Luka Herden im Interview: „Die internationale Medaille war der nächste Schritt.“

23.11.2025 | Im Interview mit dem Verein zur Förderung des Leistungssports in Münster e.V. blickt Luka Herden zurück auf die Saison 2025, benennt seine mittelfristigen Zielstellungen und erläutert seine Förderstruktur als Spitzensportler.

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Das große Highlight der Saison 2025: Luka Herden holt Bronze bei der Studierenden-WM. © Stephan Mayer

Weitspringer Luka Herden wird seit Herbst 2023 vom Verein zur Förderung des Leistungssports in Münster e.V. in einem Pilotmodell als Individualsportler mit der Perspektive LA 2028 gefördert. Im Interview spricht er über seine Bronzemedaille bei den World University Games, die haarscharf verpasste WM in Tokio, seine mittelfristigen Zielstellungen und die Förderstruktur für Spitzensportler.

Luka, Du hast in diesem Jahr Bronze bei den World University Games geholt, bist bei der Hallen-DM Zweiter und bei der Freiluft-DM Dritter geworden und hast erneut die acht Meter-Marke geknackt. Gleichzeitig bist du hauchdünn an der WM in Tokio vorbeigeschrammt. Wie beurteilst du deine Saison?

Luka Herden: Ich war anfangs sehr enttäuscht, dass es mit Tokio nicht geklappt hat. Mittlerweile hat sich die Gefühlslage deutlich aufgehellt. Einerseits haben mir die World University Games als zweites ausgegebenes Saison-Highlight einen großen Erfolg beschert. Gleichzeitig war der Durchschnitt meiner Wettkämpfe um Längen besser als in den Vorjahren. In der Summe ist die Saison 2025 die Beste meiner bisherigen Karriere. Davon abgesehen weiß ich, dass der letzte Schritt in meiner Entwicklung noch fehlt. Selbst wenn ich die WM-Bestätigungsnorm von 8,05 Metern gesprungen wäre, hätte mich das nicht automatisch zum WM-Starter gemacht – einzelne Punkte entscheiden im Ranking-System für oder gegen einen Springer. Ich habe deshalb meinen Fokus schnell auf die Europameisterschaft 2026 verschoben.

„Es war immer mein großer Traum, in die deutsche Fahne gehüllt durchs Stadion zu laufen. Aus so einem Wettkampf mit einer Medaille hervorzugehen, ist etwas ganz Besonderes. Es ist der nächste Schritt.“ (Luka Herden)

Platz drei bei den FISU Games bescherte dir die erste internationale Medaille Deiner Karriere. Was bedeutet Dir diese Medaille?

Luka Herden: Sehr viel. Es war immer mein großer Traum, in die deutsche Fahne gehüllt durchs Stadion zu laufen. Es ist etwas anderes, einen Wettkampf nicht nur für sich selbst zu bestreiten, sondern sein Land zu repräsentieren und gegen die Repräsentanten andere Nationen anzutreten. Aus so einem Wettkampf, der im Übrigen nur alle zwei Jahre stattfindet, sogar mit einer Medaille hervorzugehen, ist etwas ganz Besonderes. Das hat eine andere Wertigkeit als alle Medaillen, die ich in meinem Leben schon erreichen konnte. Es ist der nächste Schritt.

Stichwort nächster Schritt: Schöpfst Du aus so einem Event, das als Multisport-Event mit Athleten aus der ganzen Welt an die Olympischen Spiele erinnert, Motivation für Deinen Weg hin zu den Spielen von LA 2028?

Luka Herden: In jedem Fall. Ich lebe meinen Olympia-Traum zwar schon seit Jahren intensiv. Aber es bleibt dabei, dass ich unbedingt das in Groß erleben möchte, was ich bei den FISU Games in Ansätzen beobachten konnte. Es war deshalb hilfreich, die organisatorischen und logistischen Abläufe mitzuerleben – Hotel-Unterbringen und Transfers etwa waren eine ganz andere Hausnummer als bei der EM in Rom.

Lass uns genauer auf das Projekt LA 2028 blicken. Das erste Jahr des olympischen Vier-Jahres-Zyklus ist vorbei. Wo stehst Du?

Luka Herden: Ich denke, dass ich auf einem guten Weg bin. Jetzt gilt es, mein in diesem Jahr auf ca. 7,90 m verbessertes Grundniveau weiter zu erhöhen. Gelingt das, komme ich sicherer in die großen Meetings und das ist der Schlüssel, um viele Punkte für die Weltrangliste und damit die Großereignisse zu sammeln. Man kann die Möglichkeiten bei Simon Batz beobachten: Seine starke Performance bei den Olympischen Spielen in Paris war das Ticket für die großen Meetings in diesem Jahr. Ich bin demgegenüber bei kleineren Meetings den Punkten hinterhergehechelt und nicht immer auf guten Anlagen gesprungen. Das hat es mir erschwert, in der dichten internationalen Konkurrenz zu bestehen.

„Jetzt gilt es, mein in diesem Jahr auf ca. 7,90 m verbessertes Grundniveau weiter zu erhöhen. Gelingt das, komme ich sicherer in die großen Meetings und das ist der Schlüssel, um viele Punkte für die Weltrangliste und damit die Großereignisse zu sammeln.“ (Luka Herden)

Welche Sprung-Reserven kannst Du bei Deinem Vorhaben anzapfen?

Luka Herden: Ich muss weiterhin mit meinem Trainer Ulli Knapp an den letzten zwei Schritten vor dem Absprung arbeiten. Das hat die Freiluft-DM sehr deutlich gezeigt: Für mich wurden in Dresden die schnellsten Anlaufgeschwindigkeiten meiner Karriere aufgezeichnet, aber die letzten zwei Schritte gelangen überhaupt nicht – entsprechend ungünstig war das Verhältnis von Anlaufgeschwindigkeit zu erbrachter Weite. Mein Problem im Absprung-Timing läuft biomechanisch darauf hinaus, dass ich gemessen am relativ geringen Höhengewinn meines Sprungs vorher zu stark abbremse.

Du bist nicht nur Weitspringer, sondern schreibst auch Deine Doktorarbeit in der Humanmedizin. Wie erlebst Du die Duale Karriere aus Spitzensport und Studium?

Luka Herden: Ich muss für eine Antwort weiter ausholen. Als ich 2019 mit dem Studium begonnen habe, war ich bei jeder Vorlesung dabei, habe mit meinen Kommilitonen in der Bibliothek gelernt und kam direkt von der Uni zum Training. Mit der sportlichen Leistung ging es im Folgejahr bergab – in dieser Intensität zu studieren und meinen Sport auf hohem Niveau zu betreiben, das habe ich nicht geschafft. Ich zog daraus die Konsequenz, mich auf die Präsenz bei Pflicht-Veranstaltungen zu konzentrieren. Die Corona-Pandemie hatte bei allem Negativen dann den für mich positiven Nebeneffekt, dass ich durch den Wegfall der Präsenz-Veranstaltungen mehr Zeit für Regeneration und Training hatte. Als ich 2023 schließlich verletzungsfrei durchtrainieren konnte, kam die Leistungsexplosion und die Aufnahme in den Perspektivkader. Seitdem kann ich meinen Sport durch die Förderung von Seiten des Verbands und meines Vereins, der LG Brillux, querfinanzieren und ich habe beschlossen, nochmals etwas Dampf aus dem Studium nehmen, das ich bis dahin in Regelstudienzeit absolviert hatte. Ich muss mich jetzt nicht mehr in einer Weise übernehmen, die meinen sportlichen Fortschritt behindert. Das gilt auch für meine Doktorarbeit: Ich investiere in Phasen wie der aktuellen mehr und reduziere in den wichtigen Saisonphasen das Arbeitspensum.

„Ich muss mich jetzt nicht mehr in einer Weise übernehmen, die meinen sportlichen Fortschritt behindert.“ (Luka Herden)

Du hast deine Förderstruktur angesprochen, deren Kern seit Herbst 2023 der Status als DLV-Perspektivkader-Athlet ist. Dennoch bestanden Förderlücken, auf die der VzFdL Münster in Abstimmung mit der LG Brillux reagiert hat.

Luka Herden: Richtig. Zwar bin ich sehr dankbar für die staatliche Förderung, denn im weltweiten Kontext hat der Großteil der Athleten diese Möglichkeit nicht. Aber wenn man ehrlich ist, dann reicht die Förderung gerade aus, um die Wohnung zu bezahlen. Möchte man sich als Sportler gut ernähren und nicht nur Nudeln mit Pesto essen, möchte man ein Auto für die Fahrt zu den Trainingsstätten nutzen und regelmäßig Physiotherapie wahrnehmen und berücksichtigt man zudem Kosten wie Reisegebühren, dann häuft sich einiges an. Durch die Unterstützung des Vereins zur Förderung Leistungssports kann ich z.B. nach guten, weiter entfernten Meetings suchen – ich kann mich in den Zug setzen und zu einem Meeting nach Berlin fahren. Diese Förderung entlang meiner individuellen Anforderungen ist für mich sehr wertvoll.

Kann ein solches Modell aus Deiner Sicht auch anderen jungen Sportlerinnen und Sportlern aus Münster eine Anschubhilfe bei ihren olympischen Karriereträumen bieten?

Luka Herden: Ich denke schon, dass das Konzept bei vielen Sportlern funktionieren kann. Es geht darum, im Dialog individuelle Förderlücken zu erkennen, entlang des Mottos: Was braucht der Athlet und wo können wir ihn gezielt unterstützen? Das setzt Klarheit bei den Athleten voraus. Ist diese vorhanden, kann man aus meiner Sicht Sportler mit unterschiedlichen Anforderungsprofilen unterstützen. Als Leichtathlet habe ich beispielsweise keine exorbitant hohen Materialkosten – anders als etwa Ruderer oder Sportlern aus Rückschlagsportarten. Es kommt auf die Spezifik an, um die vorhandenen Ressourcen zu bündeln.

Blicken wir abschließend auf das nächste Jahr: Was peilst Du für 2026 an?

Luka Herden: Auf nationaler Ebene sind die deutschen Meisterschaften wie in jedem Jahr ein großes Ziel. Ein zweiter Fokus liegt auf der Europameisterschaft. Vermutlich habe ich schon jetzt ausreichend Punkt gesammelt, um über das Ranking in Birmingham dabei zu sein zudem sollte auch die Bestätigungsnorm machbar sein. Wenn es mir gelingt, den angesprochenen Schritt zu gehen, hätte ich ein sehr gutes Fundament für Sprünge auf 8,10 m und weiter – die Karten für Birmingham wären damit gut.