Silas Zahlten und Aslan Güleryüz holen DM-Gold

10.07.2025 | Fünf Medaillen, darunter zwei deutsche Meistertitel holte die LG bei der U23/U16-DM in Ulm. Im finalen Entscheid um die EM-Tickets setzten sich Silas Zahlten, Jan-Eric Freh, Viola John und Pia Schlattmann durch.

Sponsor

Der entscheidende Moment: Silas Zahlten tritt nach der letzten Überquerung des Wassergrabens an. © BEAUTIFUL SPORTS/B. Hoffmann

Strahlende Siege, bittere Enttäuschungen und glückliche Auflösungen hielt die U23/U16-DM für die Athletinnen und Athleten der LG Brillux bereit. Insgesamt fünf Medaillen holte das Team im Ulmer Donaustadion: Gold bejubelten Silas Zahlten (3000 m Hindernis) und Aslan Güleryüz (M15 / 3000 m), Silber Pia Meßing (Speerwurf), Bronze Viola John (100 m) und Liam Morton (M15 / 1500 m Hindernis). Für Zahlten und John mündete die Medaille gleichsam in die Nominierung für die U23-EM in Bergen. Erleichtert vermeldete auch Jan-Eric Frehe das doppelte EM-Ticket, obgleich er – leicht angeschlagen – nicht in die Sprint-Entscheidungen eingreifen konnte. Pia Schlattmann verpasste in einem schnellen Meisterschaftsrennen als Vierte die erhoffte 5000 m-Medaille, wurde mit Blick auf ihre bisher starken Rennen dennoch für Bergen nominiert – Nele Heymann blieb das trotz überzeugendem Doppelstart (5000 m: Platz fünf / 15000 m: Platz vier) verwehrt.

„Ich bin mit der Bilanz sehr zufrieden. Fünf Medaillen, weitere Top 8-Platzierungen und vier für die EM nominierte Athlet:innen sind eine gute Ausbeute.“ (Jörg Riethues)

Chefcoach Jörg Riethues zog eine positive Gesambilanz: „Ich bin mit der Bilanz sehr zufrieden. Fünf Medaillen, weitere Top 8-Platzierungen und vier für die EM nominierte Athlet:innen sind eine gute Ausbeute.“ Gleichzeitig verhehlte er nicht, dass er auf eine Medaille mehr gehofft hatte: „Bei elf Top 3-Meldungen war das unser eigentliches Ziel.“

3000 m Hindernis: Silas Zahlten bezwingt den hohen Favoriten

Unbestrittenes Highlight in Ulm war aus Sicht der LG Brillux das Rennen von Silas Zahlten. Im Duell mit dem favorisierten Robin Müller (LAC Topteam Thüringen), der mit einer PB von 8:26,72 min (Nr. 2 der europäischen U23-Bestenliste) ins Rennen ging, gelang Zahlten die buchstäbliche Meisterleistung: Der 20-Jährige blieb dem Thüringer stets auf den Fersen, schob sich dann beim Anlaufen auf den letzten Wassergraben neben ihn und eröffnete mit kraftvoller Hindernis-Überquerung den Sturm ins Ziel – während Silas Zahlten mit nach oben gereckten Armen einlief, ging Robin Müller hinterm Zielstrich ausgepumpt und konsterniert zu Boden.

„Silas hat eine Galavorstellung gezeigt. Einen 8:26 min-Mann mit so einer großen läuferischen Bandbreite in dieser Form abzukochen, ist schon bemerkenswert.“ (Jörg Riethues)

„Silas hat eine Galavorstellung gezeigt. Robin Müller läuft die Hindernisse in 8:26 min und hat insgesamt eine große läuferische Bandbreite – so einen Mann in dieser Form abzukochen, ist schon bemerkenswert“, geriet auch Trainer Jörg Riethues ins Schwärmen. Dank des pfeilschnellen Schlusskilometers (2:40 min) stellte Silas Zahlten in 8:41,36 min sogar eine persönliche Bestzeit auf. Das Ticket für die U23-EM war damit besiegelt.

Jan-Eric Frehe mit weinendem und lachendem Auge

Sinnbild für die gemischten Gefühle bei den Sprintern war Jan-Eric Frehe. Zu gerne hätte der Meisterschafts-Spezialist auf beiden Sprintstrecken in die Medaillen-Vergabe eingegriffen und wirkte beim souveränen 100 m-Vorlauf-Sieg (10,42 s) bestens gerüstet. Danach wendeten sich die Geschicke gegen ihn: Unmittelbar vor dem Finale ereilte Frehe beim Probestart ein Krampf, den er in der Kürze der verbleibenden Zeit nicht lösen konnte – Bahn vier blieb leer und der 22-Jährige musste als Zuschauer mitansehen, wie Heiko Gussmann (10,19 s), Emilio Gonzales (10,29 s) und Chidiera Onuoha (10,35 s) Gold, Silber und Bronze holten. Auch auf die 200 m sowie die 4×100 m-Staffel verzichtete er am Folgetag.

„Der DLV hat mir zum Verzicht geraten, damit ich im Hinblick auf die EM kein Risiko eingehe. Denn Gott sei Dank wurde ich für Bergen nominiert.“ (Jan-Eric Frehe)

„Der DLV hat mir dazu geraten, damit ich im Hinblick auf die EM kein Risiko eingehe. Denn Gott sei Dank wurde ich für Bergen nominiert – im Einzel ebenso wie mit der Staffel“, erklärt Frehe und fasst damit gleichsam die strahlende Seite des Ulm-Wochenendes in Worte. Bei der U23-EM in Bergen wird Jan-Eric Frehe gemeinsam mit Heiko Gussmann (Sprintteam Wetzlar) und Emilio Gonzales (LT DSHS Köln) im Einzel erstmals in seiner Karriere die deutschen Farben bei einer großen internationalen Meisterschaft vertreten, auch in der favorisierten Staffel ist er eine feste Größe.

Viola John holt 100 m-Bronze und behauptet sich im Rennen und Bergen

Begleitet wird er von Disziplin-Kameradin Viola John, die ihrerseits für die 100 m und die 4×100 m-Staffel nominiert wurde. In Ulm behielt sie auf den 100 m in einer Art Ausscheidungs-Rennen die Oberhand gegenüber weiteren Mit-Bewerberinnen und sicherte sich überdies souverän die Bronze-Medaille (11,46 s). Ähnlich wie Jan-Eric Frehe entschied sich auch Viola John in Rücksprache mit den Bundestrainern für einen 200 m-Verzicht. Bei der U23-Europameisterschaft wird Viola John insbesondere den Fokus auf die DLV-Sprintstaffel richten, die bei der Medaillenvergabe mitreden möchte.

Pia Meßing mit Speer-Bestleistung zur Silber-Medaille

Zu den großen Siegerinnen des Wochenendes zählte Pia Meßing, wobei die motivational-moralische Komponente die Silber-Medaille noch überstrahlte. Die Siebenkämpferin bot mit dem Speer den Spezialistinnen einen Wettkampf auf Augenhöhe und setzte sich mit einem gewaltigen ersten Wurf (53,30 m) an die Spitze der Konkurrenz – nie zuvor hat Pia Meßing weiter geworfen. Zwar konterte Favoritin Mirja Lukas (Bayer Leverkusen) in Durchgang drei erfolgreich (57,85 m), jedoch behauptete Pia ihren Silber-Platz und verpasst die Norm für Bergen um lediglich 1,70 m. Elf Monate nach der Knochenmarks-Ödem-Diagnose im rechten Sprungbein und einer beschwerlichen Rekonvalenszenz ist die 20-Jährige damit zurück in der deutschen Spitze – zumindest als Werferin.

Pia Schlattmann und Nele Heymann mit gemischter Gefühlslage

Gerne hätte Pia Schlattmann in Ulm die nächste Einzel-Medaille geholt. Beim Tempo-Diktat von Kira Weis (KSG Gerlingen) lief sie lange in der starken Viererspitze, musste in der rennentscheidenden Phase dann aber reißen lassen – Platz vier in 16:02,44 min ging in die Ergebnislisten ein. Nele Heymann, die dem hohen Tempo nach 3200 m nicht mehr folgen konnte, bestätigte in 16:05,94 min ihren fünften Meldeplatz. Heymann zeigte sich an den Folgetagen gut erholt von ihrem Rennen und legte in zwei taktischen 1500 m-Läufen einen sehr guten vierten Platz nach (4:38,73 min).

„Ich bin sehr zufrieden mit meinen Platzierungen. Zwar haben mir auf den 1500 m die Körner im Spurt gefehlt, aber insgesamt waren das drei sehr gute Rennen.“ (Nele Heymann)

Die EM-Nominierung kehrte die Gefühlslage dann um: Während Pia Schlattmann ihr wohlverdientes Ticket für Bergen auf der 5000 m-Distanz verbuchte (der DLV nominierte Kira Weis auf den 10.000 m), ging Nele Heymann leer aus; dass sie dabei den Kürzeren gegenüber Jette Beermann (LG Wedel-Pinneberg) zog, verwunderte dann doch, immerhin hatte sie diese in Ulm um fast 20 Sekunden distanziert und auch auf den 1500 m in die Schranken gewiesen. Vorwerfen konnte sich Nele Heymann folglich nichts und konzentrierte sich in der Einschätzung des Wochenendes auf ihre DM-Ergebnisse: „Ich bin sehr zufrieden mit meinen Platzierungen. Zwar haben mir auf den 1500 m die Körner im Spurt gefehlt, aber insgesamt waren das drei sehr gute Rennen.“ Für Bergen hat Nele Heymann jetzt auf beiden langen Bahnstrecken den Status der Ersatzläuferin.

Aslan Güleryüz holt 3000 m-Gold, Liam Morton Hindernis-Bronze

In der U16 lieferten die Medaillen-Aspiranten Aslan Güleryüz und Liam Morton quasi wie auf Bestellung, zumindest fast. Auf der 3000 m-Distanz demontierte Aslan Güleryüz bereits auf dem ersten Kilometer das Feld und wurde seiner hohen Favoritenrolle gerecht – in 9:16,59 min war er der Konkurrenz klar voraus und holte bei seiner Premiere-DM sogleich die Gold-Medaille. „Das war sehr eindrucksvoll“, kommentierte Jörg Riethues, der am Folgetag ein spannendes 1500 m-Hindernis-Rennen beobachtete, in dem mit Aslan Güleryüz und Liam Morton zwei LG-Läufer zu den Protagonisten zählten.

„Die 3000 m von Aslan waren sehr eindrucksvoll. Über die Hindernisse waren Aslans technischen Defizite offensichtlich, aber er hat sich mit Liam über dessen Medaille gefreut.“ .“ (Jan-Eric Frehe)

In der entscheidenden Rennphase war es der frischere Morton, der sich 450 m vor dem Ziel sogar an die Spitze des Feldes setzte, mutig antrat und zunächst eine kleine Lücke risse. „Der Antritt kam wohl etwas zu früh, zudem hatte Liam am Hindernis eingangs der letzten Gegengeraden einen erheblichen Wackler“, so Jörg Riethues. Im äußerst engen Finish um Silber und Bronze verpasste Liam Morton (4:31,76 min) um sechs Tausendstel Silber und behauptete sich zugleich um zwei Zehntel gegenüber Aslan Güleryüz – Letzterer ging leer aus, mit großem Sportsgeist freute er sich dessen ungeachtet mit Liam Morton über Bronze.

Vierte Plätze für Christina Lehnen und Elsa Rausmann

Hinter den Spitzen-Resultaten sorgten Christina Lehnen (3000 m Hindernis / 10:47,78 min) und Stabhochsprung-Talent Elsa Rausmann mit ausgezeichneter DM-Premiere (3,40 m / PB) jeweils mit Platz vier für starke Resultate. Ebenso überraschend wie erfreulich war der Finaleinzug von 400 m-Läuferin Natalie Pisoke, die im Vorlauf erstmals die 56 s unterbot (55,96 s) und letztlich Platz acht erzielte. Auch U20-Athlet Nils Bovekamp (100 m / 10,74 s) überzeugte mit neuer PB. Enttäuscht verließ Stabhochspringerin Jule Glaßer auf Rang acht (3,80 m) das Donaustadion – an einem guten Tag wäre eine Medaille möglich gewesen.

Deutlich mehr ausgerechnet hatten sich die 4×100 m-Staffeln der U23: Während die Männer-Staffel nach dem Verzicht von Jan-Eric Frehe „platzte“, brachten die Frauen den Stab nicht ins Ziel. Demgegenüber gefiel die junge 4×100 m-Staffel der weiblichen U16: Johanna Hoffeins, Eva Deitmaring, Ella Vey und Lisa Charlotte Fallenberg steigerten sich bei ihrer ersten deutschen Meisterschaft auf 50,87 s.