DM-Bronze für Luka Herden und die 4×100 m-Staffel

05.08.2025 | Jeweils Bronze holten Weitspringer Luka Herden und die 4×100 m-Staffel bei der DM in Dresden. Weitere sieben Top 8 Platzierungen in allen Disziplingruppen untermauern Vielfalt auf hohem Niveau.

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Es ist Bronze! Hendrik Jürgens, Gabriel Wusu, Nils Hartleif und Jakob Bruns strahlen auf der Bahn und dem Podium.

Dass Leichtathletik in Münster gelebt werde, hatte Chefcoach Jörg Riethues vor der DM angesichts eines historisch vielfältigen Teams festgestellt. Vielfältig ist auch der Ertrag dreier intensiver Wettkampftage in Dresden: Zwei Bronze-Medaillen und sieben Top 8-Platzierungen verteilten sich auf alle Disziplingruppen. Dass dabei ein Großteil der zuletzt international erfolgreichen Protagonist:innen nicht mehr bzw. noch nicht wieder im Vollbesitz der Kräfte war, gab anderen Athletinnen und Athleten die Gelegenheit zu strahlen.

Bronze für 4×100 m-Staffel als Höhepunkt

Besonders hell strahlte die 4×100 m-Staffel mit Hendrik Jürgens, Jakob Bruns, Nils Hartleif und Gabriel Wusu: Das Quartett stürmte in 40,06 s zu Bronze. „Drei von uns hatten in der Saison mit Muskel-Verletzungen zu kämpfen und wir waren froh, überhaupt als Staffel am Start zu sein. Am Ende nehmen wir Edelmetall mit“, fasste Jakob Bruns den emotionalen Höhepunkt der DM zusammen. Für Hendrik Jürgens und Nils Hartleif hatte die erste Medaille bei einer Aktiven-DM besonderen Wert. Im Übrigen brachten sie, ebenso wie Jakob Bruns, ihre Gier auf die DM-Performance auch deshalb so intensiv auf die Bahn gebracht, da sie trotz klar unterbotener Norm an einem Einzel-Start vorbeigeschrammt waren.

„Drei von uns hatten in der Saison mit Muskel-Verletzungen zu kämpfen und wir waren froh, überhaupt als Staffel am Start zu sein. Am Ende nehmen wir Edelmetall mit.“ (Jakob Bruns)

Ohne ihren nominellen Frontläufer Jan-Eric Frehe kratzte die LG-Staffel an einer Sub 40-Zeit – Beleg gleichermaßen für die individuelle Klasse aller vier Staffelläufer wie auch für das Zusammenwirken als Quartett. Apropos: Die Staffel des Wattenscheider TV flog im Zeitlauf der LG Brillux zwar in rasanten 39,24 s durchs Ziel, hatte zuvor aber deutlich die letzte Wechselmarke überlaufen – die klassische Tücke schneller Staffeln, denen die Abstimmung als Team fehlt. Schneller unterwegs als die LG Brillux und dabei regelkonform, waren vor ausverkauften Rängen die LG Stadtwerke München (39,60 s) und der Hamburger SV (39,91 s).

Weiblicher 4×100 m-Staffel gelingt große Überraschung

„Wir hatten uns eine niedrige 46er Zeit vorgenommen. Dass es so deutlich unter 46 s geht, damit hatten wir nicht gerechnet.“ (Tabea Christ)

Einen großen Achtungserfolg erzielte die weibliche 4×100 m-Staffel (Laura Brandhofe, Natalie Pisoke, Maja Huesmann, Tabea Christ), die mit Platz sieben in 45,79 s alle überraschte – inklusive sich selbst. „Wir hatten uns eine niedrige 46er Zeit vorgenommen. Dass es so deutlich unter 46 s geht, damit hatten wir nicht gerechnet“, sagt Schlussläuferin Tabea Christ. Angereist war die Staffel mit einer Vorleistung von 46,41 s als Nummer 15 der Meldeliste – den Ranking-Wert halbierte das hervorragend harmonierende Quartett.

Medaille für erschöpften Luka Herden

Eine Bronze-Medaille baumelte am Hals von Luka Herden, doch strahlte das Gesicht des Weitspringers nur matt. „Ich habe keinen Sprung so richtig getroffen“, haderte der 25-Jährige, der mit 7,73 m das Nachsehen gegenüber seinem Dauer-Kontrahenten Simon Batz (MTG Mannheim / 8,01 m) sowie Kevin Brucha (Germania Überruhr / 7,79); Letzterer entriss Luka die Silber-Medaille im letzten Versuch. Dass der Wind den Springern mit bis zu drei Metern pro Sekunde ins Gesicht blies – in der filigranen Leichtathletik ein Sturm – wollte Herden nicht als Erklärung heranziehen.

„Bronze bei der Studierenden-WM war phantastisch, zugleich war ich vollkommen erschöpft, auch emotional.“ (Luka Herden)

Wohl aber gab er Einblicke in seinen Energiehaushalt unter dem Eindruck der World University Games: „Bronze bei der Studierenden-WM war phantastisch, zugleich war ich vollkommen erschöpft, auch emotional“, sagt Luka Herden und erinnert daran, dass sportlicher Erfolg mitunter auch seinen Preis hat. Im Hinblick auf die nach wie vor am Horizont lockende WM-Bestätigungsnorm (8,05 m) formulierte Luka Herden das Vorhaben, gemeinsam mit seinem Trainer Uli Knapp für die kommenden Wochen lohnende Meetings zu identifizieren.

Silas Zahlten besticht auf 5000 m

Erstaunlich frisch präsentierte sich auf den 5000 m Silas Zahlten. Der Hindernis-Spezialist durchbrach als Siebtplatzierter in 13:57,47 min eine bedeutende Schallmauer und war nah dran an den Großen der Zunft. „Ich fühlte mich das gesamte Rennen über sehr gut. Dass die Jungs auf der Schlussrunde brutale 53,8 s auspacken, zeigt zwar noch den Unterschied; aber ich bin mehr als zufrieden und gehe jetzt mit einem sehr guten Gefühl in die Saisonpause“, bilanzierte der 20-Jährige, der sich im Vergleich zur Meldeliste um sieben Plätze steigerte und auf den früheren Münsteraner Nils Voigt weniger als drei Sekunden verlor.

„Ich fühlte mich das gesamte Rennen über sehr gut. Dass die Jungs auf der Schlussrunde brutale 53,8 s auspacken, zeigt noch den Unterschied.“ (Silas Zahlten)

Abgesehen von den blanken Ziffern bestach Silas Zahlten mit seiner Präsenz in einem hochklassigen Feld um den neuen deutschen Rekordhalter Mohamed Abidlaahi (Cologne Athletics) sowie das international erfahrene Trio Maximilian Thorwirth, Florian Bremm und Sam Parsons – als Zuschauer hatte man den Eindruck, der junge Münsteraner laufe regelmäßig im Kreis der 5000 m-Ikonen, die mit ihren Bestzeiten unter den Top 10 der ewigen deutschen Bestenliste rangieren. Bei allen großen Meisterschaften des Jahres 2025 (U23-EM, U23-DM, Aktiven-DM) hat Silas Zahlten im Übrigen seine beste Leistung gezeigt.

Schulze Kalthoff überzeugt bei Doppelstart

Für das stärkste weibliche Resultat im Laufbereich sorgte Kerstin Schulze Kalthoff mit Platz sechs auf der 3000 m Hindernis-Distanz (10:06,10 min), hauchdünn über ihrer PB. Bemerkenswert: 48 Stunden zuvor hatte sie bereits die 5000 m in guten 16:09,51 min absolviert. Als einen Schlüssel zu ihrer Energieleistung benannte Kerstin das großartige Dresdner Publikum: „Die Stimmung am Sonntag war unvergesslich“, verwies sie auf die außergewöhnliche Atmosphäre. Dabei musste die 26-Jährige einen Sturz in den Wassergraben verkraften, ohne den sie der magischen 10 Minuten-Grenze zumindest sehr nah gekommen wäre.

Neben Kerstin Schulze Kalthoff überzeugte Christina Lehnen als Zehnte mit der zweitschnellsten Zeit ihrer Karriere (10:28,07 min). Anna Kamp (10:43,13 min) belegte Platz 12.

Top 5-Ergebnis für Tabea Christ und Pia Meßing

Das Maximum aus ihren Wettkämpfen holten Tabea Christ und Pia Meßing jeweils mit Platz fünf heraus. Weitspringerin Christ steigerte im Verlauf des Wettkampfes ihre Saisonbestleistung gleich zweimal, die Tagesbestweite (6,33 m) erzielte sie mit dem letzten Versuch. „Ich hatte leider mit dem Anlauf Probleme und musste drei Sprünge abbrechen. Trotzdem bin ich mit Platz fünf und einer Saisonbestleistung beim Saisonhöhepunkt zufrieden“, so das differenzierte Statement der 27-Jährigen, die ihren Wettkampf mit einem beständigen Lächeln auf dem Gesicht absolvierte und wie gewohnt ein Musterbeispiel für den leistungsförderlichen Einfluss eines positiven Mindsets war.

„Ich konnte zeigen, dass 53 Meter eine neue Marke sind, die ich möglicherweise auch im Mehrkampf stabil abrufen kann.“ (Pia Meßing)

Pia Meßing hat in diesem Jahr gelernt, sich an den Errungenschaften kleiner Fortschritte aufzurichten. Für die nominelle Mehrkämpferin, die aus vergangenen Jahren den mehr oder weniger vollkommenen Erfolg gewohnt ist, ist das keine einfache Challenge. In Dresden forderte die 19-Jährige die Speerwurfspezialistinnen und machte dabei eine sehr gute Figur: Mit 53,18 m kratzte sie an ihrer PB und schnupperte an den Medaillen. „Ich konnte zeigen, dass 53 Meter eine neue Marke sind, die ich möglicherweise auch im Mehrkampf stabil abrufen kann – das Ergebnis ist also von doppeltem Wert“, so Pia Meßing, die darauf hofft, 2026 wieder als Siebenkämpferin angreifen zu können.

Jule Glaßer nervenstark, Marco Sietmann spurtet zu Platz 8

Nervenstark meisterte Stabhochspringerin Jule Glaßer jeweils im dritten Versuch zunächst die 3,90 m und dann die 4,00 m – im übersichtlichen Feld reichte das für einen guten sechsten Platz. „Technisch waren die Sprünge leider unsauber und spiegeln nicht wider, woran wir im Training gearbeitet haben. Ich bin aber ganz happy, dass ich damit noch 4 m gesprungen bin“, arbeitete Jule Licht und Schatten ihres Wettkampfes heraus.

Entschlossen präsentierte sich Mittelstreckler Marco Sietmann im Kräftemessen mit der 1500 m-Konkurrenz um den überragenden Branchen-Primus Robert Farken (Moto Golis-Nord Leipzig). Als die Konkurrenz das Tempo eines 1000 m lang verbummelten Rennen anzog und Robert Farken letztlich zu einem fulminanten langen Spurt ansetzte, nahm Sietmann die brachiale Dynamik an. Alles warf der 22-Jährige in sein Finish, Platz acht mit engem Kontakt zur Top in 3:50,02 min konnten sich sehen lassen. „Vor so vielen Menschen laufen zu dürfen ist eine Erfahrung, die einem den Leistungssport mit allen Höhen und Tiefen doch immer wieder schmackhaft macht“, freute sich Marco Sietmann über sein Rennen vor großer Kulisse.

„Vor so vielen Menschen laufen zu dürfen ist eine Erfahrung, die einem den Leistungssport mit allen Höhen und Tiefen doch immer wieder schmackhaft macht.“ (Marco Sietmann)

Stichworte große Kulisse: Für 400 m-Sprinter Benjamin Gebhardt war der DM-Start das bisher größte und eindrucksvollste Event seiner Karriere. Und Gebhardt lieferte: In 47,89 s knackte der 23-Jährige erstmals in seiner Karriere die 48 s-Marke. Im Verlauf der Saison 2025 hat Benjamin seine PB damit um mehr als eine Sekunde gesteigert.

Frehe verliert Wettlauf gegen die Zeit

Der im Vorfeld der DM an Covid erkrankte Sprinter Jan-Eric Frehe verlor den Wettkampf gegen die Zeit: Zwar warf er alles in die 100 und 200 m-Vorläufe, jedoch kämpfte er gegen die womöglich stärkste deutsche Sprint-Riege aller Zeiten auf verlorenem Posten. „Der Tank war noch leer“, gab der 22-Jährige zu Protokoll. 10,55 s auf den 100 m und 21,18 s auf den 200 m gingen in die Ergebnislisten ein. Dass sich Frehe am Sonntag auch den 200 m stellte, obwohl er spätestens seit dem Vortag um seinen begrenzten Spielraum wusste, war aller Ehren wert und zeigt die vorbildliche Einstellung eines Klasse-Athleten.

„Der Tank war noch leer.“ (Jan-Eric Frehe)

Auf Reserve-Tank liefen die Heldinnen der U23-EM bzw. der World University Games, Pia Schlattmann und Nele Heymann, über die 1500 m immerhin ins Finale. Hier reichten weder die Kraft noch der auf lange Bahnrennen konditionierte Schritt, um im harten Spurt zu bestehen. Nach den Plätzen 11 (Pia / 4:30,91 min) und 12 (Nele / 4:31,85 min) wartet jetzt die dringend benötigte Pause. Viola John, EM-Bronzemedaillengewinnerin mit der Staffel, konnte sich nur mit gutem Zureden zu ihrem 100 m-Halbfinale durchringen; bei 3,0 m/s Gegenwind lief sie hier gegen eine Wand und in 11,72 s deutlich am Finale vorbei.

U20: Junge 3 x 800 m-Staffel läuft auf Rang sechs

In die Aktiven-DM eingebettet waren wie gewohnt die Langstaffeln der U20. Mareen Jasper, Mia Bonekamp und Evi Lenz überzeugten auf den 3 x 800 m und seigerten ihre Vorleistung deutlich auf 7:05,21 min. Das junge Trio, das nominell in Gänze der U18 angehört, belegte damit einen guten sechsten Platz. Für die kommenden Jahre sind die Perspektiven ausgezeichnet.