war der Jubel bei der weiblichen U18: Mia Bohnekamp, Mareen Jasper und Evi Lenz holten auf der 3,8 km-Distanz überraschend Gold – punktgleich mit dem TSV Bayer Leverkusen, dabei dank der besten Einzelplatzierung vorne. Den Weg bahnte Mia Bohnekamp, die lange sogar um die Medaillen kämpfte und sich erst im Finish geschlagen geben musste; Platz fünf war dennoch ein überragendes Resultat, zumal Mia mehrere Bundeskader-Athletinnen distanzierte, darunter die in Oelde noch siegreiche Lya Bourgund (LAC Veltins Hochsauerland).

Ebenso wertvoll war der Beitrag von Mareen Jasper (Platz 14) und Evi Lenz (Platz 24), die beide bis zum letzten Meter kämpften und den Leverkusener Favoritinnen in zwei Wimpernschlag-Entscheidungen ein Schnippchen schlugen: Mareen Jasper setzte sich in einem auf die Sekunde zeitgleichen Trio durch, Evi Lenz ausgerechnet gegen die Leverkusenerin Maxine Kammann – eine Entscheidung mit dramaturgischer Note.

Marco Sietmann, David Drepper und Franziska Dinkelborg überzeugen

In den Mittelstrecken-Rennen der Männer und Frauen war es einmal mehr Marco Sietmann, der mit Platz acht für das Top-Ergebnis aus LG-Sicht sorgte. Bedenkt man, dass der 23-Jährige aus einer beruflichen Stress-Phase mit abgeschlossenem Pharmazie-PJ und bestandenem dritten Staatsexamen kommt, ist die Leistung umso wertvoller. Wie rasch er die wiedererlangten Spielräume in Leistungszuwachs ummüzen kann, unterstreicht etwa der Vergleich mit dem Dortmunder Lars Franken: Bei den Westfalenmeisterschaften war Franken deutlich vorne, bei der DM drehte der starke Crossläufer Marco Sietmann den Spies um und verwies den Dortmunder auf Platz 9.

Für die Frauen-Mittelstrecke hatten sich auch Franziska Dinkelborg, Anna Kamp und Christine Lehnen entschieden. Franziska und Anna präsentierten sich im Feld hervorragend und liefen auf den Rängen 16 und 18 dicht an die Top 15 heran. Gemeinsam mit Christina Lehnen (Platz 46) belegte das Team Rang fünf.

Überzeugend auch der Auftritt von David Drepper, der zugunsten der Mannschaft auf einen Start in der U20 verzichtet hatte und stattdessen im Rennen der Männer/U23 antrat: Fast hätte der 19-Jährige ein Top 10-Ergebnis erzielt, Platz zwölf ist nichtsdestoweniger ein bemerkenswertes Ergebnis. Zusammen mit Silas Zahlten und Eugene Koch belegte Drepper Platz vier in der U23-Teamwertung. Dominik Reker kam auf Platz 44 der U23 ins Ziel.