Langstrecken-DM: Schlattman und Albustin im engsten Favoriten-Kreis

01.05.2026 | Bei der Langstrecken-DM in Celle zählt Pia Schlattmann (10.000 m) in der U23-Konkurrenz zum engsten Kreis der Gold-Favoritinnen. In der U20 peilt auch Jonathan Albustin (5000 m) eine Medaille an.

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Pia Schlattmann läuft bei der Langstrecken-DM um 10.000 m-Gold.

Die deutsche Meisterschaft der Langstrecken und Langstaffeln im niedersächsischen Celle eröffnet die nationale Freiluftsaison. Auf den 10.000 m vertritt das Trio Pia Schlattmann/Nele Heymann/Leonie Kruse die LG Brillux in der U23- bzw. der Aktiven-Klasse, im U20-Bereich greift Jonathan Albustin auf den 5000 m an. Auch Mareen Jasper und Mia Bonekamp sind in der weiblichen U20 (5000 m) am Start. Zwei männliche 3×1000 m-Staffeln vertreten die Farben der LG Brillux bei den Langstaffeln.

Pia Schlattmann nach Südafrika-Trainingslager in Form

Zum engsten Kreis der Favoritinnen zählt in der weiblichen U23 Pia Schlatmann. Im zweiten Jahr ihrer Entwicklung von einer 1500 m-Spezialistin zur kompletten Läuferin mit Tendenz zu den langen Distanzen ist Pia weiter gereift und geht hervorragend vorbereitet in den ersten großen Saisonhöhepunkt. „Ich konnte in Südafrika wieder einmal ein sehr gutes Trainingslager absolvieren. Danach war ich noch in Leipzig zur Diagnostik und auch die Werte deuten auf einen guten Reiz hin. Unabhängig davon fühle ich mich fit und bereit für ein schnelles 10.000m Rennen am Samstag“, so Pia Schlattmann.

„Ich will um den Titel in der U23 kämpfen. Gleichzeitig steht aber auch die potentielle Nominierung für den 10.000 m-Europacup im Raum.“ (Pia Schlattmann)

Das fast schon traditionelle Frühjahrs-Trainingslager in Dullstroom (Südafrika) bildete den wichtigsten Baustein in der ohnehin langen, zielgerichteten Freiluft-Vorbereitung. Viele Grundlagenkilometer, aber auch intensive Reize hat die 21-Jährige in der Höhe absolviert, Celle war dabei beständig im Hinterkopf. „Die Langstrecken-DM war auch deshalb der erste große Fixpunkt meiner Vorbereitung, weil sich mein Fokus im Gegensatz zum letzten Jahr mehr in Richtung der 10.000 m verschoben hat“, erläutert die von Robert Welp trainierte Athletin ihre Saison-Ausrichtung.

Medaille als eines von drei Zielen  

Die Zielstellung für das Rennen am Samstagnachmittag ist komplex: Nicht nur möchte Pia Schlattmann eine Medaille in der U23 holen. Auch die Norm für den Europacup ebenso wie für den Bundeskader hat sie vor Augen. „Ich will um den Titel in der U23 kämpfen, mit Carolina Schäfer und Kira Weis habe zwei starke Konkurrentinnen.  Gleichzeitig steht aber auch die potentielle Nominierung für den 10.000 m-Europacup im Raum“, steckt Pia Schlattmann die Ausgangslage ab.

Mit Kira Weis (KSG Gerlingen / 32:36,52 min) und Carolina Schäfer (TG Schwalbach / 33:04,43 min) trifft Pia Schlattmann auf die Silber- und Bronzemedaillen-Gewinnerin der U23-EM des Vorjahres, wobei die Münsteranerin mit ihren pfeilschnellen 10 km auf der Straße (32:37 min) bereits ihre deutlich verbesserten Langstrecken-Kapazitäten im Jahr 2026 unter Beweis gestellt hat. Die Nominierung für den 10.000 m-Europacup setzt einen Platz unter den ersten zwei U23-Läuferinnen mit einer Zeit < 33:00,00 min voraus. Letztlich wäre da noch die Bundeskader-Norm (PK), die bei 32:30,00 min liegt und im Hinblick auf mittel- bzw. langfristige Ziele sehr wichtig ist.

Äußerst starkes Frauenfeld jagt Tickets für Birmingham

Während das U23-Feld mit nur acht Athletinnen übersichtlich, wenn auch in der Spitze äußerst stark ist, können die Läuferinnen auch bei den Aktiven eine gute Rolle spielen und Teil der Renndynamik des größer gefassten Feldes sein. Dieses ist gespickt mit Top-Athletinnen: Lisa Merkel (Stadtwerke Tübingen), Domenika Mayer (Telis Finanz Regensburg), Elena Burkard (Farbtex Nordschwalwald) und Blanka Dörfel (Berlin Athletics Capital) reisen jeweils mit Meldezeiten von unter 32:00 min und damit unter der EM-Norm für Birmingham an. Man darf gespannt sein, wie sich die U23-Spitze im Vergleich zur Aktiven-Spitze verkauft; Pia Schlattmann hat indes bereits auf der Straße unter Beweis gestellt, dass sie auch bei den Aktiven mithalten kann.

Nele Heymann im ersten Aktiven-Jahr gefordert

In einem herausfordernden Übergangsjahr von der U23 zu den Aktiven befindet sich Nele Heymann. Die Viertplatzierte der U23-EM von Bergen geht mit der Bergener Zeit (33:27,48) ins Rennen. Ebenso wie Pia Schlattmann hat sie in Dullstroom auf die deutsche Meisterschaft hingearbeitet, weiß aber um die Herkules-Aufgabe im Aktiven-Feld: „Ich bin fit zurückgekommen und freue mich auf die DM, habe aber keine großen Erwartungen an eine Platzierung, da der Konkurrenzkreis nochmal erweitert wurde. Ich möchte für mich ein gutes Rennen machen“, taxiert Nele Heymann ihre Möglichkeiten realistisch.

„Ich bin fit zurückgekommen und freue mich auf die DM, habe aber keine großen Erwartungen an eine Platzierung, da der Konkurrenzkreis nochmal erweitert wurde.“ (Nele Heymann)

Die dritte 10.000 m-Läuferin wird in Celle Leonie Kruse sein, die in der U23 zuletzt eine starke DM-Serie verzeichnen konnte: Im Crosslauf (Platz sechs) und auf der Straße (Platz 4 / 35:17 min) präsentierte sie sich in bestechender Form. Wenn Leonie diese auch auf die Bahn bringt und, kann sie in Celle in die Top fünf laufen. Erfahrungen auf der längsten Bahn-Distanz fehlen der 22-Jährigen allerdings noch.

Jonathan Albustin in der U20 auf Medaillenjagd

Auf der halben Distanz ist Jonathan Albustin in der U20 gefragt. Jonathan hat nach DM-Bronze in der Halle Blut geleckt und möchte als U18-Athlet auch auf der Bahn in die U20-Phalanx eindringen. „Die Form müsste relativ gut sein. Da das Teilnehmerfeld ähnlich zu dem der Hallen-DM von Sindelfingen ist, hoffe ich auch jetzt wieder auf eine Medaille“, formuliert der 16-Jährige eine mutige Zielstellung. Die U20-Konkurrenz um den favorisierten Benjamin Klonowski (TuS Lichterfelde) und den Berliner Jannis Grundwald wird den jungen Münsteraner fraglos auf dem Zettel haben, ebenso wie das zweite U18-Ass Maximilian Rath (LG Stadtwerke München).

„Da das Teilnehmerfeld ähnlich zu dem der Hallen-DM von Sindelfingen ist, hoffe ich auch jetzt wieder auf eine Medaille.“ (Jonathan Albustin)

Angesichts des ersten Freiluft-Saisonrennens geht es für den Schützling von Jörg Rithues indes auch und vor allem um eine Standortbestimmung. Das große Ziel für das Jahr 2026 ist ein internationales: ein Start bei der U18-EM in Rieti. Mit seinen begeisternden Auftritten in der Halle und zuletzt auf der Straße hat Jonathan seine Anlagen unter Beweis gestellt, die U20-DM in Celle kann er ohne Druck auf sich zukommen lassen und wahlweise seine Tempohärte und/oder sein taktisches Geschick in einem hochklassigen Feld schulen.

Weibliche U20: Mareen Jasper und Mia Bonekamp in dichtem Feld

In der weiblichen U20 reisen Mareen Jasper und Mia Bonekamp mit ihren Straßen-Bestzeiten (17:32 min / 17:39 min) aus dem vergangenen Herbst an. Eine Prognose fällt im dicht gestaffelten Mittelfeld schwer. Mareen Jasper stellt sich als U18-Athletin dem Kräftemessen mit der älteren Konkurrenz, wobei sie seit ihrem überraschenden Triumph bei der 10 km-DM von Uelzen in der Hierarchie sowie der Aufmerksamkeit emporgestiegen ist.

Ganz vorne dürfte die Fahrt schnell werden, denn mit Julia Ehrle (Farbtex Nordschwarzwald) wird die Bronze-Medaillengewinnerin der U20-EM von Tampere nichts dem Zufall überlassen. Das spricht für ein insgesamt schnelles Rennen, in dem die beiden Brillux-Läuferinnen ihre Bestzeiten steigern könnten.

Zwei 3×1000 m-Staffeln in Celle am Start

Auf Nummer zwölf der Meldeliste rangiert die 3×1000 m-Staffel der Männer, für die Marco Sietmann, Luis Heymann, Jens Kassebeer und Jari Bender nominiert sind. Die Vorjahres-Zeit, zugleich Meldezeit (7:41,54 min), dürfte die LG-Staffel deutlich nach unten korrigieren. In der U23 sind Eugene Koch, Dominik Reker, Linus Anneken und Samuel Albustin für die letztlich drei Staffel-Plätze nominiert. Als Nummer sieben der Meldeliste müssen sie sich nicht verstecken.