Aktiven-DM: Vielfalt ist Trumpf, Herden vor Zentimeter-Krimi entspannt

31.07.2025 | Mit dem vielfältigsten Team der Geschichte reist die LG Brillux zur Aktiven-DM. 14 Einzel-Starter:innen und drei Staffeln treten in Dresden an. Die besten Medaillen-Chancen hat Luka Herden.

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2024 holte Luka Herden in Braunschweig DM-Silber. © Ben Duwenbeck

Mit dem größten und vielfältigsten DM-Team der Geschichte reist die LG Brillux nach Dresden: 14 Athletinnen und Athleten treten in den Einzelkonkurrenzen im Kurz- und Langsprint, auf den Mittelstrecken, im horizontalen und vertikalen Sprung-Segment sowie im Wurfbereich an, zwei 4×100 m-Staffeln runden die volle Bandbreite der Leichtathletik ab. „Nie zuvor waren wir in dieser Vielfalt bei einer Aktiven-DM vertreten – Leichtathletik in Münster wird gelebt“, kommentiert Chefcoach Jörg Riethues die Aufstellung.

„Nie zuvor waren wir in dieser Vielfalt bei einer Aktiven-DM vertreten – Leichtathletik in Münster wird gelebt.“ (Jörg Riethues)

Luka Herden greift entspannt nach Edelmetall

Die besten Chancen auf Edelmetall hat Weitspringer Luka Herden, der unlängst die Bronzemedaille bei den World University Games holte und dabei auch seinen nationalen Kontrahenten Simon Batz bezwang. In Dresden ist Hochspannung garantiert, das Spitzentrio, zu dem neben Luka Herden und Simon Batz (MTG Mannheim) auch Simon Plitzko (TSG Bergedorf) zählt, trennt in der Vorleistung nur ein Zentimeter.

„Ich gehe ohne Weiten- oder Platzierungsvorgabe in den Wettkampf. Ich möchte technisch sauber springen und setze auf Lockerheit.“ (Luka Herden)

Luka Herden ist dabei nicht in der Bringschuld und vermeldet entspannt: „Ich gehe ohne Weiten- oder Platzierungsvorgabe in den Wettkampf. Ich möchte technisch sauber springen und setze auf Lockerheit.“ Da der 25-Jährige fraglos ein zielstrebiger Mensch ist, gehört auch das zur Vorschau: Dresden kann an einem guten Tag zum Sprungbrett für die WM in Tokyo werden – dafür muss Herden mindestens 8,05 m auspacken und satte Platzierungspunkte fürs World Ranking sammeln. Da seine Saisonbestleistung bei 8,01 m steht und er bei der Universiade trotz Gegenwinds 7,96 m in die Grube brachte, ist ihm die WM-Bestätigungsnorm des DLV zuzutrauen.

Lauf: Schlattmann, Heymann und Zahlten mit Ausflügen auf Nebenstrecken

Pia Schlattmann, Nele Heymann und Silas Zahlten nutzen die DM nach ihren starken internationalen Auftritten für Ausflüge auf Nebenstrecken: Schlattmann und Heymann wollen über die 1500 m ins Finale, Hindernis-Spezialist Silas Zahlten hat auf den 5000 m eine Schallmauer im Visier: „Bei einem einigermaßen rhythmischen Rennen ist eine Zeit unter 14 Minuten das Ziel“, so Zahlten, der mit einer PB von 14:06,12 anreist. Teil des Feldes ist der Kölner Mohamed Abdilaahi, der vor zwei Wochen den deutschen Rekord von Dieter Baumann auf 12:53,63 min steigerte. Auch dahinter tummeln sich bekannte Namen, sodass für Silas Zahlten auf der Platzierungsebene ein Sprung in die Top 10 ein Erfolg wäre – Priorität hat die Platzierung allerdings nicht.

„Bei einem einigermaßen rhythmischen Rennen ist eine Zeit unter 14 Minuten das Ziel.“ (Silas Zahlten)

Pia Schlattmann hat, ebenso wie Nele Heymann, zahlreiche längere Bahnrennen in den Beinen – zuletzt absolvierte sie drei 5000 m-Rennen innerhalb von sieben Tagen. Wie stehen die Chancen der Viertplatzierten der U23-EM bzw. Fünfplatzierten der World University Games auf einer Strecke, die bei Meisterschaften den finalen Kick erfordert? „Bisher fühle ich mich ganz gut, trainiere diese Woche ruhig und hoffe, dass ich dann mit relativ frischen Beinen an den Start gehe“, zeigt sich Pia optimistisch. Die identische Hoffnung dürfte Nele Heymann umtreiben, die mit ihrer Vorleistung von 4:17,35 min nominell sogar noch einen Tick stärker als Pia Schlattmann positioniert ist. Unabhängig von jedweder Papierform darf man gespannt sein, mit welchen Rennverlauf die Favoritinnen um Nele Weßel (Waldstraße Wiesbaden) und Jolanda Kallabis (1844 Freiburg) planen und was die doppelt gemeldeten Hindernis-Spezialistinnen Lea Meyer (VfL Löningen) und Gesa Krause (Silvesterlauf Trier) zeigen.

Sprint: John angriffslustig, Frehe im Wettlauf gegen die Zeit

Die Sprint-Konkurrenzen (100 m / 200 m) kündigen sich mit dem historisch höchsten Niveau an; so musste man für den Sprung ins DM-Feld 10,51 s und 21,25 s bei den Männern bzw. 11,76 s und 23,99 s bei den Frauen anbieten. Noch deutlich umkämpfter wird selbstredend der Einzug ins Finale der besten Acht sein. Während Viola John ihren Bronze-Coup mit der EM-Staffel gut verarbeitet hat und vor allem über die 200 m zu beachten sein dürfte, befindet sich der Jan-Eric Frehe im Wettlauf gegen die Zeit – Ausgang offen.

„Ich habe mich mit Corona infiziert und bin erst seit Dienstagabend wieder negativ.“ (Jan-Eric Frehe)

„Ich habe mich mit Corona infiziert und bin erst seit Dienstagabend wieder negativ“, vermeldet Frehe die Hiobs-Botschaft zur Unzeit. Eigentlich wollte der Staffel-Silbermedaillengewinner von Bergen an seine sehr gute Verfassung anknüpfen und wer Jan-Eric Frehe kennt, der weiß, dass er als ausgewiesener Wettkampftyp auch jetzt nichts unversucht lassen wird. So fügt der 22-Jährige denn auch hinzu: „Ich freue mich zwar erstmal darüber, dass die DM-Teilnahme voraussichtlich überhaupt stattfinden kann, bleibe aber fokussiert. Am Donnerstag mache ich einen kleinen Formtest mit Spikes und letztlich entscheiden wir vor Ort, welche Rennen gelaufen werden können. Läuft alles gut, sehe ich keinen Grund über die 100 m und auch die 200 m nicht das Finale anpeilen zu können.“ – Ein Mann, ein Wort, ein unbändiger Wille.

Auf den 200 m hat Jan-Eric Frehe mit seiner zu einem frühen Saisonzeitpunkt erzielten PB von 21,00 s grundsätzlich noch Luft nach oben. In Bestform wäre er ein klarer Kandidat für die Top 5, die in der Meldeliste bis zu einem Wert von 20,90 s reicht. Auch für Viola John waren die bei erheblichem Gegenwind erzielten 23,67 s sicherlich nicht das Ende der Fahnenstange und sie muss sich im erstklassig besetzten Feld, das von Sophia Junk (LG Rhein-Wied) und Gina Lückenkemper (SCC Berlin) angeführt wird, nicht verstecken.

4 x 100 m-Staffeln: Ohne Protagonst:in, aber hungrig

Sowohl die männliche als auch die weibliche 4 x 100 m-Staffel müssen voraussichtlich auf den schnellsten Protagonisten bzw. die schnellste Protagonistin verzichten. Dabei wäre es Jan-Eric Frehe paradoxerweise zu wünschen, dass er nicht Teil des Quartetts sein kann – greift er doch ins Geschehen ein, ginge das mit einem Startverzicht auf den Einzelstrecken einher. Das volle Programm aus beiden Einzelstrecken und der Staffel ist für ihn ebenso wenig vorgesehen wie für Viola John – alles andere wäre ein Harakiri-Unterfangen, ein Spiel mit der Gesundheit.

So zeichnet sich für die Männer das Lineup Hendrik Jürgens, Jakob Bruns, Nils Hartleif, Gabriel Wusu ab – mit Jürgens, Bruns und Hartleif sind drei hungrige Sprinter dabei, die trotz satt erfüllter DM-Norm nicht den Sprung ins Feld schafften, Gabriel Wusu möchte nach anhaltenden gesundheitlichen Problemen seiner Saison einen positiven Twist geben. Bei den Frauen stellen sich Laura Brandhofe, Natalie Pisoke, Maja Huesmann und Tabea Christ dem Feld der 24 Staffeln – die ersten drei haben noch eine Rechnung offen, nachdem sie bei der U23-DM in Ulm den Stab nicht ins Ziel brachten.

Ähnlich wie für die Einzel-Konkurrenzen gilt für die Staffeln: Die Konkurrenz ist gewaltig.

Top 8-Perspektive für gemischtes Quartett

In ganz unterschiedlichen Disziplingruppen gehen vier Athletinnen mit Aussicht auf eine Top 8-Platzierung an den Start: Die erfahrene Meisterschaftsläuferin Kerstin Schulze Kalthoff wird über die 3000 m Hindernis versuchen, näher an die 10 Minuten heranzurücken oder sogar den Sprung unter die magische Grenze zu schaffen; begleitet wird sie von Anna Kamp und Christina Lehnen. Debütantin bei der Erwachsenen-Freiluft-DM ist Jule Glaßer, auch sie liegt als Nummer sechs der Meldeliste (4,10 m) aussichtreich in der Konkurrenz. Für die nominelle Mehrkämpferin Pia Meßing ist in Dresden der Einsatz mit dem Speer ein weiterer kleiner Schritt auf dem Weg zurück zu „alter“ Klasse – die mit 19 Jahren immer noch junge Athletin kann mit ihrer PB von 53,30 m in den Endkampf vorstoßen. Tabea Christ als Vierte des Quartetts kann das auch, wenn ihr die Verbindung von Anlauf und Absprung gelingt.

Über die 1500 m wird Marco Sietmann in einer hochklassigen Konkurrenz zunächst alles für den Finaleinzug geben. Dabei sollte man den 22-Jährigen nie unterschätzen: In den zurückliegenden Jahren hat Sietmann bei Meisterschaften regelmäßig für eine Überraschung gesorgt. Für Benjamin Gebhardt war auf der Stadionrunde bereits die DM-Qualifikation ein großer Erfolg war – vielleicht gelingt ihm als Zugabe der Sprung unter die 48 Sekunden-Grenze.

Weibliche U20: 3 x 800 m-Staffel auf Platz vier gemeldet

In die Aktiven-DM eingebettet sind die Langstaffeln der U20. Die weibliche 3 x 800 m-Staffel mit Mareen Jasper, Mia Bonekamp und Evi Lenz ist mit einer Vorleistung von 7:13,56 min auf Patz vier gemeldet – dabei dürften sie die Zeit deutlich steigern können. Indes haben auch andere Vereins-Staffeln bisher nicht ihr ganzes Potenzial ausgeschöpft, ein dynamisches Rennen ist zu erwarten.