Jonathan Albustin nimmt Kurs auf Rieti

28.05.2026 | Mit einem begeisternden 3000 m-Rennen (8:15,78 min) hat Jonathan Albustin die Weichen für die U18-EM in Rieti gestellt. Der 16-Jährige reiht Rekord an Rekord.

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Maximilian Rath (LG Stadtwerke München / links) und Jonathan Albustin pushen sich in der U18 zu Höchstleistungen.

Das Jahr 2026 ist für Jonathan Albustin bisher eines der Superlative: Jonathan hat als U18-Athlet zwei Bronze-Medaillen bei deutschen U20-Meisterschaften gewonnen (3000 m Halle, 5000 m), in seiner eigenen Altersklasse wurde er deutscher Meister auf der 10 km-Straßen-Distanz. Die U18-Westfalenrekorde hat der Nottulner mitunter pulverisiert, auch jahrzehntelang bestehende Marken waren nicht sicher vor dem hochveranlagten 16-Jährigen, der seit seinem Wechsel zu Coach Jörg Riethues zu einem der dominierenden deutschen Nachwuchsläufer aufgestiegen ist.

Sein jüngstes Meisterstück gelang Jonathan vor gut zehn Tage in Pliezhausen: In 8:15,78 stürmte er mit neuem FLVW-Rekord zur Norm für die U18-Europameisterschaft in Rieti. Erst drei europäische Kontrahenten waren in der noch jungen Freiluftsaison schneller – darunter der Münchner Maximilian Rath, der in Pliezhausen annähernd exakt eine Sekunde vor Albustin blieb (8:14,75 min). Rath und Albustin bilden in der U18 ein Duo, das sich auf einer kompetitiven und stets respektvollen Ebene wechselseitig anspornt und aneinander wächst. In der Halle und auf der Bahn haben sie der bis zu zwei Jahre älteren U20-Konkurrenz jeweils zwei Medaillen stibitzt.

Eine starke Gruppe sorgt in Pliezhausen zunächst für gleichmäßig schnelle Fahrt.

Maximilian Rath eröffnet die entscheidende Rennphase, Jonathan Albustin ist an seinen Fersen.

Mit 61er-Schlussrunde in die Geschichtsbücher

Mit dem Husarenritt von Pliezhausen, bei dem das Top-Talent der LG Brillux die Schlussrunde in 61 Sekunden zurücklegte, scheinen die Weichen für eine Teilnahme an den kontinentalen Meisterschaften nahezu sicher gestellt. Das sieht auch Jonathan Albustin selbst so, obgleich er keinem seiner Kontrahenten vorgreifen möchte: „Es ist super, so früh in der Saison die Norm geschafft zu haben. Es bleibt abzuwarten, wer sie von meinen Konkurrenten noch schafft – aber es deutet sich eigentlich nicht an, dass ein Dritter Richtung 8:15 min laufen kann.“ Der DLV wird lediglich zwei Athleten mit nach Rieti nehmen.

In der Tat klafft hinter dem überragenden U18-Duo eine große Lücke von 16 Sekunden. Wirklich überraschend ist das nicht, wenn man bedenkt, dass etwa in der Geschichte Westfalens ausnahmslos alle Athleten an der hohen Norm-Anforderung (8:24,00 min) deutlich gescheitert wären – sogar der ehemalige Halter des U18-Westfalenrekords, Stefan Koch (TB Burgsteinfurt), der vor 25 Jahren 8:32,39 min lief.

„Auf den 5000 von Celle ist Jonathan den Schlusskilometer in 2:36/37 min gelaufen, in Pliezhausen die Schlussrunde in 61 s.“ (Jörg Riethues)

Überraschend ist indes die scheinbare Selbstverständlichkeit, mit der Albustin die Grenzen beständig nach oben verschiebt. Unter dem Eindruck der erfolgreichen Hallensaison hatte Trainer Jörg Riethues das Saisonziel Rieti zwar erstmals als realistische Größe ausgegeben, ohne dabei mit einem derartigen Durchmarsch gerechnet zu haben. Speziell die Closings der bisherigen Bahn-Rennen bringen den erfahrenen Coach ins Schwärmen: „Auf den 5000 von Celle ist Jonathan den Schlusskilometer in 2:36/37 min gelaufen, in Pliezhausen die Schlussrunde in 61 s – das sind Werte, die für einen 16-Jährigen sehr sehr stark sind.“

Das U18-Treppchen von Pliezhausen.

Chance auf zweite EM-Norm in Karlsruhe

Sein nächstes Rennen wird Jonathan am kommenden Samstag bei der Langen Laufnacht in Karlsruhe absolvieren. Auf der 1500 m-Distanz trifft er auf die starken Mittelstreckler Dominik Wiedenmann (VfL Sindelfingen) und Fiete Timm (LC Paderborn), die unlängst in Brüssel die Norm für Rieti (3:54,50 min) unterboten haben.

Wie stehen die Chancen für Jonathan Albustin, seinerseits eine weitere EM-Option zu generieren? „Wenn das Rennen einigermaßen rhythmisch wird, könnte die 1500 m-Norm fallen“, taxiert Jörg Riethues die Chancen seines Schützlings, der aus der Halle eine PB von 3:57,08 min mitbringt.

Man darf gespannt sein auf den Unterdistanz-Auftritt von Jonathan Albustin. Immerhin wird er nicht den Westfalen-Rekord des Münsteraners Jan-Niklas Sielemann aus dem Jahr 2007 (3:50,37 min) brechen müssen, um sein Blatt für die U18-EM zu erweitern.